Die große eBook-Bibliothek der Weltliteratur




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Дата26.09.2012
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Elftes Kapitel.

 

Yorick war des Pfarrers Name und – was höchst merkwürdig ist – dieser Name wurde (das zeigt eine alte auf starkem Pergament geschriebene und wohlkonservirte Familienurkunde) seit – beinah hätt' ich gesagt seit 900 Jahren, aber ich will keinen Zweifel an meiner Wahrhaftigkeit erregen, indem ich eine so unwahrscheinliche, obgleich an sich unbestreitbare Thatsache berichte, also bescheide ich mich und sage einfach – dieser Name wurde, ich weiß nicht seit wie lange, genau auf ein und dieselbe Weise geschrieben, was mehr ist, als ich von der guten Hälfte der besten Familiennamen unseres Landes sagen möchte, die im Lauf der Jahre gemeiniglich ebenso viel Veränderungen und Risse bekommen haben, als ihre Eigenthümer. – Entspringt dies aus dem Hochmuth oder der Scham besagter Eigenthümer? – Wahrhaftig, ich denke manchmal, aus dem einen wie aus der andern, je nachdem die Versuchung war. Aber ein jämmerliches Ding bleibt es immer und wird uns Alle miteinander eines Tages in Verwirrung und Unheil stürzen, daß Niemand im Stande ist aufzustehen und zu schwören, »daß sein eigner Urgroßvater der Mann war, der dies oder jenes gethan hat«. –

Diesem Uebelstande war durch die kluge Vorsorge der Yorickschen Familie vorgebeugt worden, sowie auch durch die gewissenhafte Aufbewahrung jener obenerwähnten Urkunde, aus welcher wir weiter erfahren, daß die Familie ursprünglich von dänischer Abkunft und schon frühe unter der Regierung des Hordenwillus, Königs von Dänemark, nach England übergesiedelt war, nachdem, wie es scheint, ein Vorfahr unseres Yorick, von welchem dieser in gerader Linie abstammte, am Hofe besagten Königs ein angesehenes Amt bekleidet hatte. Welcher Art dieses angesehene Amt war, sagt die Urkunde nicht, sie fügt nur hinzu, daß dasselbe seit fast 200 Jahren nicht allein an diesem, sondern an allen Höfen der Christenheit gänzlich aufgehoben sei. –

Es ist mir oft der Gedanke gekommen, daß dieses Amt wohl kein anderes gewesen sein mag, als das eines königlichen Hofnarren, und daß Hamlets Yorick bei Shakespeare, dessen Stücke sich oft auf authentische Begebenheiten gründen, wahrscheinlich derselbe Mann ist.

In Saxo Grammaticus' dänischer Geschichte deshalb nachzusehen, fehlt mir die Zeit, aber wenn Sie Muße haben und das Buch erhalten können, bitte ich Sie, dies selbst zu thun.

Bei meiner Reise in Dänemark – es war im Jahre 1741: ich begleitete damals Mr. Noddy's ältesten Sohn als Erzieher und galoppirte mit ihm in rasender Geschwindigkeit durch den größten Theil von Europa, von welcher originellen Reise im Verlauf dieses Werkes ein höchst anmuthiger Bericht gegeben werden soll – bei meiner Reise in Dänemark also hatte ich gerade Zeit genug, mich von der Richtigkeit einer Bemerkung zu überzeugen, die ein Mann, welcher lange in jenem Lande lebte, gemacht hat, – »daß nämlich die Natur hinsichtlich ihrer Gaben von Genie und Fähigkeiten an die Bewohner desselben weder verschwenderisch noch übermäßig karg sei, sondern wie eine verständige Mutter sich gegen alle mit Maße gütig bewiese und in der Vertheilung ihrer Gunstbezeigungen so gleichmäßig verfahre, daß sie durchschnittlich Jeden ohngefähr auf denselben Platz stelle, weshalb man in diesem Reiche nur selten außergewöhnlichen Geistesgaben, aber dafür in allen Ständen einem guten Theile gesunden Menschenverstandes begegne, an welchem letztern es keinem fehle« – was, meiner Meinung nach, ganz richtig geurtheilt ist.

Mit uns, sehen Sie, ist das ein ganz anderer Fall; wir alle sind, was das anbetrifft, entweder obenauf oder untendurch; Sie sind ein großes Genie oder, fünfzig gegen eins, Sir, Sie sind ein großer Schafskopf und Esel. Nun giebt es zwar auch Mittelstufen, und so ganz aus aller Reihe geht es auch bei uns nicht, – aber auf diesem verdrehten Eilande, wo die Natur ihre Gaben und Geschenke so höchst launisch und eigensinnig vertheilt, launischer noch als Fortuna ihre Güter und Reichthümer, sind die beiden Extreme doch das Gewöhnliche. –

Das ist das Einzige, was mich zuweilen in meiner Ueberzeugung von der Abkunft Yoricks irre gemacht hat, denn so viel ich mich seiner erinnere und nach allen Nachrichten, die ich über ihn einziehen konnte, scheint es mir, daß er auch nicht einen einzigen Tropfen dänischen Blutes in seinen Adern hatte: möglich, daß das in 900 Jahren ausgeschwitzt war, darüber will ich mir weiter den Kopf nicht zerbrechen, aber so viel steht fest, daß er statt des kühlen Phlegmas und der Gemüths- und Seelenruhe, die von einem Manne solcher Abkunft zu erwarten gewesen wären, ein so bewegliches und quecksilberartiges Temperament zeigte, in allen seinen Neigungen so sehr von dem Gewöhnlichen abwich und so viel Lebendigkeit, Laune und gaité du coeur besaß, wie nur das allerglücklichste Klima erzeugen und zusammenbringen kann.

Und bei so viel Segeln führte der arme Yorick nicht ein Quentlein Ballast mit sich! Es gab keinen unpraktischeren Menschen in der Welt; mit 26 Jahren verstand er sein Schifflein nicht besser zu steuern als ein wildes, unerfahrenes Mädchen von dreizehn; so daß die frische Brise seines Temperamentes ihn, wie leicht begreiflich, gleich bei seiner ersten Fahrt zehnmal am Tage in fremder Leute Takelwerk trieb, und da die Würdevollen und die Langsamfahrenden ihm am öftersten im Wege waren, so wird man ferner begreifen, daß sein böses Glück ihn gerade mit diesen am häufigsten zusammenrennen ließ. So viel ich weiß, darf man annehmen, daß die Ursache solcher Zusammenstöße ein gewisser unglücklicher Witz war, denn – um die Wahrheit zu gestehen – Yorick hatte seiner Natur nach einen unüberwindlichen Widerwillen gegen alles würdevolle Wesen und einen unwiderstehlichen Hang, ihm zu opponiren – nicht zwar gegen die Würde an sich, denn wo sie am Platze war, konnte er selbst tage-, ja wochenlang der würdevollste und ernsthafteste Mensch von der Welt sein, – aber er war ein abgesagter Feind der angenommenen Würde; und wo sie blos als Mantel für Dummheit und Albernheit umgenommen wurde, da erklärte ihr offen den Krieg, und kam sie ihm dann in den Weg, so gab er selten Pardon, mochte sie beschützt und beschirmt sein, von wem sie wollte.

In seiner lebhaften Redeweise pflegte er wohl zu sagen: Würdigthun sei ein rechter Schurke, und zwar einer von den allergefährlichsten, weil er zugleich arglistig sei; durch Würdigthun, glaube er, wären mehr ehrliche und wohlmeinende Leute in einem Jahre um Hab und Gut beschwindelt worden, als durch Taschendiebstahl und Einbruch in sieben. Wo ein fröhliches Herz sich offen gebe, da sei keine Gefahr, aber wo die Würde bloße Absicht, das heißt, wo sie nur angenommen sei, da habe sie den Werth eines erlernten Kunststückchens, mit dem man der Welt weiß machen wolle, daß man mehr Gemüth und Verstand besitze, als es in Wahrheit der Fall sei; trotz aller ihrer Prätensionen sei sie doch nicht besser – eher schlechter –, als wofür sie ein französisches Witzwort anerkenne: »eine geheimnißvolle Körperdekoration, um die Mängel des Geistes zu verbergen«, – von welcher Definition Yorick höchst unvorsichtig zu sagen pflegte, daß sie mit goldenen Lettern eingegraben zu werden verdiente.

Aber, offen gesagt, er war unerfahren in der Welt und unpraktisch; auch in der Unterhaltung über andere Gegenstände, wo es politisch gewesen wäre, eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten, war er indiskret und thöricht. Yorick ließ sich ganz und gar von dem Eindruck beherrschen, welchen die Natur der Sache, die eben besprochen wurde, auf ihn machte. Diesen Eindruck übersetzte er gewöhnlich, ohne alle Rücksicht auf Person, Ort oder Gelegenheit, in seine ehrliche Muttersprache, so daß er, wenn z.B. von einer erbärmlichen und unedlen Handlung die Rede war, sich keinen Augenblick Zeit gab, darüber nachzudenken, wer der Held der Begebenheit und welcher Art seine Stellung sei, oder ob derselbe Macht habe, ihm nachträglich zu schaden, sondern war es eine elende Handlung, so hieß es ohne weiteres: der Kerl ist ein Lump u.s.w. – Und da seine Bemerkungen gewöhnlich das Unglück hatten, mit einem bon mot zu schließen oder mit irgend einem drolligen und spaßigen Ausdruck gewürzt zu sein, so gab das der Rücksichtslosigkeit Yoricks erst rechte Flügel. Genug, obgleich er nie die Gelegenheit suchte (freilich auch nicht mied), das Aeußerste ohne allen Rückhalt zu sagen, so boten sich ihm in seinem Leben nur zu viele Versuchungen dar, seinen Witz und seine Laune, seine Sticheleien und Späße auszustreuen, – und man ermangelte nicht das Ausgestreute aufzuheben.

Was die Folge davon war, und wie Yorick darüber zu Grunde ging, das wird man im nächsten Kapitel lesen. –

 Zwölftes Kapitel.

 

Der Gläubiger unterscheidet sich hinsichtlich der Länge seines Geldbeutels von dem Schuldner nicht so sehr, als der Spaßvogel von dem, den sein Scherz traf, hinsichtlich der Länge des Gedächtnisses. Aber hier geht der Vergleich, wie die Scholasten es nennen, auf allen Vieren, was, nebenbei gesagt, um ein oder zwei Beine mehr ist, als Homers beste Vergleiche für sich in Anspruch nehmen können, nämlich: der Eine erhebt auf fremde Kosten eine Summe Geldes, der Andre ein Gelächter, und beide denken nicht weiter daran. Die Interessen laufen jedoch hier wie da fort, werden terminweise oder gelegentlich bezahlt und dienen eben dazu, die Erinnerung an die Sache frisch zu erhalten, bis plötzlich zur bösen Stunde der Gläubiger jedem von ihnen über den Hals kommt, auf der Stelle Kapital und volle Zinsen bis zum laufenden Tage einfordert und ihnen auf diese Weise die ganze Ausdehnung ihrer Verpflichtungen fühlbar macht.

Da der Leser (denn ich hasse die »Wenns«) eine gründliche Kenntniß der menschlichen Natur besitzt, so brauche ich ihm weiter nicht zu sagen, daß mein Held bei seiner Art zu procediren einige Bekanntschaft mit diesen gelegentlichen Mementos machen mußte. Die Wahrheit zu sagen, hatte er sich leichtfertig in eine Menge solcher kleinen Schulden verwickelt, die er trotz Eugenius' wiederholter Warnung zu sehr auf die leichte Schulter nahm, denn er meinte, keine einzige derselben wäre ja in böslicher Absicht eingegangen, sondern mit ehrlichem Gemüthe und aus fröhlicher Laune, und so würden sie alle mit der Zeit gestrichen werden.

Eugenius wollte das nie zugeben und sagte oft, man würde sie ihm einmal eines Tages alle anrechnen, und zwar – wie er mit einem Tone sorgenschwerer Ahnung hinzusetzte – mit Zins auf Zins. Worauf Yorick in seiner gewöhnlichen Sorglosigkeit mit einem »Pah« zu antworten pflegte, und kam die Rede auf diesen Gegenstand, während sie im Felde spazieren gingen, so war er mit einem Wupp und Sprung am andern Ende; aber eingezwängt im Kaminwinkel mit einem Tische und ein Paar Armstühlen vor sich, so daß er nicht so leicht in der Tangente entschlüpfen konnte, mußte er wohl Eugenius anhören, der ihm dann etwa so – nur besser stylisirt – eine Vorlesung über Diskretion hielt:

»Glaube mir, Yorick, diese unbedachte Spaßlust wird dich früher oder später noch in solche Verlegenheiten und Unannehmlichkeiten bringen, daß keine späte Klugheit dich daraus erlösen kann. Ich seh' es ja: nur zu oft betrachtet sich der, über den man bei deinen Ausfällen lacht, als eine beleidigte Person mit allen den Rechten, die einer solchen zustehen; und wenn du ihn auch in diesem Lichte betrachtest, wenn du alle seine Freunde, seine Familie, seine Verwandten, seine Verbündeten zusammenzählst, wenn du noch alle jene hinzurechnest, die sich aus einem Gefühle gemeinsamer Gefahr um ihn schaaren, so gehört wahrlich keine große Rechenkunst dazu, um zu finden, daß du dir immer für je zehn Späße hundert Feinde gemacht hast; aber ehe du dir nicht einen Schwarm Wespen um die Ohren herbeigefochten, und sie dich nicht halb zu Tode gestochen, wirst du das nicht einsehen. Ich bin weit davon entfernt, dem Manne, den ich achte, zu mißtrauen, und zu glauben, daß in diesen Späßen nur ein Tüttelchen von Aerger oder Böswilligkeit enthalten sei; ich glaube, ich weiß, es sind ehrliche, lustige Späße. Aber sieh, lieber Junge, die Narren können das nicht unterscheiden, und die Schelme wollen es nicht, und du weißt nicht, was es heißt, den reizen oder über jenen sich lustig machen. Verlaß dich darauf, wenn sie sich zu gegenseitiger Vertheidigung zusammenthun, so werden sie den Krieg gegen dich in solcher Weise führen, daß du seiner und des Lebens dazu bald herzlich satt sein wirst.«

»Aus giftigem Verstecke wird Rache ein ehrloses Gerücht gegen dich spritzen, und weder Unschuld des Herzens noch Reinheit des Wandels werden dich vor demselben schützen können. Das Glück deines Hauses wird wanken, dein Charakter, auf dem es gegründet, wird aus tausend Wunden bluten; dein Glaube wird angezweifelt, dein Witz vergessen, deine Gelehrsamkeit unter die Füße getreten, deine Worte werden verläumdet werden. Um dir die letzte Scene dieses Trauerspieles vorzuführen: Grausamkeit und Feigheit, zwei Schurken, die Bosheit im Dunkel warb und auf dich hetzte, werden über alle deine Schwächen und Irrthümer herfallen. Ach! der Allerbeste von uns ist da verwundbar, mein lieber Junge, und glaube mir, glaube mir, Yorick, wenn es zur Befriedigung persönlicher Rache einmal beschlossen wurde, ein unschuldiges und hülfloses Geschöpf zu opfern, so ist es ein Leichtes, in irgend einem Dickicht, wohin sich das arme Ding einmal verirrte, so viel dürres Holz zusammenzulesen, um es darauf zu rösten.«

Fast niemals hörte Yorick diese trübe Weissagung seines Schicksals, ohne daß sich eine Thräne aus seinem Auge gestohlen hätte, die ein versprechender Blick begleitete, der sagen sollte, er sei entschlossen, fortan sein Rößlein behutsamer zu reiten. Aber ach! zu spät! Schon vor der ersten Prophezeiung hatte sich eine große Verschwörung gebildet mit ***** und ***** an der Spitze. Der Angriffsplan wurde ganz so, wie es Eugenius vorhergesagt hatte, mit einem Male in Ausführung gebracht, und so wenig ahnte Yorick von dem, was gegen ihn im Werke war, daß sie den guten leichtsinnigen Mann, eben als er mit voller Zuversicht auf eine Beförderung rechnete, an der Wurzel trafen und er dahin stürzte, wie schon mancher treffliche Mann vor ihm gestürzt ist.

Doch kämpfte Yorick mit aller denkbaren Tapferkeit einige Zeit dagegen an, bis er endlich, überwältigt von der Menge der Gegner und ermüdet von der Beschwerde des Kampfes, noch mehr aber angeekelt von der unritterlichen Art, mit der gekämpft wurde, das Schwert von sich warf; und obgleich er scheinbar seinen guten Muth nicht verlor, so starb er dennoch, wie man allgemein glaubt, an gebrochenem Herzen. Weshalb auch Eugenius dies zu glauben geneigt war, geht aus Folgendem hervor:

Wenige Stunden, bevor Yorick seinen letzten Athemzug that, trat Eugenius in das Zimmer, um ihn noch einmal zu sehen und ihm Lebewohl zu sagen. Als er den Vorhang des Bettes lüpfte und Yorick fragte, wie es ihm gehe, blickte dieser auf, nahm des Freundes Hand und nachdem er ihm für die vielen Beweise seiner Freundschaft gedankt hatte, für die er ihm, wie er sagte, immer und immer wieder danken würde, wenn sie sich jenseits begegnen sollten, – fuhr er fort: in wenigen Stunden werde er nun seinen Feinden auf immer entwischt sein. – Das hoffe ich nicht, erwiederte Eugenius mit dem zärtlichsten Ton, in dem je eines Mannes Stimme erklang, während ihm die Thränen über die Backen rannen, – das hoffe ich nicht, Yorick. – Yorick antwortete mit einem Blicke nach oben und drückte dabei sanft Eugenius' Hand; das war Alles, aber es schnitt Eugenius ins Herz. – Muth, Muth, sagte Eugenius und versuchte sich zu ermannen, indem er sich die Augen wischte, – nicht so trostlos, alter Junge; laß Muth und Kraft nicht von dir weichen in dieser Krisis, wo du ihrer so sehr bedarfst. Wer weiß, wo noch Hülfe ist und was Gottes Allmacht für dich noch thut! – Yorick legte die Hand aufs Herz und schüttelte leise das Haupt. – Was mich anbetrifft, fuhr Eugenius fort und schluchzte bitterlich bei den Worten, so gestehe ich, ich weiß nicht, wie ich die Trennung von dir ertragen soll, und gern – fügte er mit erhobener Stimme hinzu – möchte ich mir mit der Hoffnung schmeicheln, daß noch Zeug genug in dir geblieben sei, um einen Bischof daraus zu machen, und daß ich dich als solchen noch mit meinen Augen sehe! – Ich bitte dich, Eugenius, sagte Yorick, und nahm dabei seine Nachtmütze, so gut er konnte, mit der linken Hand ab, denn die Rechte hielt Eugenius noch fest gefaßt – ich bitte dich, sieh einmal meinen Kopf an. – Ich bemerke da nichts Besonderes, erwiederte Eugenius. – Doch, doch, lieber Freund, sagte Yorick – er ist von den Hieben, welche ***** und ***** und einige Andere so tölpelhaft im Dunkeln darauf geführt haben, so verschwollen und mißgestaltet, daß ich mit Sancho Pansa sagen kann: »und würde ich gesund und regneten mir Bischofsmützen so dicht wie Hagel vom Himmel darauf, ihm würde doch keine passen«. – Als Yorick dies sagte, schwebte sein letzter Athemzug, im Begriff zu erlöschen, auf seinen zitternden Lippen, aber er sagte es noch mit einem gewissen Cervantischen Tone, und dabei sah Eugenius einen Augenblick lang einen Strahl spielenden Feuers in seinen Augen aufleuchten, ein schwaches Abbild jener Geistesblitze, die (wie Shakespeare von seinem Vorfahren berichtet) eine ganze Tafelrunde in schallendes Gelächter zu versetzen pflegten.

Eugenius schöpfte daraus die Ueberzeugung, daß der Freund an gebrochenem Herzen sterbe; er drückte ihm sanft die Hand – dann schlich er leise aus dem Zimmer und weinte im Gehen. Yorick folgte Eugenius mit den Blicken bis zur Thür – darauf schloß er die Augen und öffnete sie nicht wieder.

In einem Winkel seines Kirchhofs, im Dorfe *** liegt er begraben, unter einer einfachen Marmorplatte, die sein Freund Eugenius mit Erlaubniß der Testamentsvollstrecker auf sein Grab legte und die nur drei Worte enthält, welche Grabschrift und klagender Nachruf zugleich sind:

 



Zehnmal täglich hat Yoricks Geist den Trost, seine Grabschrift in so weicher Modulation von Klagetönen, wie allgemeines Mitgefühl und Achtung für ihn sie anschlagen, laut lesen zu hören, denn ein Fußpfad läuft dicht an seinem Grabe vorbei über den Kirchhof hin, und nicht ein Wandrer geht vorüber, ohne stehen zu bleiben, einen Blick darauf zu werfen und weiterschreitend zu seufzen: Ach! armer Yorick! –

 
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