Die Geschichte des Schlagzeugs-Sets




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НазваниеDie Geschichte des Schlagzeugs-Sets
Дата20.02.2013
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Die Geschichte des Schlagzeugs-Sets

Von Berndt Luef


Am Ende des amerikanischen Bürgerkrieges haben sich viele Militärkapellen aufgelöst, ihre Instrumente billig abgegeben, wodurch auch schwarze Musiker die Möglichkeit hatten zu Instrumenten zu kommen. Besonders in New Orleans entstanden viele Kapellen, die einerseits Beerdigungskapellen waren, andrerseits auf diversen Festveranstaltungen gespielt haben. Die Schlagzeuggruppe bestand meist aus zwei bis drei Spielern (kleine Trommel, große Trommel, Becken).

Anfang 19oo probierten einige Schlagzeuger eine Technik, die kleine und große Trommel mit beiden Händen zusammen zu spielen, später kamen einige auf die Idee, die große Trommel mit dem Fuß zu bedienen und die Herren H.A. Bower, Georg Olney und William F. Ludwig (Ludwig drums) entwickelten das erste Fußpedal. Die ersten Sitzschlagzeuge entstanden 1921 auf Theaterbühnen und in Stummfilmkinos. Neben der großen Trommel (bass drum) und der kleinen Trommel (snare drum) verwendete man Temple - Blocks, Kuhglocken, Waschbretter und chinesische Toms. Die Rhythmik entwickelte sich aus der Marsch - und Ragtime Musik. John Phillip von der “Sousa Concert Band” machte die Ragtime - Synkopen populär.

Warren “Baby” Dodds (24.12,1898 - 14.o2.1959), der mit King Oliver und Louis Armstrong zusammen in New Orleans spielte, war der erste Schlagzeuger, der dem Drumset die entscheidende Richtung gab. Er wurde 1925 zum ersten Jazzdrummer, der den “Back - beat” (Betonung auf die Zwei und Vier) einführte, dazu frei improvisieren konnte und Wirbel, Triolen und punktierte Rhythmen in sein Spiel mischte. Die Hi Hat gab es damals allerdings noch nicht in der heutigen Form. Ihr Vorläufer war der kniehohe “Low Boy”, der ausschließlich mit dem Fuß getreten wurde. Ende der zwanziger Jahre erschien die “Charleston” Maschine, die der heutigen Hi Hat weitgehend entspricht. So war ca. 1928 das komplette Schlagzeug Set geboren, das mit Stöcken, Besen und Mallets bespielt worden ist. In der Swing Ära entwickelte sich das Schlagzeugspiel mit Legato Wirbel, den “crashes” (Abschläge auf dem Becken) und Ostinato Figuren weiter und die ersten Unabhängigkeitstechniken kamen auf. Jo Jones und Walter Johnson gelten als Pioniere dieses “Independence drumming”. Jo Jones gilt außerdem als Erfinder der typischen “Swing” Rhythmusfigur: I I. II I. I , wobei er, wenn er sie auf der Hi Hat spielte, drei verschiedene Sounds (closed, open, half open) eingesetzt hat. Wenn die Figur auf dem Ride Cymbal gespielt wird, wird die Hi Hat auf 2 & 4 getreten. Gene Krupa spielte die ersten längeren Schlagzeugsoli in der Benny Goodman Bigband und Chick Webb war der erste Bandleader unter den Schlagzeugern, der auch die Doppelschlagtechniken wie die Mühle (RRLL) und den Paradiddle (RLRR LRLL) entwickelte . Die erste Emanzipation des Schlagzeug Sets, das nun meist aus HiHat, snare drum, bass drum, einem auf der bass drum befestigten TomTom und zwei bis drei Becken bestand, war vollzogen.

Anfang der vierziger Jahre entstand der BeBop Stil, in dem junge schwarze Musiker wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk sich gegen die zunehmende Verkommerzialisierung der Jazzmusik wehrten, in dem sie die Harmonik erweiterten, der Improvisation breiteren Raum gaben und schnelle Tempi bevorzugten. So veränderte sich auch das Schlagzeugspiel gravierend. Kenny Clarke war der Pionier der neuen Spielweise, indem er zu den unabhängigen Ride - Cymbal Ostinati “fills” mit der linken Hand auf der snare und punktierte bass drum grooves spielte. Unter den vielen jungen Schlagzeugern begannen damals Max Roach und Roy Haynes ihre Karriere. Jim Chapin veröffentlichte 1948 “die” berühmte Schlagzeug Schule des Jazz: “Advanced Techniques for the modern drummer”, die bis heute die 60te Auflage erreicht hat.

Mittlerweile war das Stand Tom mit abschraubbaren Beinen als weiter Trommel ins Set integriert worden. Dizzy Gillespie und Stan Kenton integrierten latein = amerikanische Rhythmen in den Jazz und sorgten für eine weitere Entwicklung der Schlagzeug Spielweise. Gillespie engagierte auch als erster einen eigenen Perkussionisten in seine Band. Die ersten bekannten Perkussions Bandleader waren dann Mongo Santamaria und Tito Puente.

Der Cool Jazz, bei dem der Drummer “nicht zu hören, nur zu spüren” sein sollte brachte eine Verfeinerung des Besen Stils. Mitte der fünfziger Jahre wurde im besonders in New York gespielten Hard Bop Stil wieder die negroiden Elemente stärker betont und Schlagzeuger wie Art Blakey, Philly Joe Jones, Art Taylor und die vorher schon erwähnten Max Roach und Roy Haynes waren daran maßgeblich beteiligt. Im eher “weißen” Westcoast Stil waren der Big Band Leader Mel Lewis, Shelly Manne und Joe Morello stilbildend. Max Roach spielte übrigens auf seiner LP “ Drums Unlimited” als erster “reine” Schlagzeug Solostücke ein, wobei das Thema von “For big Sid” zu einem berühmten Viertakter für Schlagzeuger wurde.

Anfang der sechziger Jahre revolutionierte Elvin Jones im John Coltrane Quartett die Schlagzeug Spielweise. Hände und Füße wurden unabhängig voneinander eingesetzt und das Spiel wurde durch viele “fills” und “rolls” unterbrochen. Paul Motion war ein gefragter Trio Drummer und Buddy Rich der wichtigste Bigband Drummer dieser Zeit. Miles Davis entdeckte den 16jährigen Tony Williams, dessen einzigartige Spielweise eine ganze Generation von Schlagzeugern wie Jack deJohnette, Joe Chambers, Billy Higgins, Billy Hart und Bill Cobham beeinflußt hat. In diesem Stil wurde die HiHat entweder durchgehend auf allen Vierteln oder überhaupt nicht mehr als Ostinato - Figur getreten. Miles Davis war dann am Ende der 6oer Jahre zusammen mit Charles Lloyd und Cannonball Adderley maßgeblich an der Aufnahme von Rockelementen in den Jazz beteiligt. Im Free Jazz waren Ed Blackwell, Beaver Harris und Rashied Ali stilbildend und im Art Ensemble of Chicago entwickelte Don Moye seinen ganz speziellen Schlagzeugsound.

In den sechziger Jahren wurde mit der Einführung der Plastikfelle der Firmen Remo und Evans die Voraussetzung für eine weltweit gesteigerte Produktion von Schlagzeugen geschaffen, denn die damals noch verwandten Naturfelle hätten den wachsenden Bedarf nicht decken können. In der Rock´n´Roll-Ära um Elvis Presley und Bill Haley in den fünfziger Jahren waren Hal Paine und Earl Palmer die bekanntesten Drummer. In den sechziger Jahren begann in England das Rock - Drumming. Mit einem kleinen Set (Bassdrum, Snaredrum, Hängetom, Standtom, HiHat, Ride & Crash Becken) waren Ringo Starr (Beatles), Charlie Watts (Rolling Stones) und Mick Avory (Kinks) auf Tournee. Das Schlagzeug wurde dann sowohl im Jazz als auch in der Rockmusik immer größer. Das erste Doppel Bassdrum Set wurde im Jazz vom Bigband Leader Louis Bellson gespielt, in der Rockmusik machten Mitch Mitchell (Jimi Hendrix), Keith Moon (Who) und Ginger Baker (Cream) diese Spielweise bekannt. Ein großes Set verwendete auch John Bonham von Led Zeppelin und Ian Paice von Deep Purple. Jon Hiseman von Collosseum war der einfallreichste Solist dieser Rock - Ära.

Ausgehend von der gegenseitigen Beeinflussung kam es in den siebziger Jahren zu einer Verschmelzung von Jazz, Rock, Funk und Latin-Elementen. Bill Cobham war einer der führenden Vertreter dieser Richtung (seine erste Solo LP “Stratus” wurde zu einem “Transkriptionsmuß” für Schlagzeuger). Weitere Schlagzeuger dieser als “Jazz Rock” bezeichnenden Ära waren auf der eher “jazzigen” Seite neben den schon erwähnten Tony Williams und Jack deJohnette, Lenny White (Chick Corea´s return to forever), Alphonse Mouzon (Wheather Report), Al Foster (Miles Davis) & Bernard Purdie, sowie auf der “rockigen” Seite David Garibaldi (Tower of power), Carl Palmer (Emerson, Lake and Palmer) und die Schlagzeuger der Gruppen Blood, Sweat and Tears, Chicago, Soft Machine, If und besonders die von Frank Zappa eingesetzten Drummer (z.B.: Keef Hartley, Terry Bozio). Einen neuen Stil entwickelte Steve Gadd, der in Jazzstücken die 12 Triolenachtel und in Funk Stücken die 16 Sechszehntelnoten als Grundrhythmus annahm und die Betonungen auf Becken, Hi Hat, snare drum und bass drum innerhalb dieser Figuren verteilte. Die beiden meist beschäftigsten Perkussionisten dieser Zeit waren Airto Moreira und Don Alias. Einen neuen Einfluß brachte auch die weite Verbreitung der Reggae Musik aus der Karibik durch Bob Marley´s Gruppen mit Schlagzeugern wie Sly Dunbar und Harvey Burns. In den achtziger und neunziger Jahren kam es zu einer weiteren Verschmelzung von verschiedensten Stilen (Fusion etc.), der Einfluß der zeitgenössischen Musik wurde größer und es gab und gibt Revival Tendenzen. ln allen Stilen sind aber die Anforderungen an die Schlagzeuger durch die erweiterten technischen Möglichkeiten immer größer geworden. Einige der wichtigsten Schlagzeuger(innen) sind unter anderen Peter Erskine, Dave Weckl, Omar Hakim, Daniel Humair, Trilok Gurtu, Cindy Blackman u.v.a., sowie als Perkussionisten Mino Cinelu, Alex Acuna.


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