Die Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel




НазваниеDie Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel
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Дата29.01.2013
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Der Keller


I.


Wenn man 1783, am Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, jemandem gesagt hätte, dass New York eines Tages die größte Stadt der Welt sein würde, hätte man nur Kopfschütteln geerntet. Denn die Aussichten New Yorks waren 1783 alles andere als rosig. Weil es der englischen Krone so treu gewesen war wie keine Stadt sonst, hatte der Krieg sein Ansehen in der neuen Republik nicht gerade gefördert. 1790 hatte es 10 000 Einwohner, und Philadelphia, Boston und sogar Charleston waren weit umschlagstärkere Hafenstädte.

Der Staat NewYork besaß allerdings einen wesentlichen Vorteil: eine Öffnung gen Westen durch die Appalachen, den Gebirgszug, der parallel zum Atlantischen Ozean verläuft. Heute kann man kaum noch glauben, dass diese sanft ansteigenden Berge, oft kaum mehr als große Hügel, einmal ein ernsthaftes Hindernis für die Mobilität der Menschen darstellten. Aber es gab fast keinen brauchbaren Pass in der insgesamt mehr als 4000 Kilometer langen Gebirgskette, und sie stellte ein derartiges Hindernis für Handel und Verkehr dar, dass viele Leute glaubten, die Pioniere, die jenseits der Berge siedelten, würden sich schließlich schon aus praktischer Notwendigkeit von den Kolonien an der Ostküste abkoppeln und einen eigenen Staat bilden. Für die Farmer jenseits der Appalachen war es nämlich billiger, ihre Produkte flussabwärts über den Ohio und Mississippi nach New Orleans zu verschiffen und von dort um Florida herum die Atlantikküste hinauf nach Charleston oder in einen anderen Hafen an der Ostküste, als sie mühsam übers Gebirge zu transportieren. Auch wenn das zehnmal länger dauerte.

Aber 1810 kam De Witt Clinton, damals Bürgermeister von New York und schon bald Gouverneur des gleichnamigen Staates, mit einer Idee an, die viele für vermutlich irre, auf jeden Fall aber illusorisch hielten. De Witt Clinton schlug vor, durch den Staat bis zum Eriesee einen Kanal zu bauen, der New York mit den Großen Seen und dem reichen Ackerland dahinter verbinden sollte. Kein Wunder, dass die Leute von »Clintons Hirngespinst« sprachen. Mit Spitzhacke und Schaufel hätte man den Kanal, gut zwölf Meter breit, durch 585 Kilometer rauer Wildnis graben und, um die vielen Höhenunterschiede auszugleichen, dreiundachtzig Schleusen bauen müssen, deren jede 27,5 Meter lang hätte sein müssen. An manchen Abschnitten durfte die Steigung durchschnittlich nicht mehr als zweieinhalb Zentimeter pro eineinhalb Kilometer betragen. Noch nie hatte man in der besiedelten Welt, geschweige denn in der Wildnis, einen Kanalbau versucht, der auch nur annähernd so viele Schwierigkeiten bot.

Hinzu kam, dass es in den Vereinigten Staaten keinen einzigen dort aufgewachsenen Ingenieur gab, der jemals an einem Kanal gearbeitet hatte. Thomas Jefferson, der ehrgeizige Ziele normalerweise hoch achtete, fand das Vorhaben geisteskrank. »Es ist ein wunderbares Projekt und kann vielleicht in hundert Jahren verwirklicht werden«, räumte er nach Durchsicht der Pläne ein, fuhr aber gleich darauf fort: »Heute an so etwas zu denken grenzt an Wahnsinn.« Präsident James Madison verweigerte die Hilfe der Bundesregierung, zumindest teilweise von dem Wunsch beseelt, den Hauptanteil der Handelsaktivitäten weiter im Süden zu behalten, weg von der alten Hochburg der Loyalisten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

NewYork stand also vor der Alternative, die Sache allein durchzuziehen oder darauf zu verzichten. Trotz der Kosten, Risiken und des fast vollständigen Mangels an notwendigen Fachkenntnissen beschloss die Stadt, das Projekt selbst zu finanzieren. Vier Männer, Charles Broadhead, James Geddes, Nathan Roberts und Benjamin Wright, wurden mit der Arbeit beauftragt. Drei waren Richter, der vierte Lehrer. Keiner hatte jemals einen Kanal gesehen, geschweige denn einen gebaut. Das Einzige, was sie gemeinsam hatten, war eine gewisse Erfahrung in der Landvermessung. Doch sie waren experimentierfreudig, lasen viel, holten sich Rat ein und schafften es, das größte technische Wunderwerk zu vollenden, das die Neue Welt je gesehen hatte. Sie waren die ersten Leute in der Geschichte, die lernten, einen Kanal zu bauen, indem sie einen Kanal bauten.

Ganz früh schon stellte sich heraus, dass der Mangel an dem richtigen Zement die Durchführbarkeit des gesamten Unternehmens gefährdete. Man brauchte nämlich mehr als eineinhalb Millionen Liter Zement, um den Kanal wasserdicht zu machen. Schon wenn nur an einer Stelle Wasser durchgesickert wäre, hätte das eine Katastrophe für den ganzen Kanal bedeutet, das Problem musste also definitiv vorher gelöst werden. Leider wusste niemand, wie.

Da reiste ein junger Angestellter der Kanalgesellschaft namens Canvass White freiwillig und auf eigene Kosten nach England, um dort alles zu lernen, was es zu lernen gab. Fast ein Jahr lang wanderte er kreuz und quer durch das Königreich — mehr als dreitausend Kilometer —, inspizierte Kanäle, prägte sich alles über Bau und Pflege ein und richtete sein besonderes Augenmerk auf die Wasserundurchlässigkeit. Zufällig stellte sich heraus, dass Parker's Roman Cement, der beim Zusammenbruch von William Beckfords Fonthill Abbey eine solch unrühmliche Rolle gespielt hatte, einen unerwartet guten hydraulischen Zement abgab; man brauchte ihn ja nur als wasserundurchlässigen Mörtel. Der Erfinder, Reverend Parker aus Gravesend bei London, wurde leider nicht reich davon, denn er verkaufte sein Patent, ein Jahr nachdem er es bekommen hatte, emigrierte — Ironie der Geschichte in die Vereinigten Staaten und starb. Doch sein Zement machte sich sehr gut (erst in den 1820er Jahren wurden bessere Sorten gemischt) und gab Canvass White Hoffnung zu der Annahme, (lass er vielleicht etwas Ähnliches mit amerikanischen Rohmaterialien schaffen könnte.

Nach seiner Rückkehr und nun mit einer gewissen Kenntnis der wissenschaftlichen Prinzipien der Adhäsion ausgestattet, experimentierte White mit verschiedenen einheimischen Substanzen und entwickelte rasch eine Verbindung, die sogar noch besser als Parkers Zement war. Es war ein großer Moment in der amerikanischen Technikgeschichte — ja, man könnte sogar sagen, in diesem Moment begann die amerikanische Technikgeschichte —, und White hätte eigentlich reich und berühmt werden müssen. Wurde er aber nicht. Seine Patente hätten ihn mit vier Cents pro 35 Liter beteiligen sollen, was weiß Gott nicht die Welt war, doch die Hersteller weigerten sich, ihm von ihren Gewinnen abzugeben. Er ging mit seinen Forderungen vor Gericht, bekam aber nie ein Urteil zu seinen Gunsten und wurde arm und ärmer.

Die Produzenten des nunmehr besten hydraulischen Zements der Welt wiederum wurden steinreich. Zum großen Teil dank Whites Erfindung eröffnete der Kanal früher als gedacht im Jahre 1825, schon acht Jahre nach Baubeginn. Es war ein Triumph von Anfang bis Ende. Der neue Wasserweg wurde von so vielen Schiffen benutzt — im ersten Jahr von 13 000 —, dass die Positionslichter nachts auf dem Wasser Glühwürmchenschwärmen glichen, wie ein faszinierter Beobachter das Spektakel beschrieb. Mit dem Kanal sanken die Kosten des Transports beispielsweise von Mehl von Buffalo nach New York von einhundertzwanzig Dollar pro Tonne auf sechs Dollar, und die Transportzeit verkürzte sich von drei Wochen auf etwas mehr als eine. Für die wirtschaftliche Entwicklung NewYorks war das ein wahrer Segen. NewYorks Anteil an den Exporten des Landes stieg sprunghaft an, von weniger als zehn Prozent im Jahre 1800 auf über sechzig Prozent um die Jahrhundertmitte; im selben Zeitraum stieg seine Bevölkerung, noch rasanter, von 10 000 auf weit über eine halbe Million.

Wahrscheinlich hat kein Industrieprodukt in der Geschichte auf jeden Fall keines, das weniger bekannt ist — so viel zum Aufblühen einer Stadt beigetragen wie Canvass Whites hydraulischer Zement. Der Erie-Kanal sorgte dafür, dass New York sich als Wirtschaftszentrum etablieren konnte und stärkte überhaupt die Position der USA in der Welt. Ohne den Erie-Kanal wäre Kanada in einer idealen Lage gewesen, zur führenden Wirtschaftsmacht Nordamerikas aufzusteigen, denn der St.-Lorenz-Seeweg hätte als Verbindung zwischen den Großen Seen und den fruchtbaren Ländern dahinter dienen können.

Canvass White aber reiste 1834, erschöpft von den juristischen Querelen und an einer ernsthaften, aber nicht genannten Krankheit (vermutlich Schwindsucht) leidend, nach St. Augustine in Florida, um dort Genesung zu finden, und starb kurz nach seiner Ankunft. Da war er schon von der Geschichte vergessen und so arm, dass seine Frau kaum die Beerdigung bezahlen konnte. Und vermutlich hier wird wohl auch sein Name zum letzten Mal genannt.

Ich erwähne das alles nur, weil wir in den Keller hinabgestiegen sind, einen unfertigen, kargen Raum im alten Pfarrhaus, wie es ihn in den meisten englischen Häusern der Zeit gab. Ursprünglich diente er vor allem als Kohlenkeller. Heute befinden sich hier der Heizkessel, nicht gebrauchte Koffer, Sportgeräte, für die gerade keine Saison ist, und viele Pappkartons, die fast nie geöffnet, aber stets bei jedem Umzug sorgsam von Haus zu Haus mitgenommen werden, weil man immer hofft, dass eines Tages jemand die Babysachen braucht, die seit fünfundzwanzig Jahren in einem der Kartons liegen. Der Keller ist nicht sehr anheimelnd, aber dafür vermittelt er uns ein Gefühl für den »Überbau« des Hauses, die Dinge, die es halten und zusammenhalten. Und um die geht es in diesem Kapitel. Die Story des Erie-Kanals habe ich deshalb vorweggeschickt, weil ich darauf hinweisen möchte, dass die Baumaterialien wichtiger und meiner Meinung nach sogar interessanter sind, als man denkt. Jedenfalls machen sie auf Arten und Weisen Geschichte, die in Büchern nicht oft erwähnt werden.

Amerika zeigt in seinen Anfängen aber auch, wie man ohne das richtige Baumaterial zurechtkommen konnte. An der Ostküste fehlte so gut wie alles, was man zum Häuserbau brauchte. Unter anderem gab es dort keinen Kalkstein, wie schon die ersten Kolonisten zu ihrer Bestürzung feststellen mussten. In England konnte man ein einigermaßen solides Haus mit Flechtwerk und Lehm bauen — also mit Schlamm und Stöcken —, wenn der Schlamm ausreichend mit Kalk gebunden war, doch da es in Amerika keinen Kalk gab (beziehungsweise man erst 1690 welchen fand), bauten die Kolonisten mit getrocknetem Schlamm, dem es schmerzlich an Stabilität gebrach. Im 17. Jahrhundert hielt kaum ein Haus länger als zehn Jahre. Es war die Periode der Kleinen Eiszeit, als die gemäßigten Breiten über ein Jahrhundert lang mit bitterkalten Wintern und heulenden Stürmen geschlagen waren. 1634 blies ein Hurricane die Hälfte der Häuser in Massachusetts weg: hob sie buchstäblich hoch und trug sie davon. Kaum hatten die Menschen sich neue gebaut, tobte ein weiterer ähnlich schwerer Sturm und »kippte«, mit den Worten eines Tagebuchschreibers, der es selbst erlebte, »mehrere Häuser um und deckte von etlichen die Dächer ab«. In vielen Gegenden gab es nicht einmal halbwegs anständige Steine zum Bauen. Als George Washington die Loggia auf seinem Anwesen Mount Vernon mit schlichten Steinplatten auslegen wollte, musste er sich Letztere aus England schicken lassen.

Eines allerdings gab es in Amerika in Mengen, und das war Holz. Als die Europäer in der Neuen Welt ankamen, war der Kontinent mit geschätzten 950 Millionen Morgen Wald bedeckt — einer schier unerschöpflichen Menge —, doch in Wirklichkeit waren die Wälder nicht so grenzenlos, besonders, wenn man weiter landeinwärts zog. Hinter den Bergen der Ostküste hatten die Ureinwohner schon große Flächen abgeholzt und viel Dickicht zwischen den Bäumen verbrannt, um leichter jagen zu können. In Ohio sahen die ersten Siedler erstaunt, dass die Wälder mehr wie englische Parks wirkten als wie Urwälder und so wenig dicht waren, dass man mit Fuhrwerken bequem hindurchfahren konnte. Die Indianer hatten diese weiten Flächen für die Bisons geschaffen, die sie dort in großer Zahl erlegten.

Die Kolonisten nun nahmen das Holz für alles und jedes. Sie benutzten es, um Häuser, Scheunen, Wagen, Boote, Zäune und Möbel zu bauen, und stellten auch alle möglichen Alltagsgegenstände, von Eimern bis zu Löffeln, daraus her. Zudem verbrannten sie es reichlich, um ihre Häuser zu beheizen und zu kochen. Carl Bridenbaugh, ein Historiker des frühen Lebens in Amerika, behauptet, das durchschnittliche Kolonistenhaus habe fünfzehn bis zwanzig Klafter Feuerholz pro Jahr verbraucht. Das wäre ein Holzstapel von mehr als 25 Metern Höhe, 25 Metern Breite und 50 Metern Länge, was unglaublich groß erscheint. Aber wahr ist sicherlich, dass Holz im Eiltempo verbraucht wurde. Bridenbaugh erwähnt ein Dorf auf Long Island, wo in gerade mal vierzehn Jahren jedes Stöckchen und Ästchen im Umkreis von vielen Kilometern aufgebraucht war, und solche Dörfer gab es sicher viele.

Riesige Landflächen wurden gerodet, um Felder und Weideland zu schaffen, und sogar Straßendämme verwandelten sich in breite Lichtungen, denn Straßen und Wege in Kolonialamerika waren meist ungeheuer breit (fünfzig Meter nicht unüblich), weil man sich vor Hinterhalten schützen wollte und Platz brauchte, um Viehherden zum Markt zu treiben und unterwegs weiden zu lassen. 1810 war kaum noch ein Viertel der ursprünglichen Wälder Connecticuts übrig. Weiter westlich, in Michigan, schrumpfte in einem einzigen Jahrhundert der scheinbar unerschöpfliche Vorrat an Weymouthkiefern (über 400 Millionen Kubikmeter bei Ankunft der ersten Kolonisten) um 95 Prozent. Viel amerikanisches Holz wurde auch nach Europa exportiert, besonders in Form von Schindeln und anderem Bauholz. Jane Jacob schreibt in ihrem Buch Die Ökonomie der Städte, dass im Großen Feuer von London viel amerikanisches Holz verbrannte.

Allgemein wird immer angenommen, dass die frühen Siedler Blockhäuser bauten. Weit gefehlt. Sie hätten gar nicht gewusst, wie. Blockhäuser kamen erst mit skandinavischen Einwanderern Ende des achtzehnten Jahrhunderts auf, aber dann mit Macht. Obwohl vergleichsweise simpel zu bauen — das war natürlich ihr Reiz —, waren sie nicht ohne Raffinesse. Wenn die Schreiner die Balken an den Ecken ineinanderfügten, konnten sie viele verschiedene Techniken anwenden, und diese waren kurioserweise immer spezifisch für eine bestimmte Gegend, was noch niemand vollständig erklärt hat. Sogenannte Schrote, die im tiefen Süden, in der Mitte Wisconsins und im südlichen Michigan verwendet wurden, fand man fast nirgendwo sonst. Die Bewohner im Staate New York wiederum ließen von ihrer Art der Verkerbung fast vollkommen ab, wenn sie weiterzogen. Man könnte die Geschichte der inneramerikanischen Migration — ja, man hat es auch — anhand dessen darstellen, welche Schrote wo auftauchen. Leute haben ihr ganzes Berufsleben der Erforschung der Verteilungsmuster gewidmet.

Wenn man bedenkt, wie schnell sich die amerikanischen Kolonisten durch die herrlichen Wälder hieben, wundert es einen nicht, dass im viel kleineren und bevölkerungsreicheren England der Mangel an Bauholz ein ständiges drückendes Problem war. In Sagen und Märchen ist zwar stets von unheimlichen, düsteren Forsten die Rede, doch in Wirklichkeit gab es nicht viele Bäume, hinter denen sich Robin Hood und seine fröhlichen Gesellen verstecken konnten. Schon zu Zeiten des Domesday Book waren nur fünfzehn Prozent Englands mit Wald bedeckt.

Die Briten haben immer schon eine Menge Holz benötigt und verbraucht. Ein typisches Bauernhaus aus dem fünfzehnten Jahrhundert bestand aus dem Holz von dreihundertdreißig Eichen. Für Schiffe benötigte man mehr. Für Nelsons Flaggschiff, die Victory, vermutlich dreitausend ausgewachsene Eichen — ein mittleres Wäldchen.

Eichenholz wurde auch fuderweise in vielen Gewerben verwendet; Eichenrinde, vermischt mit Hundekot, beim Ledergerben. Aus den Galläpfeln, Wucherungen, die durch Eiablage der Gallwespen an Eichen entstehen, machte man Tinte. Doch die gefräßigsten Holzverbraucher waren die Köhler. Zu Zeiten Heinrich VIII. brauchte man pro Jahr das Holz von 518 Quadratkilometern Wald, um genügend Holzkohle für die Eisenverhüttung zu erzeugen, und Ende des achtzehnten Jahrhunderts war diese Menge auf 1400 oder etwa ein Siebentel des gesamten Waldbestands im Land gestiegen.

Die meisten Wälder wurden durch das sogenannte »Auf Stock Setzen« bewirtschaftet; man schnitt die Bäume bis auf den Wurzelstock zurück und ließ sie nachwachsen, es wurden also nicht jedes Jahr große Schneisen geschlagen. Deshalb war die Holzkohlenindustrie auch keineswegs nur Übeltäter, sondern sorgte für eine umfassende Pflege des Waldes, wenn auch, ehrlich gesagt, für eher charakterlosen Niederwald als urige Forste mit mächtigen sonnendurchfluteten Baumgruppen. Doch trotz sorgfältiger Bewirtschaftung überstieg die Nachfrage nach Holz beständig das Angebot, und zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts war es in Großbritannien absolute Mangelware. Die Fachwerkhäuser, die uns aus dieser Zeit in England so bekannt sind, spiegeln keinen Überfluss an Bauholz wider, sondern Knappheit. Die Hausbesitzer zeigten, dass sie sich etwas Rares leisten konnten!

Erst aus purer Notwendigkeit benutzten die Menschen allmählich Stein. In England gab es den wunderbarsten Baustein der Welt, aber es dauerte ewig, bis die Leute es merkten. Fast tausend Jahre lang, vom Zusammenbruch des Römischen Reichs bis zur Zeit Chaucers, war Holz mit wenigen Ausnahmen das Baumaterial. Nur die allerwichtigsten Gebäude — Kathedralen, Schlösser, Burgen, Kirchen — führte man in Stein aus. Als die Normannen nach England kamen, gab es im ganzen Land kein einziges Wohnhaus aus Stein. Komisch, denn überall hatte man den feinsten Stein zum Bauen unter den Füßen. Von Dorset an der Südküste bis zu den Cleveland Hills in Yorkshire im Norden zieht sich in einem langen, breiten Bogen ein Gürtel widerstandsfähigen oolithischen Kalkgesteins, und zwar solches, das viele kugelförmige Ooide (winzige Mineralkörper) enthält. Der Gürtel heißt Juragürtel, und alle berühmten Bausteine aus England, vom Purbeck-Marmor und dem weißen Portland-Stein bis zu dem honigfarbenen Stein in Bath und den Cotswolds findet man dort, wo er verläuft. Dieses ururalte Gestein, aus urzeitlichen Meeren gepresst, verleiht großen Teilen der britischen Landschaft ihre weiche, zeitlose Atmosphäre. Zeitlosigkeit bei englischen Gebäuden ist allerdings reine Illusion.

Der Grund, warum man nicht mehr Stein verwendet hat? Er war schlicht zu teuer. Ihn zu gewinnen war teuer, weil arbeitsintensiv, und der Transport wegen des enormen Gewichts zudem kostspielig. Eine Wagenladung Steine fünfzehn, zwanzig Kilometer weit zu befördern konnte den Preis leicht verdoppeln; im Mittelalter gebrochener Stein reiste also nicht sehr weit, und deshalb gibt es überall in Großbritannien so reizvolle und spezifisch regionale Unterschiede in der Auswahl des Steins und den Baustilen. Bei großen Steingebäuden wie einem Zisterzienserkloster verbaute man schnell einmal 40 000 Wagenladungen Steine, und die Bauten waren, nicht nur weil sie massiv, sondern weil sie aus massivem Stein waren, so Ehrfurcht gebietend. Der Stein selbst stand für Macht, Wohlstand, Pracht.

Zum privaten Hausbau wurde er bis zum achtzehnten Jahrhundert kaum benutzt, doch dann setzte er sich selbst für schlichte Gebäude wie Cottages schnell durch. Leider gab es in großen Teilen des Landes außerhalb des Kalksteingürtels keinen Stein, und das galt auch für London, die wichtigste und bauhungrigste Stadt von allen. Rund um sie herum fand man allerdings riesige Vorräte an eisenreichem Lehm und entdeckte dadurch ein antikes Baumaterial wieder: den Backstein. Backsteine gibt es seit mindestens sechstausend Jahren, in Großbritannien findet man sie aber erst in römischer Zeit. Doch diese Steine waren alles andere als qualitativ gut. Obwohl die Römer solch geschickte Baumeister waren, wussten sie nicht, wie sie Backsteine so brennen konnten, dass die großen auch ganz durchgebacken waren. Sie machten dünnere, die eher Kacheln ähnelten. Nach Abzug der Römer benutzte man fast eintausend Jahre lang keine Backsteine mehr.

Vereinzelt tauchten sie dann um das Jahr 1300 wieder in englischen Gebäuden auf, doch noch zweihundert Jahre lang hatten die Briten die Herstellung einfach nicht drauf und heuerten holländische Ziegelmacher und Maurer an, wenn sie Backstein verbauen wollten. Erst in der Tudorzeit setzte sich Backstein aus heimischen Ziegeleien durch. Viele der großartigen Backsteingebäude wie Hampton Court stammen aus dieser Periode. Backsteine hatten einen Vorteil: Man konnte sie häufig vor Ort fabrizieren. Davon zeugen Wassergräben und Teiche, die man in der Nähe von Herrenhäusern aus der Tudorzeit findet; dort wurde der Lehm ausgegraben, den man zu den Steinen verarbeitete.

Sie hatten aber auch Nachteile. Um hochwertige herzustellen, musste der Ziegler bei jedem Arbeitsschritt alles hundertprozentig richtig machen. Zuerst galt es, zwei oder mehr Lehm- beziehungsweise Tonsorten zu mischen, denn auf die richtige Konsistenz kam es an, damit sich der Stein beim Brennen nicht verzog oder unverhältnismäßig schrumpfte. Die vorbereitete Masse wurde in Formen gegeben und musste zwei Wochen lang an der Luft trocknen. Dann wurde das Ganze in den Ofen geschoben und gebrannt. Auch wenn während dieses Prozesses irgendetwas schiefging, wenn der Feuchtigkeitsgehalt zu hoch oder die Hitze im Brennofen nicht genau richtig war, kamen mangelhafte Ziegel dabei heraus. Und zwar nicht zu selten und nicht zu knapp. Im Großbritannien des Mittelalters und der Renaissance standen gute Backsteine deshalb hoch im Kurs. Neu und schick, wurden sie normalerweise nur bei den schönsten und wichtigsten Bauten verwendet.

Niemand demonstrierte wohl besser als der Kirchenmann Sydney Smith, wie schwierig es war, Backsteine herzustellen — aber vielleicht auch nur, wozu Sturheit führen kann. In den 1810er Jahren beschloss er nämlich, für das Pfarrhaus, das er sich in Foston le Clay in Yorkshire bauen wollte, die Ziegel selbst herzustellen. Angeblich hat er 150000 minderwertige Backsteine gebrannt, bis er endlich zugeben musste, dass er wohl doch nie auf den Trichter kommen werde.

Das goldene Zeitalter des englischen Backsteins waren die hundert Jahre zwischen 1660 und 1760. »Man sieht nirgendwo auf der Welt schöneres Backsteinmauerwerk als in dieser Zeit«, schreiben Brunskill und Clifton-Taylor in ihrem Standardwerk Englisches Mauerwerk. Die Schönheit der Steine aus dieser Periode rührt großteils daher, dass sie, wenn auch noch so gering, im Aussehen voneinander abweichen. Weil man sie gar nicht alle identisch machen konnte, war das Spektrum der Farben wunderschön — von blass Rosarot bis zu tiefem Pflaumenblau. Die Farben werden von den Mineralien im Lehm bestimmt, und der große Eisenanteil in den meisten Lehmsorten sorgte dafür, dass die Rottöne bei Weitem überwogen. Die typischen gelben Londoner stock bricks sind wegen des Kalks im Lehm gelb.

Um dem Mauerwerk die nötige Stärke zu verleihen, musste man die Backsteine gestuft vermauern; die vertikalen Fugen durften keine durchgehende Linie bilden. Daraus ergab sich eine Fülle von Stilen, die neben dem Gebot der Festigkeit dem Wunsch nach Vielfalt und Schönheit gehorchten. Beim sogenannten Englischen Verband wird eine Reihe Läufer längs versetzt und die darüberliegenden Binder quer, man sieht also nur die »Köpfe« der Steine. Beim Flämischen Verband wechseln sich Binder mit Läufern direkt hintereinander in einer Reihe ab. Der Flämische Verband ist sehr viel beliebter als der Englische, nicht weil er stärker, sondern weil er billiger ist. Es werden nämlich mehr Steine längs verlegt und deshalb weniger benötigt. Aber es gab viele andere Muster — den Chinesischen Verband (auch Rattenfallenverband genannt), Dearnes Verband (womit sich der sonst unbekannte Architekt Thomas Dearne verewigte), den Englischen Gartenmauerverband, Kreuzverband, Mönchsverband sowie den Schottischen Verband, die sich alle durch die Anordnung der Läufer und Binder unterscheiden. Zusätzlich konnten diese Muster noch verschönert werden, indem man manche Steine wie kleine Stufen ein wenig hervorstehen ließ (diese Technik nennt man Auskragen) oder andersfarbige Steine in einem Rautenmuster einfügte.

Backstein blieb bis zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts überaus beliebt, und die schicksten Häuser wurden damit gebaut. Doch dann fand man ihn — besonders den roten — urplötzlich geschmacklos. »Er hat etwas Schroffes an sich«, überlegte Isaac Ware in seinem äußerst einflussreichen Der complette Corpus der Architectur schon im Jahr 1756. Roter Backstein, fuhr er fort, sei »unangenehm fürs Auge [...] und auf dem Land höchst unpassend« — genau dort wurde er natürlich am meisten verwendet.

Plötzlich sollte nur noch Naturstein die Außenfläche eines Gebäudes zieren. In der Georgianischen Zeit wurde er so modisch, dass Hausbesitzer mit allen Mitteln zu verbergen suchten, dass ihr Haus nicht daraus war. Apsley House an der Hyde Park Corner in London war aus Backstein erbaut, wurde aber, als der plötzlich unmodisch wurde, mit Bath-Stone verkleidet.

Überraschenderweise war Amerika indirekt mitschuldig daran, dass der Backstein in Ungnade fiel. Der Krieg mit den Kolonien und der Ausfall an Steuereinnahmen nach 1776 brachte den britischen Staat in Geldnöte. Er musste dringend neue Finanzquellen auftun und führte daher im Jahre 1784 eine deftige Backsteinsteuer ein. Die Hersteller produzierten größere Steine, um die Steuern niedrig zu halten, doch mit den größeren Steinen war so schlecht arbeiten, dass der Verkauf schließlich noch weiter zurückging. Wegen des Rückgangs dieser Steuereinnahmen wurden die Abgaben auf Backstein dann noch zwei Mal, 1794 und 1803, erhöht, und das war praktisch das Ende: Die Backsteine gerieten endgültig aus der Mode. Die Leute konnten sie sich schlichtweg nicht mehr leisten.

Da aber viele existierende Gebäude nun mal aus Backsteinen waren, verpasste man ihnen im Zweifelsfalle einfach einen neuen Look, sprich, man verdeckte die ursprüngliche Backsteinfassade mit einem cremefarbenen Verputz oder einer Art Außengips aus Kalk, Wasser und Zement, dem Stuck. Während beide trockneten, konnte man adrette Linien hineinziehen, und es sah aus wie Steinblöcke. John Nash, der Architekt der Regency-Zeit, tat sich dabei besonders hervor, wie ein berühmter Zweizeiler bezeugt:

Da ist doch unser Nash ... von wunderbarem Nutz, Nur Backstein fand er, nun ziert alles Putz!

Nash gehört zu den vielen Leuten in diesem Buch, die aus dem Nichts kamen und deren steilen Aufstieg man so leicht nicht hätte vorhersagen können. Er wuchs bettelarm in Südlondon auf und konnte nicht einmal durch eine imposante Statur beeindrucken. Er hatte, wie ein erschreckend harscher Zeitgenosse sagte, ein »Gesicht wie ein Affe« und nicht die feinen Manieren, die den Weg zum Erfolg ebneten, ergatterte aber, wer weiß, warum, eine traumhafte Lehrstelle im Büro von Sir Robert Taylor, einem der führenden Architekten der Zeit.

Kaum fertig mit seiner Ausbildung setzte er beherzt alles auf eine Karte und entwarf und baute 1778 zwei Häusergruppen in Bloomsbury, die zu den allerersten in London gehörten (wenn sie nicht gar die ersten waren), die mit Stuck verputzt wurden. Leider war die Welt noch nicht bereit für stuckverputzte Häuser, und sie verkauften sich nicht. (Eines blieb zwölf Jahre leer.) Ein solcher Schlag war gewiss schon schwer zu verkraften, doch gleichzeitig hatte Nash auch privat enormes Pech. Seine junge Gattin war nämlich doch nicht die gute Partie, die er erhofft hatte. Sie machte bei Schneidern und Hutmachern in ganz London horrende Schulden, die er nicht bezahlen konnte, und er wurde zwei Mal als Schuldner arretiert. Damit nicht genug, entdeckte er, während er sich aus den juristischen Querelen zu befreien versuchte, dass sie sich anderweitig heftig amüsierte, auch mit einem seiner ältesten Freunde, und dass seine beiden Kinder mit ihr aller Wahrscheinlichkeit weder seine noch die eines einzigen anderen Mannes waren.

Finanziell ruiniert und vermutlich einen Hauch niedergeschlagen, trennte er sich von Frau und Kindern (was aus ihnen wurde, weiß man nicht) und zog nach Wales, wo er sich eine neue, bescheidenere Karriere als Architekt aufbaute und sein Leben offenbar mit dem Bau von Provinzrathäusern und anderen städtischen Gebäuden zu Ende bringen wollte.

Ein paar Jahre ging auch alles diesen Gang. Doch 1797, im deutlich fortgeschrittenen Alter von sechsundvierzig, kehrte er nach London zurück, ehelichte eine viel jüngere Dame, wurde ein enger Freund des Prinzen von Wales — des zukünftigen Königs George IV. — und einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten, die es je gab. Woher dieser plötzliche Wandel kam, ist immer ein Geheimnis geblieben. Weit verbreitete Gerüchte besagten, dass seine neue Gattin die Geliebte des Prinzregenten und Nash der Alibigatte war. Die Vermutung ist nicht abwegig, denn Mrs. Nash war eine große Schönheit, er aber mit der Zeit nicht hübscher geworden: von »dicker, untersetzter, zwergenhafter Statur, mit rundem Kopf, Stupsnase und kleinen Augen«, wie er selbst sagte. Doch als Architekt war er ein Genie, und beinahe umgehend begann er mit dem Bau einer Reihe außergewöhnlich kühner Gebäude, die von großem Selbstbewusstsein zeugten. In Brighton verwandelte er eine spießige Immobilie namens Marine Pavilion in einen in seiner Farbenpracht geradezu explodierenden Bau mit vielen Kuppeln, den Brighton Pavilion.

Außer vielleicht der deutschen Luftwaffe hat niemand mehr zur Veränderung Londons beigetragen als John Nash in den folgenden dreißig Jahren. Er schuf den Regent's Park und die Regent Street und viele, viele Straßen und Häuserreihen darum herum, die der Stadt ein nobles, imperiales Aussehen verliehen, das sie bis dato nicht besessen hatte. Er baute den Oxford und den Piccadilly Circus und schuf aus dem unbedeutenden Buckingham House den Buckingham Palace. Die Fertigstellung des Trafalgar Square, den er auch geplant hat, erlebte er leider nicht mehr. Fast alles, was er baute, bedeckte er natürlich mit Stuck.

II.


Backstein wäre vielleicht für immer als Baumaterial verdrängt worden, wenn man nicht eines urplötzlich hätte bedenken müssen: die Luftverschmutzung. Zu Beginn der Viktorianischen Ära wurden ungeheure Mengen Kohle in England verheizt. Eine typische Bürgerfamilie verbrauchte bis zu einer Tonne im Monat, und um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gab es schon recht viele Bürgerfamilien im Land. Großbritannien insgesamt verbrauchte 1842 zwei Drittel aller in der westlichen Welt geförderten Kohle. Mit dem Resultat, dass in London über weite Strecken des Jahres eine fast undurchdringliche Düsternis herrschte. In einer Sherlock-Holmes-Geschichte muss Holmes mitten am Tage ein Streichholz anzünden, um etwas zu lesen, das auf einer Londoner Mauer steht. Oft war es so schwierig, den Weg zu finden, dass man gegen Wände rannte oder in unsichtbare Löcher plumpste. Berühmt wurde ein Vorfall, bei dem sieben Leute, einer nach dem anderen, in die Themse fielen. Als Joseph Pax-ton 1854 vorschlug, alle wichtigen Eisenbahn-Endbahnhöfe miteinander zu verbinden und die etwa achtzehn Kilometer lange »Grand Girdle Railway« zu bauen, meinte er, man solle sie vielleicht unter Glas bauen, damit die Fahrgäste nicht mit der ungesunden Londoner Luft in Kontakt kämen. Augenscheinlich fand er es besser, sich unter Glas in dem dichten Qualm der Lokomotiven aufzuhalten als draußen in dem dichten Rauch von allem anderen.*

Kohlenrauch zog praktisch alles in Mitleidenschaft — Kleidung, Gemälde, Pflanzen, Möbel, Bücher, Gebäude und die Atemwege. In Wochen mit richtig schlimmem Nebel wurden leicht tausend Sterbefälle mehr registriert als sonst. Selbst auf dem Smithfielder Fleischmarkt verendeten mehr Haustiere und mehr Vieh.

Auch die Steinbauten litten sehr. Neue strahlend saubere Gebäude verdreckten in Besorgnis erregendem Tempo. PortlandStein nahm ein verstörend scheckiges Aussehen an, denn Mauern, die Wind und Regen ausgesetzt waren, blieben wunderbar weiß, doch die Stellen unter den Gesimsen und Türstürzen beziehungsweise sonst wie geschützte Flächen waren schnell schmutzig schwarz. Für den Buckingham Palast hatte Nash Bath-Stone genommen, weil er dachte, der sei strapazierfähiger. Da irrte er sich. Er fing fast sofort an zu bröckeln. Zur Rettung zog man einen weiteren Architekten, Edward Blore, zurate, der einen neu-

*Wirklich niemand hat unser Bild des viktorianischen London so geprägt wie der französische Illustrator Gustave Dort (1833-83); siehe Zeichnung auf S. 268 Es ist ein wenig verwunderlich, dass Doré sich dieses Sujets annahm, denn er sprach kaum ein Wort Englisch und verbrachte auch nicht viel Zeit in Großbritannien. Sein Privatleben war ein wenig bizarr, denn er hatte eine Reihe heißer Affären mit Schauspielerinnen — Sarah Bernhardt war seine berühmteste Eroberung —, lebte aber immer bei seiner Mutter und schlief sein ganzes Leben lang in einem Zimmer neben ihrem. Er selbst betrachtete sich als großen Maler, der Rest der Welt leider nicht, und so musste er sich damit begnügen, ein extrem erfolgreicher Illustrator von Büchern und Zeitschriften zu werden. In England war er sehr populär — in Mayfair gab es viele Jahre lang eine Galerie, die ausschließlich mit seinen Werken handelte —, und mit seinen düsteren Zeichnungen des Lebens in London, besonders der Elendsszenen in den engen Gassen, ist Gustave Dort der Nachwelt letztlich auch in Erinnerung geblieben. Interessanterweise gründet sich unsere visuelle Vorstellung des London aus dem neunzehnten Jahrhundert, vor der Zeit der Fotografie also, zu einem großen Teil auf Zeichnungen eines Künstlers, der nach dem Gedächtnis in einem Studio in Paris arbeitete und vieles falsch darstellte. Was wiederum Blanchard Jerrold, den Mann, der die Texte zu den Zeichnungen schuf, in den Wahnsinn trieb. (Und wem der Name Jerrold vage bekannt vorkommt — der Mann ist der Sohn des Journalisten des
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