Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie




НазваниеDirektorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie
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Verlautbarungen
des Apostolischen
Stuhls

_________________

160


Kongregation für den Gottesdienst
und die Sakramentenordnung


Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie


Grundsätze und Orientierungen


17. Dezember 2001


Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 160


Kongregation für den Gottesdienst
und die Sakramentenordnung




Direktorium über die
Volksfrömmigkeit und die Liturgie


Herausgeber:

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz

Bonner Talweg 177, 53129 Bonn

Grundsätze und Orientierungen

17. Dezember 2001
DIREKTORIUM ÜBER DIE VOLKSFRÖMMIGKEIT UND DIE LITURGIE

Grundsätze und Orientierungen


Abkürzungen


AAS Acta Apostolicae Sedis

CCL Corpus Christianorum seu nova Patrum collectio series Latina (Turnhout – Paris 1953 ff.)

CIC Codex Juris Canonici

CSEL Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum (Wien 1866 ff.)

DS H. Denzinger – A. Schönmetzer, Enchiridion Symbolorum, Definitionum et Declarationum de rebus fidei et morum (Frei­burg i. Br. 36. Auflage 1976)

EI Enchiridion Indulgentiarum. Normae et concessiones (1999)

KKK Katechismus der Katholischen Kirche

LG Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution Lumen gentium

PG Patrologia Graeca, hrsg. v. J. P. Migne, 167 Bde. (Paris 1857-1866)

PL Patrologia Latina, hrsg. v. J. P. Migne, 217 Bde. u. 4 Reg.-Bde. (Paris 1841-1864)

SC Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution Sacrosanctum Concilium

SCh Sources chrétiennes

Aus der “BOTSCHAFT” Seiner Heiligkeit
JOHANNES PAULS II.
an die Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
(21. September 2001)


2. Die Heilige Liturgie, von der Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium als Höhepunkt des kirchlichen Lebens bezeichnet, darf niemals zu einer rein ästhetischen Sache reduziert oder als ein Instru­ment mit rein erzieherischer oder ökumenischer Zielsetzung betrach­tet werden. Die Feier der heiligen Geheimnisse ist vor allem ein Lob­preis der höchsten Majestät des einen und dreifaltigen Gottes. Sie ist ein von Gott selbst gewählter Ausdruck dieses Lobes. Durch sie tritt der Mensch einzeln und in Gemeinschaft vor Ihn hin, um Ihm Dank zu sagen. Er tut dies im Bewusstsein, dass sein menschliches Wesen nur durch den Lobpreis Gottes und die Erfüllung Seines Willens zur Vollendung kommt, durch die beständige Suche des Reiches Gottes, das bereits gegenwärtig ist und vollendet sein wird am Tag der Wiederkunft des Herrn Jesus. Die Liturgie und das Leben gehören untrennbar zusammen. Eine Liturgie, die ohne Wirkung für das täg­liche Leben bliebe, würde ihren Sinn verlieren und Gott missfallen.

3. Die liturgische Feier ist ein Akt religiöser Tugend, die gemäß ihrer Natur von einem tiefen Sinn für das Heilige geprägt sein muss. In ihr soll sich der Mensch – einzeln und in Gemeinschaft – bewusst sein, dass er sich in besonderer Weise vor dem dreimal heiligen und transzendenten Gott befindet. Folglich muss die erforderliche Hal­tung von Ehrfurcht und Erstaunen durchdrungen sein, von der Er­kenntnis der Gegenwart der Majestät Gottes. Oder wollte Gott nicht genau dies zum Ausdruck bringen, als er Mose befahl, vor dem bren­nenden Dornbusch seine Schuhe abzulegen? Erwuchs nicht die fromme Haltung eines Mose und eines Elia genau aus diesem ehr­fürchtigen Bewusstsein, so dass sie nicht wagten, Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen?

An den Priestern und Diakonen muss das Volk Gottes von Ehrerbie­tung und Würde bestimmter Verhaltensweisen erkennen können, damit es darin Hilfe erfährt, auch ohne viele Worte und Erklärun­gen in die Welt der unsichtbaren Wirklichkeiten vorzudringen. Im Römi­schen Messbuch des heiligen Pius V. wie auch in verschiedenen östlichen Liturgien finden wir wunderschöne Gebete, mit denen der Priester angesichts der heiligen Geheimnisse den tiefsten Sinn seiner Demut und Verehrung kundtut. Diese enthüllen das innerste Wesen jeder Liturgie selbst.

Die liturgische Feier, der ein Priester vorsteht, ist eine Gebetsver­sammlung, vereint im Glauben und im Hören auf das Wort Gottes. Ihr vorrangiges Ziel ist es, im Angesicht der göttlichen Majestät das lebendige, reine und heilige Opfer zu vergegenwärtigen, welches ein für allemal der Herr Jesus auf Kalvaria dargebracht hat. Es vollzieht sich jedes Mal neu, wenn die Kirche die heilige Messe feiert, um den Gott geschuldeten Kult im Geist und in der Wahrheit darzubringen.

Mir ist der Eifer Eurer Kongregation bekannt, gemeinsam mit den Bischöfen für eine Vertiefung des liturgischen Lebens in der ganzen Kirche zu sorgen. Indem ich meine Hochachtung ausspreche, wün­sche ich, dass dieses kostbare Werk dazu beitragen möge, die Feiern immer würdiger und fruchtbarer werden zu lassen.

4. Eure Vollversammlung hat die Volksfrömmigkeit zum zentralen Thema eines eigenen Direktoriums gewählt. Sie ist ein Ausdruck des Glaubens, der sich die kulturellen Elemente eines bestimmten Umfel­des nutzbar macht, um das religiöse Gefühl derer, die darin leben, in lebendiger und wirkungsvoller Weise auszudrücken und auszulegen.

Die Volksfrömmigkeit, die sich in vielfältigen und weit verbreiteten Formen ausdrückt, hat, wenn sie echt ist, als Quelle den Glauben. Sie muss daher geschätzt und unterstützt werden. Als solche stellt sie sich in ihren authentischen Äußerungen nicht gegen die zentrale Stellung der heiligen Liturgie. Wenn wir den Glauben des Volkes fördern, der ja eine wesensgemäße religiöse Ausdrucksweise bein­haltet, dann macht er gleichzeitig für die Feier der heiligen Geheim­nisse empfänglich.

5. Die rechte Beziehung zwischen diesen beiden Ausdrucksformen des Glaubens muss an einigen entscheidenden Punkten deutlich gemacht werden. Es muss vor allem klar sein, dass die Litur­gie das Zentrum des kirchlichen Lebens ist, und dass keine andere religiöse Ausdrucksweise die Liturgie ersetzen kann oder als gleich­wertig mit ihr angesehen werden darf.

Darüber hinaus ist zu betonen, dass die Volksfrömmigkeit ihren Höhepunkt in der liturgischen Feier hat, an der sie sich im Ide­alfall ausrichten, mit der sie aber nicht vermengt werden soll. Dies muss durch eine entsprechende Katechese deutlich gemacht werden.

Zuweilen scheinen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit durch Elemente verunreinigt zu sein, die mit dem katholischen Glauben un­vereinbar sind. In solchen Fällen müssen sie mit Besonnenheit und Geduld gereinigt werden, und zwar durch Kontakte zu den Verant­wortlichen sowie eine aufmerksame und respektvolle Katechese, sofern grundsätzliche Unstimmigkeiten nicht sofort klare und direkte Maßnahmen nötig machen.

Solche Beurteilungen obliegen zunächst dem zuständigen Diözesan­bischof beziehungsweise den Bischöfen des betreffenden Territori­ums, die an solchen Formen der Religiosität interessiert sind. In die­sem Fall ist es angezeigt, dass die Hirten sich über ihre Erfahrungen miteinander austauschen, um allgemeingültige pastorale Wegweisun­gen zu bieten und schädliche Widersprüche für das christliche Volk zu vermeiden. Die Bischöfe sollten allerdings, solange nichts Gegen­teiliges nötig ist, eine positive und ermutigende Haltung zur Volks­frömmigkeit einnehmen.

KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG


Prot. Nr. 1532/OO/L

DEKRET


Den Primat der Liturgie bestätigend, die “der Höhepunkt ist, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt” (Sacrosanctum Concilium 10), erinnert das Zweite Va­tikanische Konzil daran, dass “das geistliche Leben” sich nicht “schlechthin mit der Teilnahme an der heiligen Liturgie” deckt (ebd. 12). Zur Förderung des geistlichen Lebens der Gläubi­gen gibt es auch “Andachtsübungen des christlichen Volkes”, insbe­sondere solche, die vom Apostolischen Stuhl empfohlen werden und in den einzelnen Kirchen auf Anordnung oder durch bischöfliche Approbation in die Praxis umgesetzt sind. Um hervor zu he­ben, dass solche kultischen Ausdrucksformen mit den Gesetzen und Normen der Kirche überein­stimmen, haben die Konzilsväter ihr theologisches und pastorales Verständnis klar kundgetan: “Die Andachtsübungen sollen so geord­net sein, dass sie mit der heiligen Liturgie überein­stimmen, gewis­sermaßen aus ihr herausfließen und das Volk zu ihr hinführen; denn sie steht von Natur aus weit über ihnen” (ebd. 13).

Im Licht dieser maßgeblichen Unterweisung und anderer Verlautba­rungen des kirchlichen Lehramtes in Bezug auf die Frömmigkeit des christlichen Volkes und unter Einbeziehung der in diesen Jahren he­rausgegebenen pastoralen Richtlinien hat die Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, die vom 26. bis 28. September 2001 tagte, das vorliegende Direktorium approbiert. Darin werden die Beziehungen zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit zusammenhängend dargelegt, unter besonderer Berücksichtigung der Prinzipien, die diese Beziehungen leiten. Es werden Orientierungen gegeben mit dem Ziel einer fruchtbaren Ver­wirklichung in den einzelnen Ortskirchen, und zwar entsprechend der besonderen Überlieferung einer jeden einzelnen. Es ist daher insbe­sondere Aufgabe der Bischöfe, die Volksfrömmigkeit aufzuwerten, indem sie eine seelsorglich positive und ermutigende Haltung ihr gegenüber pflegen. Sind und waren ihre Früchte doch von großem Wert für die Bewahrung des Glaubens im christlichen Volk.

Nachdem Papst JOHANNES PAUL II. die Approbation erteilt hat, derzufolge dieses Dikasterium das “Direktorium für die Volksfröm­migkeit und die Liturgie. Prinzipien und Orientierungen” (Schreiben des Staatssekretariates vom 14. Dezember 2001, Prot. Nr. 497/514) veröffentlichen soll, ist die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung froh, es zu veröffentlichen, und verbindet damit dem Wunsch, dass Hirten und Gläubige daraus Nutzen ziehen mögen, damit sie in Christus wachsen durch ihn und mit ihm im Heiligen Geist zum Lob des Vaters im Himmel.

Es steht diesem nichts Gegenteiliges im Weg.

Am Sitz der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente­n­ordnung, am 17. Dezember 2001.


Jorge A. Card. Medina Estévez,

Präfekt

+ Francesco Pio Tamburrino
Erzbischof Sekretär

INHALTSVERZEICHNIS


EINLEITUNG (1-21) 13


Erster Teil

LEITLINIEN
AUS DER GESCHICHTE, DEM LEHRAMT,
DER THEOLOGIE (22-92) 27


Kapitel I
Liturgie und Volksfrömmigkeit im Licht der Geschichte (22-59) 27

Kapitel II
Liturgie und Volksfrömmigkeit im Lehramt der Kirche (60-75) 54

Kapitel III
Theologische Grundsätze für die rechte Würdigung
und Erneuerung der Volksfrömmigkeit (76-92) 63


Zweiter Teil

ORIENTIERUNGEN
FÜR DIE HARMONISIERUNG DER VOLKSFRÖMMIGKEIT
MIT DER LITURGIE (93-287) 75


Kapitel IV
Liturgisches Jahr und Volksfrömmigkeit (94-182) 76

Kapitel V
Die Verehrung der heiligen Mutter des Herrn (183-207) 133

Kapitel VI
Die Verehrung der Heiligen und Seligen (208-247) 152

Kapitel VII
Das Gebet für die Verstorbenen (248-260) 182

Kapitel VIII
Heiligtümer und Wallfahrten (261-287) 192


ZUSAMMENFASSUNG (288) 214


EINLEITUNG

1. Um sicherzustellen, dass die Liturgie – “Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt und gleichzeitig die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt”1 – in ihrem Wachstum gefördert wird, macht diese Kongre­gation auf die Notwendigkeit aufmerksam, andere Formen der Frömmigkeit des christlichen Volkes nicht zu übersehen. Sie möchte dazu ihren fruchtbaren Beitrag leisten, um vereint mit Christus in der Kirche zu leben gemäß der Unterweisung des Zweiten Vatikanischen Konzils.2

Nach der konziliaren Erneuerung stellt sich die Situation der Fröm­migkeit des christlichen Volkes in den einzelnen Ländern und ört­lichen Traditionen unterschiedlich dar. Zwei gegensätzliche Hal­tun­gen sind festzustellen: Mancherorts wurden tradierte Formen der Volksfrömmigkeit vorschnell abgeschafft. Dies hat eine Leere hin­terlassen, die nicht immer aufzufüllen ist. Anderswo wurde und wird dagegen an wenig ausgereiften beziehungsweise irrigen Formen der Frömmigkeit festgehalten, die sich von der echten biblischen Offen­barung entfernen oder im Gegensatz zur Heilswirkung der Sakra­mente stehen. Im Namen angeblicher “Reinheit” des Glaubens wer­den zum Teil ungerechtfertigte Kriterien als Maßstab an die schlichte Volksfrömmigkeit gelegt. Die Schätze der Volksfrömmig­keit müssen jedoch als Ausdruck eines über lange Zeit tief gereiften Empfindens der Gläubigen bewahrt werden, auch wenn ihre Reini­gung von Mehrdeutigkeiten, beispielsweise synkretistischen Zügen, ein wichti­ges und notwendiges Anliegen ist. Ziel ist die Wiederbele­bung der Volksfrömmigkeit als Ausdruck des Widerstandes gegen eine tech­nologisch-pragmatische Kultur und gegen ein wirtschaftlich ausge­richtetes Nützlichkeitsdenken. Nicht zuletzt wird der Verfall des In­teresses an der Volksfrömmigkeit durch säkularisierte Ideolo­gien und Aggressionen ihr feindlich gesonnener “Sekten” hervor­gerufen.

Die anstehenden Fragen erfordern die beständige Aufmerksamkeit der Bischöfe, Priester, Diakone, der Mitarbeiter in der Seelsorge so­wie der Wissenschaftler, denen die Förderung des liturgischen Le­bens der Gläubigen und die Aufwertung der Volksfrömmigkeit am Herzen liegt.

2. Die Beziehung zwischen Liturgie und Andachtsübungen ist vom Zweiten Vatikanischen Konzil in der Konstitution über die heilige Liturgie ausdrücklich angesprochen worden.3 Zu verschiedenen Gele­genheiten haben sich außerdem der Apostolische Stuhl4 und die Bischofskonferenzen5 ausführlicher mit der Volksfrömmigkeit be­fasst. Das Thema wurde von Johannes Paul II. selbst – im Rahmen zukünftiger Aufgaben – in dem Apostolischen Schreiben Vicesimus Quintus Annus aufgegriffen: “Die Volksfrömmigkeit darf weder ignoriert noch mit Gleichgültigkeit oder Geringschätzung behandelt werden, da sie reich an Werten ist und an sich schon die religiöse Einstellung zu Gott ausdrückt. Aber sie muss beständig evangelisiert werden, damit der Glaube, den sie ausdrückt, ein immer reiferer und authentischer Glaubensakt werde. Sowohl die Frömmigkeitsübungen des christlichen Volkes als auch andere Andachtsformen werden angenommen und empfohlen, sofern sie nicht liturgische Feiern er­setzen oder sich mit ihnen vermischen. Eine authentische Liturgie­pastoral wird es verstehen, sich an den Reichtum der Volksfrömmig­keit anzulehnen, ihn zu reinigen und als Beitrag der Völker auf die Liturgie auszurichten.”6

3. In der Absicht, “die Bischöfe zu unterstützen, damit über den litur­gischen Gottesdienst hinaus förderliche Maßnahmen ergriffen werden zur Ehre und Beibehaltung der Gebete und der Praxis der Frömmig­keit des christlichen Volkes, welche vollends den Normen der Kirche entsprechen”7, schien es diesem Dikasterium angezeigt, das vorlie­gende Direktorium zu erstellen, in welchem versucht wird, die Be­ziehungen in ihren Zusammenhängen zu darzustellen. Es werden einige Grundsätze in Erinnerung gerufen und Anweisungen zu ihrer Umsetzung in die Praxis gegeben.

Natur und Struktur

4. Das Direktorium besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil Leitlinien liefert Elemente für eine harmonische Verbindung zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit. Vor allem beleuchtet er die im Verlauf der Geschichte ausgereiften Erfahrungen und die Problematik unserer Zeit (Kap. I). Es werden dann die Verlautbarungen des kirchlichen Lehramtes als unerlässliche Voraussetzung für die kirchlichen Ge­meinschaft und eine fruchtbare Zusammenarbeit behandelt (Kap. II). Schließlich werden theologische Prinzipien vorgelegt, in deren Licht die Probleme bezüglich der Verbindung zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit (Kap. III) anzugehen und zu lösen sind. Nur unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen lässt sich eine echte und fruchtbare Harmonisierung entwickeln. Ihre Nichtbeachtung dagegen würde zu unfruchtbarer Ignoranz, schädlicher Verwirrung oder po­lemischer Auseinandersetzung führen.

Der zweite Teil Orientierungen legt eine Fülle von praktischen Vor­schlägen vor, ohne dabei den Anspruch zu haben, alle bestehenden Bräuche und Frömmigkeitspraktiken einzelner Orte erfassen zu kön­nen. Wenn hier die verschiedensten Ausdrucksformen der Volks­frömmigkeit Erwähnung finden, soll das nicht bedeuten, sie alle dort einzuführen, wo sie bislang nicht existieren. Die Zusammenstellung orientiert sich an der Feier des Kirchenjahres (Kap. IV), an der be­sonderen Verehrung, welche die Kirche der Mutter des Herrn entge­gen bringt (Kap. V), an der Verehrung der Engel, der Heiligen und Seligen (Kap. VI), an der Fürbitte für verstorbene Brüder und Schwes­­­tern (Kap. VII), sowie am Ablauf von Pilgerfahrten und an Frömmigkeitsübungen an Heiligtümern (Kap. VIII).

In seiner Gesamtheit verfolgt das Direktorium das Ziel, Orientierung zu geben. Auch wenn es in einigen Fällen möglichen Missbräuchen und Irrwegen zuvorkommt, hat es grundsätzlich eine konstruktive Ausrichtung und einen positive Ton. In diesem Zusammenhang bie­ten die Orientierungen knappe historische Hinweise bezüglich der einzelnen Formen der Verehrung. Es wird erinnert an die ver­schiede­nen Andachtsübungen, in denen sie sich ausdrücken, es werden die theologischen Gründe dargelegt, die dafür die Grundlage bilden, und es werden Empfehlungen für die Praxis gegeben hinsicht­lich von Zeiten, Orten, Sprache und anderer Elemente im Blick auf eine gül­tige Übereinstimmung zwischen liturgischen Handlungen und An­dachtsübungen.

Adressaten

5. Die praktischen Vorschläge, die ausschließlich die lateinische Kir­che und hier wieder besonders den Römischen Ritus betreffen, rich­ten sich vor allem an die Bischöfe, denen die Aufgabe zukommt, der liturgischen Gemeinschaft ihrer Diözese vorzustehen, das liturgische Leben zu fördern und mit ihm die anderen gottesdienstlichen Formen zu koordinieren.8 Adressaten sind aber auch ihre unmittelbaren Mit­arbeiter, nämlich ihre Stellvertreter, die Priester und Diakone, vor allem die Rektoren der Heiligtümer. Darüber hinaus sind die höheren Oberen der männlichen und weiblichen Institute des geweihten Le­bens angesprochen, denn nicht wenige Gepflogenheiten der Volks­frömmigkeit stammen aus diesem Bereich und haben sich dort weiter entwickelt. Auch darf von der Zusammenarbeit mit männlichen und weiblichen Ordensleuten und Mitgliedern der Institute des geweihten Lebens eine rechte und wünschenswerte Harmonisierung von Litur­gie und Volksfrömmigkeit erwartet werden.

Terminologie

6. Im Lauf der Jahrhunderte sind in den Kirchen des Westens zu­sammen mit den liturgischen Feiern mannigfaltige und unterschiedli­che Formen der Frömmigkeit aufgeblüht und haben sich im christli­chen Volk verwurzelt, durch die der Glaube an Gott, die Liebe zu Christus, dem Erlöser, die Anrufung des Heiligen Geistes, die Vereh­rung der Jungfrau Maria, die Verehrung der Heiligen, das Gebot zur Umkehr und die brüderliche Liebe ausgedrückt wird. Im Umgang mit dieser komplexen Materie – “Volksfrömmigkeit” oder “Volksreli­gio­sität”9 genannt – gibt es keine eindeutige Terminologie. Daher ist eine gewisse Präzisierung erforderlich. Ohne diesbezüglich alle wei­teren Fragen unterbinden zu wollen, wird die in diesem Doku­ment angewandte Sprachregelung kurz beschrieben.

Andachtsübung”

7. Die im Direktorium verwendete Redewendung “Andachtsübung” (ital. pio esercizio) meint die öffentlichen und privaten Äußerungen der christlichen Frömmigkeit, welche, ohne Teil der Liturgie zu sein, mit ihr im Einklang sind, unter Beachtung ihres Geistes, ihrer Vor­schriften und Rhythmen. Die Andachtsübungen beziehen ihre Inspi­ration in irgendeiner Weise aus der Liturgie und möchten das christ­liche Volk zu ihr hinführen.10 Einige von ihnen bestehen auf Anord­nung des Apostolischen Stuhls oder von Bischöfen.11 Viele stammen aus der gottesdienstlichen Tradition von Ortskirchen oder religiöser Gemeinschaften. Die Andachtsübungen haben immer einen Bezug zu der an das Gottesvolk ergangenen göttlichen Offenbarung und einen kirchlichen Hintergrund: Sie beachten die Wirklichkeit der Gnade, die Gott durch Jesus Christus enthüllt hat. Und gemäß den “Normen und Gesetzen der Kirche” folgen sie “Gewohnheiten oder den recht­mäßig anerkannten Büchern”.12

Verehrungen”

8. Dieser Begriff (ital. devozioni) ist in unserem Zusammenhang gebräuchlich zur Benennung verschiedenenr äußerer Frömmigkeits­übungen (zum Beispiel Gebets- und Gesangstexte, Einhaltung von bestimmten Zeiten, Besuche bestimmter Gebetsstätten, Abzeichen, Medaillen, Bekleidungsstücke und andere Gepflogenheiten). Als äußerer Ausdruck innerer Glaubenshaltung zeigen sie die besondere Beziehung eines Gläubigen zu den Göttlichen Personen, zur heiligen Jungfrau Maria mit ihren Gnadenprivilegien und in den Titeln, die diese zum Ausdruck bringen, zu den Heiligen in ihrer Verähnlichung mit Christus beziehungsweise der von ihnen für Leben der Kirche ausgeübten Aufgabe.13

Volksfrömmigkeit”

9. Der Begriff “Volksfrömmigkeit” (ital. pietà popolare) bezeichnet im vorliegenden Direktorium die verschiedenen gottesdienstlichen Versammlungen privater oder gemeinschaftlicher Art, die sich im Rahmen des christlichen Glaubens vorwiegend nicht nach den Vor­gaben der heiligen Liturgie, sonder nach den eigen­tümlichen Formen eines Volkes, eines Volksstammes, seiner Mentalität und Kultur ableiten.

In der Volksfrömmigkeit, die zu Recht als ein “wahrer Schatz des Volkes Gottes”14 angesehen wird, “kommt eine Sehnsucht nach Gott zum Ausdruck, wie sie nur die Einfachen und Armen kennen. Sie be­fähigt zur Großmut und zum Opfer, ja zum Heroismus, wenn es gilt, den Glauben zu bekunden. In ihr zeigt sich ein feines Gespür für die Grundeigenschaften Gottes: seine Vaterschaft, seine Vorsehung, seine ständige, liebende Gegenwart. Sie führt zu inneren Haltungen, die man sonst kaum in diesem Maß findet: Geduld, Wissen um die Notwendigkeit, das Kreuz im täglichen Leben zu tragen, Entsagung, Offenheit gegenüber anderen, Hingabe”.15

Volksreligiosität”

10. Die mit dem Wort “Volksreligiosität” (ital. religiosità popolare) angesprochene Wirklichkeit betrifft eine allgemein gültige Erfahrung: Im Herzen einer jeden Person wie in der Kultur eines jeden Volkes und in seinen gemeinschaftlichen Bekundungen ist immer eine reli­giöse Dimension gegenwärtig. In der Tat versucht jedes Volk, sein aufs Ganze bezogenes religiöses Leben und sein Verständnis von Natur, Gesellschaft und Geschichte durch gottesdienstliche Vermitt­lungen in einer Synthese auszurücken, die von großer humaner und spiritueller Bedeutung ist.

Volksreligiosität bezieht sich nicht notwendig auf die christliche Offenbarung. Aber in vielen Regionen existiert sie innnerhalb einer Gesellschaft, die auf unterschiedliche Art und Weise von christlichen Elementen beeinflusst ist. Häufig gibt es eine Art “Volkskatholi­zis­mus”, in dem Elemente, die aus dem allgemeinen religiösen Sinn des Lebens, aus der Kultur eines Volkes und aus der christlichen Offen­barung kommen, mehr oder weniger harmonisch nebeneinander existieren.

Einige Grundsätze

Im Bemühen um eine Zusammenschau wird nun in Kürze auf das hingewiesen, was im vorliegenden Direktorium später noch ausführ­lich dargestellt und erläutert wird.

Der Vorrang der Liturgie

11. Wie die Geschichte lehrt, wurde das Glaubensleben in bestimm­ten Epochen von Formen und Übungen gestützt, die in den meisten Fällen in die Feier der Liturgie miteinbezogen und von den Gläubi­gen als sehr bedeutsam empfunden wurden. In der Tat “ist jede litur­gische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirk­samkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht”.16 Darum muss jedes Missverständnis beseitigt werden, die Liturgie sei nicht “volksnah”: Die konziliare Erneuerung wollte die Teilnahme des Volkes an der heiligen Liturgie fördern, indem sie Möglichkeiten und Freiräume (für Gesänge, aktive Beteiligungen, Laiendienste ...) schuf. Zu anderen Zeiten dagegen entwickelten sich alternative Ge­betsformen oder paraliturgische Ersatzhandlungen.

Die Vorrangstellung der Liturgie im Vergleich zu jeder anderen möglichen und legitimen Form des christlichen Betens muss im Be­wusstsein der Gläubigen verankert werden: Während die sakramen­talen Handlungen für das Leben in Christus notwendig sind, gehören die Formen der Volksfrömmigkeit dagegen in den fakultativen Be­reich. Das Gebot, an der Sonntagsmesse teilzunehmen, ist eine Pflicht, während die Andachtsübungen, soweit sie empfohlen und verbreitet sind, keiner Verpflichtung unterliegen. Allerdings können Kommunitäten oder einzelne Gläubige sie mit verpflichtendem Cha­rakter annehmen.

Diese Zielsetzungen verlangen eine entsprechende Ausbildung der Priester und der Gläubigen, damit dem liturgischen Gebet wie dem Kirchenjahr gegenüber jeder anderen religiösen Praxis die Vorrang­stellung gesichert wird. Dieser geforderte Vorrang darf aber keines­falls im Sinne des Ausschlusses, der Gegenüberstellung und der Aus­grenzung verstanden werden.

Aufwertung und Erneuerung

12. Die Wahlfreiheit im Bereich der Andachtsübungen darf jedoch nicht so verstanden werden, als ob sie gering geschätzt oder gar we­niger geachtet werden sollten. Der richtige Weg ist jener, der dazu führt, die großen Schätze der Volksfrömmigkeit richtig und weise zu erschließen und die in ihnen ruhenden Kräfte zu entfachen, um das christliche Leben zu prägen.

Das Evangelium ist der bleibende Wertmaßstab und das gültige Kriterium für alle Ausdrucksformen christlicher Frömmigkeit – alter wie neuer. Darum muss sich die Erneuerung der Andachtsformen und Frömmigkeitsübungen dem Werk der Reinigung unterziehen, das bisweilen nötig ist, damit der rechte Bezug zum christlichen Geheim­nis gewahrt bleibt. Auch für die Volksfrömmigkeit der Anspruch der christlichen Liturgie: “Sie darf auf keinen Fall Rituale der Magie, des Aberglaubens, des Spiritismus, der Rachsucht oder der Verbindung mit der Sexualität annehmen.”17

In diesem Sinne ist klar, dass die vom Zweiten Vatikanischen Konzil initiierte Erneuerung die Liturgie auch die rechte Erschließung des Wesens der Andachtsformen und Frömmigkeitsübungen und ihre Erneuerung inspirieren muss. Für die Volksfrömmigkeit muss Fol­gendes ständig in Betracht gezogen werden: Der biblische Geist, insofern es ein christliches Gebet niemals ohne direkten oder indirek­ten Bezug auf die Bibel geben kann; der liturgische Geist, insofern die volksfrommen Übungen ein Echo dessen sind, was in den liturgischen Vollzügen gefeiert wird; ein ökumenischer Geist, das heißt die Beachtung der verschiedenen christlichen Empfindungen und Überlieferungen, ohne die man zu wenig hilfreichen Verboten gelangt, schließlich ein anthropologischer Geist, der sich darin ausdrückt, Symbole und markante Ausdrucksformen für ein be­stimmtes Volk zu bewahren, allerdings unter Vermeidung sinnloser Archaisierung. Diese Erneuerung muss mit pädagogischem Sach­verstand durchgeführt und schrittweise verwirklicht werden, unter Berücksichtigung der jeweiligen Orte und Umstände.

Unterscheidung und Übereinstimmung mit der Liturgie

13. Der objektive Unterschied zwischen Andachtsformen und Fröm­migkeitsübungen auf der einen und der Liturgie auf der anderen Seite muss in der gottesdienstlichen Ausdrucksweise sichtbar werden. Das bedeutet, dass es zwischen Andachtsübungen und liturgischen Hand­lungen in ihren jeweiligen Formen keine Vermischung geben darf. Die Ausdrucksweisen von Volksfrömmigkeit und Andacht haben außerhalb der Eucharistie und außerhalb der anderen Sakra­mente ihren Ort.

Dabei muss einerseits vermieden werden, Formen der Volksfröm­migkeit über liturgische Feiern zu legen, weil Sprache, Rhythmus, Verlauf und theologische Akzente volksfrommer Übungen sich von jenen liturgischer Handlungen unterscheiden. Ähnlich sind gege­benenfalls das Wetteifern untereinander oder ein Gegensatz zu den liturgischen Handlungen zu überwinden: Der Vorrang, der dem Sonntag gebührt, dem Hochfest, den liturgischen Zeiten und Tagen, ist zu schützen.

Andererseits soll vermieden werden, Feierformen der “liturgischen Feier” in Andachtsübungen hineinzutragen, die ihren eigenen Stil, ihre Schlichtheit und ihre eigene Sprache bewahren sollen.

Die Sprache der Volksfrömmigkeit

14. Die verbalen und nonverbalen Ausdrucksweisen der Volksfröm­migkeit müssen, auch wenn ihre Schlichtheit und Spontaneität zu bewahren ist, gepflegt und beobachtet werden, damit sie in jedem Fall, zusammen mit der Wahrheit des Glaubens die Größe der christ­lichen Geheimnisse transparent machen können.

Gebärden

15. Charakteristisch für die Volksfrömmigkeit ist die große Mannig­faltigkeit und der Reichtum an körperlichen und symbolischen Aus­drucksweisen, Gesten und Gebärden. Man denke beispielsweise an die Sitte, Bilder, Orte, Reliquien und religiöse Gegenstände zu küs­sen oder sie mit der Hand zu berühren, Straßenzüge und “spezielle” Gänge barfuß oder auf Knien zu begehen, Opfergaben, Kerzen und Votivgaben darzubringen, besondere Kleidungsstücke zu tragen, sich niederzuknien und sich auf den Boden hinzustrecken, Medaillen und Abzeichen zu tragen … Es gibt ähnliche Ausdrucksweisen, die seit Jahrhunderten auf direkte und schlichte Weise von den Vätern auf die Söhne überliefert und weitergegeben werden, um auch äußerlich das Herzensanliegen zu bekunden, als Christen zu leben. Ohne diese innere Seite läuft man jedoch Gefahr, dass symbolische Gesten in leere Gewohnheiten abgleiten oder, was noch schlimmer wäre, zu abergläubischen Praktiken verkommen.

Texte und Formeln

16. Wenn die sprachlichen Formulierungen der volkstümlichen Ge­bete auch weniger streng im Vergleich zu denen der Liturgie verfasst wurden, so sollten sie dennoch Anregungen aus der Sprache der Hei­ligen Schrift, der Liturgie, der Väter und des Lehramtes beziehen und so im Einklang mit dem Glauben der Kirche stehen. Die festgelegten und für den öffentlichen Gebrauch bestimmten Gebetstexte und Frömmigkeitsübungen bedürfen der Approbation durch den zustän­digen Ordinarius.18

Gesang und Musik

17. Auch der Gesang als natürlicher Ausdruck der Volksseele nimmt einen wichtigen Platz in der Volksfrömmigkeit ein.19 Die Sorge um die Erhaltung des Erbes an überlieferten Gesängen aus der Tradition muss sich verbinden mit dem Geist von Bibel und Kirche, offen bleiben für Überprüfungen und neue Musikschöpfungen.

Der Gesang ist bei manchen Völkern instinktiv mit Händeklatschen, rhythmischer Bewegung oder Tanzschritten verbunden. Solche For­men drücken innere Gefühlsregungen aus und sind Teil der Über­lieferungen eines bestimmten Volkes, besonders bei den Festen seiner heiligen Patrone. Natürlich müssen sie Bekundungen echten Gebets und nicht bloßes Spektakel sein. Die Tatsache, dass sie an bestimmten religiösen Stätten vorkommen, ist kein Grund, ihre Ver­breitung auf andere Orten zu fördern, wo sie nicht mehr ihre ursprüngliche Natürlichkeit ausstrahlen würden.

Bilder

18. Der Gebrauch religiöser Bilder hat im Bereich der Volks­frömmigkeit eine große Bedeutung. Gemäß den Gesetzen der Kultur und der Vielfalt der Künste helfen sie den Gläubigen, sich vor ihnen in die Geheimnisse des christlichen Glaubens zu versenken. Das Verehren heiliger Bilder gehört sicher zum Wesen der katholischen Frömmigkeit: Es ist Kennzeichen eines großen künstlerischen Erbes, das man in Kirchen und Heiligtümern findet. Zu dessen Entstehung hat oftmals vor allem die Volksfrömmigkeit ihren Beitrag geleistet.

Für die Bilder Christi, der Jungfrau Maria und der Heiligen und ihre gottesdienstliche Bedeutung gilt das in der Tradition immer von der Kirche hochgehaltene und verteidigte Prinzip, dass “die Verehrung der bildlichen Darstellung der dargestellten Person gilt.”20 Die not­wendige Strenge, die für das ikonographische Programm von Kir­chen21 gefordert wird – in Respekt vor den Wahrheiten des Glauben und ihrer Hierarchie, von Schönheit und Qualität –, muss ebenfalls bei bildlichen Darstellungen und Gegenständen, die zur privaten Frömmigkeit bestimmt sind, angewendet werden.

Da die ikonographische Gestaltung religiöser Gebäude nicht der pri­vaten Initiative überlassen werden darf, müssen die Verantwortlichen der Gotteshäuser und Gebetsräume für die Würde, Schönheit und Qualität der zur öffentlichen Verehrung ausgestellten Bilder Sorge tragen. Sie verhindern damit zugleich, dass Bilder oder Statuen, die durch die private Verehrung von Einzelpersonen angeregt worden sind, zur allgemeinen Verehrung aufgestellt werden.22

Die Bischöfe und die Rektoren der Heiligtümer sollen darüber wa­chen, dass religiöse Darstellungen, die für den Gebrauch der Gläubi­gen geschaffen werden, damit sie diese in ihren Wohnungen an­brin­gen, an einer Halskette tragen oder bei sich aufbewahren, nicht der Banalität preisgegeben werden oder zu irrtümlichen Ansichten füh­ren.

Orte

19. Neben dem Gotteshaus kennt die Volksfrömmigkeit das Heilig­tum, einen besonderen Raum, der nicht immer eine Kirche ist. Oft zeichnet es sich durch mit ihm verbundene besondere Fröm­mig­keitsübungen aus, von denen die Wallfahrt die bekannteste ist. Neben solchen für das gemeinsame und private Gebet vorbehaltenen Stätten gibt es noch weitere Orte von nicht geringerer Bedeutung, wie das Haus, die Lebens- und Arbeitsbereiche. Bei bestimmten Gele­gen­heiten werden auch Straßen und Plätze zu Räumen der Glau­bens­bekundung.

Zeiten

20. Den zeitlichen Rhythmus von Tag und Nacht, Monaten und Jah­reszeiten begleiten verschiedene Ausdrucksformen der Volksfröm­migkeit, die von frohen und traurigen Ereignissen im persönlichen, familiären und gemeinschaftlichen Leben gekennzeichnet sind. Ein herausragendes Ereignis bildet vor allem das “Fest” inklusive der Tage seiner Vorbereitung. In dieser Zeit spielen religiöse Aktivitäten eine besondere Rolle und tragen auf diese Weise dazu bei, die Feier­tradition eines für eine Gemeinschaft wichtigen Tages zu formen.

Verantwortlichkeit und Kompetenzen

21. Die Äußerungen der Volksfrömmigkeit unterliegen der Verant­wortung des jeweiligen Ortsordinarius. Es ist zuständig für ihre Re­gelung, er ermutigt die Gläubigen, sie als Hilfe für ein christliches Leben anzunehmen. Gegebenenfalls reinigt er sie und durchdringt sie mit dem Geist des Evangeliums. Er wacht darüber, dass sie die litur­gischen Feiern nicht ersetzen oder sich mit ihnen vermischen.23 Er approbiert jene Gebetstexte und Formeln, die zu den öffentlichen Frömmigkeitsübungen und Andachtsformen gehören.24 Die vom Or­dinarius für seinen Jurisdiktionsbereich erlassenen Anordnungen gelten selbstredend für die ihm anvertraute Diözese. Deshalb werden einzelne Gläubige – Kleriker wie Laien – und besondere Gruppen es vermeiden, ohne die Übereinstimmung mit ihrem Ordinarius subjek­tiv verfasste Gebetstexte, Formulierungen und Initiativen öffentlich zu verwenden.

Gemäß der zitierten Apostolischen Konstitution Pastor Bonus Nr. 70 ist es Aufgabe dieser Kongregation, den Bischöfen im Hinblick auf Gebete und Praktiken der Volksfrömmigkeit Hilfen zu geben, ebenso Anordnungen für jene Fälle, welche die Grenzen einer Ortskirche überschreiten, nötigenfalls auch subsidiäre Verfügungen.

Erster Teil

LEITLINIEN
AUS DER GESCHICHTE, DEM LEHRAMT,
DER THEOLOGIE


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