Rudolf steiner gesamtausgabe




НазваниеRudolf steiner gesamtausgabe
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Die Uroffenbarung der Menschheit

In der schweren Zeit, in der wir leben, und deren Schwierigkeiten täglich neu und vergrößert fühlbar werden, ziemt es sich wohl, gerade solche Betrachtungen hier in unserem Kreise anzustellen, welche geeignet sind, uns bekannt zu machen mit den großen geschichtlichen Menschheitszielen und Menschheitsimpulsen. Dabei liegt der Gedanke zugrunde, daß es gerade tief, tief nötig ist in unserer Zeit, sich an das Große, Bedeutungsvolle, das sich aus der geistigen Welt uns offenbaren kann, zu wenden, weil dasjenige, was wir jetzt durchleben, ganz gewiß Zeiten heraufbringen wird, in denen man gar sehr bedürftig sein wird desjenigen, was der Menschenseele Stärkung und Kraft und Trost und Hoffnung und Zuversicht aus den geistigen Welten heraus bringen kann. Wir müssen diesen Gedanken um so mehr hegen, als wir zugleich in einer Zeit leben, in der richtige geistige Vertiefung, das heißt Vertiefung in das wahre Geistesleben, das der Mensch braucht, wiederum für die Menschheit unendlich schwierig ist, unermeßlichen Hindernissen eigentlich begegnet. Es sind Hindernisse, für die in einem gewissen höheren Sinne der Mensch der Gegenwart eigentlich gar nichts kann, die sich ihm auftürmen einfach aus den Bedingungen und Entwickelungsimpulsen der Gegenwart heraus, die ihn zurückhalten vor einem wahren Ergreifen des geistigen Lebens, wie es eben so nötig wird, nötiger, möchte man sagen, in unserer Gegenwart von Woche zu Woche, und besonders nötig sein wird in der Zeit, die auf die unsrige nahe folgt, und die in vielen Beziehungen keineswegs leichter sein wird als diejenige unserer unmittelbaren Tage.

Nun habe ich versucht, Betrachtungen anzustellen vor Ihnen in den vorangehenden Stunden über den Zusammenhang gewisser, in einzelnen geistigen Gemeinschaften gepflogener Erkenntnisse und

Verrichtungen mit dem allgemeinen Entwickelungsgange der Menschheit. Heute möchte ich diese Betrachtungen in einer gewissen Beziehung vertiefen, obwohl dasjenige, was ich zu sagen habe, ganz unabhängig sein wird von dem, was gesagt worden ist und ohne das auch verstanden werden kann. Nur darauf möchte ich noch einmal aufmerksam machen, daß ich ja ausgeführt habe, wie gewissermaßen über die ganze gegenwärtige gebildete Welt, auch über die ungebildete, ja, vielleicht sogar noch mehr, wenn auch in anderem Sinne, gewisse Menschengemeinschaften verbreitet sind, welche okkultes Wissen pflegen und welche auch okkultes Wissen, wie ich ja gezeigt habe, dazu verwenden, um es in einer gewissen Weise einfließen zu lassen in dasjenige, was sie tun und wodurch sie versuchen, den Entwicklungsgang der Menschheit in ihrer Art im Rechten oder im Nicht-Rechten zu beeinflussen. Nun ist eines bemerkbar in einem großen Teile solcher geistigen Gemeinschaften, namentlich derjenigen, die diese geistigen Gemeinschaften herauf-entwickelt haben bis in unsere Zeit und dasjenige, was in unserer Zeit als eine besondere Notwendigkeit neu hereintreten muß in solchen Gemeinschaften, noch nicht verstehen, die also zwar die alten Traditionen haben, die alten Überlieferungen, aber noch nicht verstehen, was hineinkommen muß durch dasjenige, was sich jetzt offenbart aus der geistigen Welt heraus. Bei diesen geistigen Gemeinschaften also, die noch nicht auf der vollen Höhe der Zeit stehen können, ist gewissermaßen eine gemeinsame Formel da, die eine große Reihe dieser Gemeinschaften beherrscht. Und diese Formel ist die, durch die sie sprechen von der schöpferischen Gewalt, welche die Welten durchpulst und durchzieht. Wenn sie ihren Sinn richten wollen auf diese schöpferischen Gewalten, die die Welt durchpulsen und durchziehen, auf das Göttlich-Geistige also, was die Welt durchpulst und durchzieht, so sprechen diese Gemeinschaften von dem «erhabenen Baumeister der Welt». Das ist eine vielgebrauchte Formel: von dem erhabenen Baumeister der Welt. Für denjenigen, der aus der Geisteswissenschaft heraus den Gang der Menschheitsentwickelung kennt, beweist die Tatsache, daß gesprochen wird, sagen wir zum Beispiel in gewissen mau-

rerischen Gemeinschaften, aber auch in anderen, von dem erhabenen Baumeister der Welten, das uralte Bestehen solcher Gemeinschaften und ihr Zurückgehen auf uralte Einrichtungen. Es beweist, daß alles dasjenige, was historisch mit einem gewissen Rechte gesagt werden kann über ein späteres Entstehen solcher Gemeinschaften, unrichtig ist, daß in Wahrheit solche Gemeinschaften doch weit, weit zurückgehen, wenn sie auch früher andere Formen gehabt haben, und zwar in ununterbrochener Folge zu uralten Gemeinschaften, die da im vierten nachatlantischen Zeitraum bei den Griechen, bei den Römern, aber auch bei den alten Ägyptern bestanden haben, ja, wir könnten noch weiter zurückgehen. Und von diesen Gemeinschaften uralter Zeiten leiten sich dann auch die gegenwärtigen Gemeinschaften her, die solcher Art sind, wie ich es beschrieben habe, nur daß diese gegenwärtigen gleichsam nicht in einem so unmittelbaren Verkehr ihrer Vorsteher stehen mit der geistigen Welt, wie die früheren Gemeinschaften, sondern dasjenige, was sie als Wissen haben, mehr als überliefertes Wissen bewahren.

Wenn man verstehen will, was die Formel von dem erhabenen Baumeister der Welten bedeutet, oder vielmehr warum gerade die Formel von dem erhabenen Baumeister der Welten, dem großen Architekten des Universums, angewendet wird, dann muß man an verschiedenes erinnern, was gegenwärtig eigentlich durchaus schon gewußt werden könnte, aber durchaus noch nicht in das allgemeine Bewußtsein der Menschheit, auch der gelehrten Menschheit, eingedrungen ist. In einzelnen Schriften aufgeklärterer Theologiekundiger oder Altertumskundiger finden Sie heute nämlich schon den Begriff der Ur-Of f enbarung. Was nennen die Leute Ur-Offenbarung ?

Dieser Begriff der Ur-Offenbarung tritt in solchen Schriften auf, die heute durchaus schon in der wissenschaftlichen Welt einen gewissen Wert haben, die nicht so als verrücktes Zeug angesehen werden wie unsere Schriften. Also es tritt der Begriff der Ur-Offenbarung immerhin schon in denjenigen Schriften auf, die wenigstens bis zu einem gewissen Grade ernst genommen werden in dem Umfang der vier Fakultäten. Nun, dieser Begriff der Ur-Offenbarung, der kann einem besonders klar werden, wenn man versucht, sich be-

kannt zu machen mit alten Religionsschriften. Man braucht eigentlich nur zurückzugehen bis zu den Schriften des Gotama Buddha. Da findet man, wenn man zu diesen Schriften, zu älteren Religionsurkunden überhaupt zurückgeht, wenn man nur unbefangen genug ist, wenn man nicht so töricht ist, wie zum Beispiel der Schreiber über gewisse ägyptische Zustände, der im letzten «Zeitgeist» geschrieben hat — wenn man also einigermaßen unbefangen ist, so merkt man in den alten religiösen Schriften, daß die Leute, die mit dem Zustandekommen dieser Schriften etwas zu tun gehabt haben, vor Jahrtausenden ein Wissen gehabt haben, das verloren gegangen ist für die Menschheit, das allmählich, ich möchte sagen, versickert ist unter dem zunehmenden Materialismus. Wie gesagt, Sie brauchen nur mit Unbefangenheit die Schriften, die Ihnen erreichbar sind von dem Gotama Buddha, zu lesen, so werden Sie sehen: Was da gesagt wird, ist auf Grundlage eines großen Wissens, das aber schon für ihn überliefert sein muß, das auf viel, viel ältere Zeiten zurückgeht, auf ein Ur-Wissen, aufgebaut. Nun, auf diejenige Art und Weise, wie die Menschen jetzt ihr Wissen bekommen in den vier Fakultäten, konnte selbstverständlich dieses Wissen nicht erreicht werden. Das, glaube ich, wird auch ein unbefangener Betrachter der gegenwärtigen Gelehrsamkeit nicht gerade in Abrede stellen. Und ein Befangener erst recht nicht, denn ein Befangener lehnt all dieses Wissen ab und betrachtet es als törichtes Zeug. Nicht wahr, historisch betrachtet er es und läßt Bücher, die sich historisch darüber ergehen, ja gewiß gelten, wenn sie Belegstellen haben, Anführungen machen können. Aber das Wissen selber, das läßt er nicht gelten. Also kann er auch durchaus nicht zugeben, daß man auf dem gegenwärtigen natürlichen Wege zu solchem Wissen kommen könne, denn er läßt es ja nicht gelten, nicht wahr?

Also auf ein Ur-Wissen werden wir da zurückgeführt. Wir müssen danach annehmen — und jeder Unbefangene muß das nach den alten Religionsurkunden annehmen —, daß man zurückgehen kann von jetzt in die Zeiten der Menschheitsentwickelung und daß man da kommt, von der jetzigen Zeit, in der wir es auf allen Gebieten so herrlich weit gebracht haben, bis zu dem furchtbaren gegenwärtigen

Morden sogar gebracht haben, nicht wahr, zurückgehend durch die früheren Jahrhunderte, auf dasjenige, was die Leute früher gewußt haben, was für unsere Zeit, die es so herrhch weit gebracht hat, so ein verwirrtes Zeug ist, wie wir es bei Jakob Böhme, Paracelsus und so weiter finden. Und dann kommt man zurück auf die Zeit, wo die Leute in Retorten alchimistisches Zeug getrieben haben, und dann immer weiter und weiter, wo sie, selbst wenn sie gelehrt waren, nach den Vorstellungen der Gegenwart nun einmal «abergläubisch» waren, und dann geht es immer weiter zurück. Aber wir sagen, wenn der Unbefangene nun die Jahrhunderte durch das Römertum, Griechentum, Ägyptertum zurückgeht, so kommt er zurück zu einer Menschheit, die einmal ein Wissen gehabt hat, das ausgebreitet war über die Welt auf eine Weise, wie es der gegenwärtige Mensch nicht erringen kann. Eine Vorstellung ist ja natürlich für diesen gegenwärtigen Menschen schwer zu gewinnen, denn er versetzt in die Zeit, von der wir da sprechen, den Menschen, der eigentlich erst noch ein Affe war, Pithecanthropus erectus, den Affenmenschen. Aber trotz all dieser Theorien von dem Affenmenschen muß der Unbefangene, wie gesagt, aus wirklichen Urkunden selbst heute annehmen, daß da ursprünglich ein Wissen war, welches der Mensch eben mit seiner gegenwärtigen Gescheitheit nicht erreichen kann, das unendlich tief ist und das sich über die geistigen Welten in einem hervorragenden Maße so erstreckt, daß in diesem Wissen enthalten ist nicht nur ein Bewußtsein davon, daß man hinaufsteigen kann in geistige Welten, sondern daß man in diesen geistigen Welten andere Wesen findet, die nicht im Fleisch verkörpert sind, Wesen, die wir heute zusammenfassen, wenn wir von den höheren Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und so weiter sprechen. Wir finden sogar in diesen uralten Religionsschriften, daß die Leute von diesen höheren Geistwesen wie von Wesen sprechen, mit denen sie verkehrt haben. Wie gesagt, das läßt sich aus den Schriften selber nachweisen.

Was liegt dieser Tatsache eigentlich zugrunde? Nun kann man ja von einem gewissen Gesichtspunkte einer Initiiertenstufe unmittelbar hinter dieses Geheimnis, das hiermit angedeutet ist, kom-

men. Aber man kann schon, ich möchte sagen, von einem gewissen niedrigeren Initiations-Standpunkte, von dem ganz gewöhnlichen leicht zu erreichenden Initiations-Standpunkte, durch einen Analogieschluß zu dem kommen, was eigentlich diesem Geheimnis zugrunde liegt. Wir wissen ja, daß um uns herum sich in der Welt nicht bloß dasjenige ausbreitet, wovon die heutige Sinnes-Wissenschaft spricht, sondern daß dieser Natur, von der wir heute sprechen, zugrunde liegt die sogenannte elementarische Welt, zugrunde liegt die Welt, für die wir nur Bezeichnungen haben, wenn wir auf die alte Mythologie zurückgehen, in den verschiedenen Elementarwesen, die zugrunde liegen dem mineralischen Reich als Gnomen, dem wässerigen, pflanzlichen Reich als Undinen, dem luftförmig belebten Reiche als Sylphen, und dem ganzen Irdischen als Salamanderwesen.

Man muß sich schon, wenn man nicht gerade in dieser erleuchteten Gesellschaft ist, sogar heute schämen, von diesen Dingen im Ernste zu sprechen; aber wir sind ja unter uns und können davon sprechen. Es liegen also dieser Welt, der Natur, die uns umgibt, elementarische Wesenheiten zugrunde. Nun darf man sich nicht vorstellen, daß diese elementarischen Wesenheiten nur dazu da sind, um sich von den Menschen erkennen zu lassen, die hellsichtig werden, und daß sie sich im übrigen nur auf die faule Haut zu legen brauchen und nichts zu tun haben. Das darf man sich natürlich nicht vorstellen, sondern diese Wesenheiten haben ihre gute Aufgabe in der Welt, diese Wesenheiten haben sehr viel zu tun. Sie haben zu tun in der Art, von der man allerdings meint in der äußeren materialistischen Wissenschaft: es macht sich alles von selbst. Aber es macht sich nicht von selbst! Derjenige, dessen Augen geöffnet sind für diese elementarische Welt, der sieht, wie diese elementarischen Wesen im Grunde genommen wirklich im Verlaufe des Jahres eine Art Jahreskursus durchzunehmen haben: wie in anderer Weise gewirkt wird von den geistigen Welten herunter auf diese Wesen im Frühling, im Sommer, im Herbst, im Winter, das heißt wie sie hier auf der Erde um uns herum ein elementarisches Reich ausbreiten, das in der angedeuteten Weise dem Naturreich zugrunde liegt, und wie

sich herunterströmend ergießt, man kann nicht sagen ein Unterricht, aber etwas, was an Kräften sich ergießt, damit diese Wesen im Frühling die Macht bekommen, aus der Erde die Pflanzendecke herauszuformen. Es tragen herunter die Kräfte der Geister der Form gewisse Geisteswesenheiten, die sie diesen elementarischen Wesenheiten mitteilen, so daß eine neue Formenwelt im Frühling heraussprießt. Indem es dem Sommer zugeht, bekommen sie gleichsam einen späteren Kursus, so daß sie dasjenige wieder bewirken können, was gegen den Sommer zu sich vollzieht. Und so vollzieht sich im Jahresiauf eine Wechselwirkung zwischen den Geistern der höheren Hierarchien und den elementarischen Wesen, die weben und leben in der Natur, die uns umgibt. Das heißt, wir haben es fortwährend zu tun mit einem Auf- und Abschweben, mit einem Auf- und Abströmen von Geistwesenheiten der höheren Hierarchien, deren Zöglinge, deren Schüler die Wesenheiten sind, weiche die belebenden Kräfte wieder abzugeben haben für alles dasjenige, was im Jahreslauf sprießt und sproßt. Denn alles dasjenige, was im Jahreslauf sprießt und sproßt, was entsteht und vergeht, alles das ist nicht bloß herausgewachsen aus unserer Erde, sondern steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit dem Himmlisch-Geistigen. Und diejenigen Menschen, die glauben, daß die Pflanzen, daß die Tiere, die da aufleben in jedem Frühling, so aus den Kräften der Erde nur herauswachsen, diese Menschen sind zu vergleichen, sagen wir, mit Würmern, die unter der Erdendecke immerfort hinkriechen und niemals an die Oberfläche der Erde kommen, und die glauben würden, indem sie von Pflanzenwurzel zu Pflanzenwurzel kriechen: Es gibt nur Pflanzenwurzeln, und dasjenige, was da oberhalb der Erde ist, in das sie niemals einen Blick tun, das werden sie selbstverständlich ableugnen. Und wenn dann doch einmal ein Wurm kommt und ein Loch sich bohrt und heraufkommt und sieht, daß da oben Blätter und Blüten sind, daß von den Wurzeln etwas heraufreicht in das Licht der Sonne, und er wiederum zurückkommt und den Würmern, die unten kriechen und nur die Pflanzenwurzeln kennen, erzählt davon, dann werden sie sagen: Du bist ein ganz verrückter Wurm, du bist ein ganz verdrehter Wurmzwickel, das gibt es ja alles nicht,

wovon du uns da erzählst! — Ja, wir haben dies vielleicht unter den Würmern nicht, die Würmer sind vermutlich gescheiter; aber unter den Menschen haben wir das allerdings.

Also wie gesagt, dasjenige, was sprießt und sproßt im Jahreslauf, das steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit den Wesen, die ihre Kräfte auf- und abströmen lassen und sie ergießen in diese elementarische Welt. So aber, meine lieben Freunde, wie heute Sylphen und Gnomen und Undinen und Salamander ihre Einflüsse erhalten von diesen Wesen der höheren Hierarchien, die auf- und niedersteigen, je nach dem Jahreslauf, so bekam der Mensch, als er noch nicht so dicht mit seinem physischen Leibe verwachsen war, in alten Zeiten den Unterricht von den auf- und abschwebenden Geistern der höheren Hierarchien. Und all die Sagen und Mythen, die geblieben sind und die uns sagen, daß in alten Zeiten der Mensch den Unterricht solcher Wesen genossen hat, die selber herunterstiegen aus der geistigen Welt, diese Mythen beruhen durchaus auf Wahrheit. Der Mensch befand sich selber unter denjenigen Geistern, unter denen sich heute nur Gnomen, Sylphen, Undinen und so weiter befinden. Und während diese Geister diejenigen Kräfte empfangen, durch die sie die Formen, die im Jahreslauf aus der Erde auf- und absprießen, entwickeln, bekam der Mensch in alten Zeiten von den auf- und abschwebenden Wesen der höheren Hierarchien seinen Unterricht. Und dasjenige, was er da bekam in uralten Zeiten, das ist das, dessen letzter Rest geblieben ist in solchen Schriften, die uns heute noch aufbewahrt sind, und aus denen ein Unbefangener nachweisen kann — wie gesagt, aus äußeren Schriften —, daß solch eine UrOffenbarung stattgefunden hat.

Also eine solche Ur-Offenbarung hat stattgefunden. Und in denjenigen Zeiten, die vorangehen dem achten vorchristlichen Jahrhundert, sind die letzten Reste dieser Ur-Offenbarung zu der Menschheit heruntergeflossen. Geradezu können wir das Jahr 747 angeben, in dem gewissermaßen der Mensch durch die weitere Entwickelung seiner physischen Natur ausgeschlossen worden ist von der unmittelbaren Teilnahme — selbstverständlich geschieht ja das alles nach und nach — an solchem Unterricht, wie ich ihn jetzt

angedeutet habe. Alles dasjenige, was alte Wissenschaft war, ist auf diese Weise durch den unmittelbaren Unterricht der geistigen Wesenheiten in die Menschen hineingeflossen. Und die uralten Wissenschaften, die überliefert sind und die heute nicht mehr verstanden werden, sind auf diese Weise den Menschen zugekommen. Die letzte Wissenschaft nun, die auf diese Weise den Menschen zugekommen ist, müssen wir einmal ins Auge fassen. Was hat denn der Mensch im Laufe der Zeit, von der ersten Zeit an in der alten Atlantis, wo solche Ur-Offenbarung heruntergeflossen ist, erfahren? Er hat erfahren den Zusammenhang, in dem er selbst als Mensch steht mit den geistigen Welten. Denn der Mensch ist ein Mikrokosmos, und in ihm spielen alle die Kräfte und Vorgänge im Kleinen sich ab, die sonst sich in der großen Welt abspielen. Das Letzte, was der Mensch auf diese Weise gelernt hat, was von außen ihm zugeflossen ist, das ist die Geometrie und Arithmetik. Und derjenige, der heute noch Geometrie und Arithmetik im wahren Sinne des Wortes auf sich wirken läßt, wird noch etwas verspüren davon, daß darin etwas anderes an ihn herankommt als anderes Wissen. Anderes Wissen sammelt man so aus der Erfahrung zusammen. Aber Geometrie und Arithmetik ist etwas, worinnen man spürt, daß es wahr ist abgesehen von der äußeren Erfahrung, abgesehen von aller Sinneserfahrung. Kein Mensch kann dadurch, daß er es sich aufzeichnet und in der Sinneserfahrung ein Dreieck vorstellt, beweisen, indem er abmißt die Winkel, daß dieselben hundertachtzig Grad sind. Da kann er höchstens darauf kommen; aber beweisen kann er es sich nur durch das innere Gedankenerlebnis. Und ebenso kann sich kein Mensch beweisen, daß drei mal drei neun ist, bloß durch äußeres Zählen, sondern nur durch innere Vorstellung. Man braucht da keine Erbsen oder Bohnen zu haben, auch nicht die Finger, sondern man braucht es sich nur innerlich vorzustellen, und man wird innerlich zu der Wahrheit kommen: drei mal drei ist neun.

Im weiteren Umfange aber liegt dem, was da als Geometrie und Arithmetik gedacht wird, zugrunde alles dasjenige, was in den Formen der Baukunst zum Ausdruck kommt. Schon in den Zeiten der

Ägypter wurde angeschlossen an noch Älteres, an ein Urwissen, darin geoffenbart wurde die Geometrie und Arithmetik. In den griechisch-lateinischen Zeiten wurde dann dasjenige, was altes Wissen war, in den Mysterien den Menschen so vermittelt, daß man ihnen sagte: Wenn du dich recht in dich vertiefst, dann bringst du das aus dir heraus, was in früheren Zeiten, in denen du auf der Erde gelebt hast, von den Geistern der höheren Hierarchien geoffenbart worden war. — In den ägyptischen Mysterien brauchte man das nicht zu tun, da kamen die hohen Wesen noch selber herab. In der griechisch-lateinischen Zeit versammelte der Meister seine Schüler, indem er ihnen sagte: Ihr wart da in früheren Inkarnationen, da gingt ihr durch eine Menschenentwickelung hindurch, woran teilnahmen die Geister der höheren Hierarchien. Das hat sich in euren Seelen festgesetzt — holt es herauf! — So ließ der Meister der griechischen, der römischen Mysterien noch dasjenige heraufholen, was auf diese Weise in der Menschenseele war. Denn alles ist in der Menschenseele zu finden, weil in der Ur-Offenbarung alles durch die Geister in die Menschen heruntergeströmt ist. Was wir heute aus uns herausbringen, wirklich aus uns herausbringen, das haben wir ja schon einmal durchlaufen im Unterricht von den höheren Hierarchien aus.

Dann kam das Jahr 1413/14. Und da kann sich der Mensch nicht mehr dessen bewußt werden — denn da besonders beginnt das materialistische Zeitalter —, was in ihm aus früherem spirituellem Unterricht eigentlich enthalten ist. Von da ab deckt die dichte Vereinigung der Seele mit dem physischen Leibe dieses, was da in unseren Seelen ist, zu. Aber in der ganzen Zeit von 747 vor Christus bis 1413 war das möglich, daß das heraufgeholt wurde aus der Seele, was in früheren Zeiten auf die angedeutete Weise eingeströmt ist. Denken Sie, wie solch ein Mensch, insbesondere in der alten Griechenzeit, nun eigentlich empfunden haben muß. Gerade in der alten Griechenzeit hat er so empfunden, wie ich Ihnen jetzt andeute. Er hat sich gesagt: Geometrie, wie sie sich in den Formen eines Bauwerkes zum Ausdruck bringt, ist früher heruntergeflossen durch göttlich-geistigen Unterricht aus der Außenwelt. Es hat sich darge-

stellt. Der Mensch war eingesäumt von Formen. Jetzt, wenn der Mensch ein Dreieck zeichnen will, nimmt er die Kreide und zeichnet sich das auf. Das brauchte der alte Grieche noch nicht, sondern der brauchte sich nur auf sich zu besinnen, dann konnte er noch gleichsam hellsehend, ätherisch-hellsichtig, das Dreieck vor sich sehen. Also er konnte dasjenige, was Geometrie war, noch hellsichtig vor sich hinzeichnen. So war es ja auch in der Urzeit mit der Schrift, aber in einer älteren Urzeit. Da brauchte man nicht bloß auf Papyrus zu schreiben, sondern man schrieb auch vor sich hin, hellsichtig schrieb man vor sich hin. Aber wie gesagt, dasjenige, was in die Formen der Baukunst einfloß, setzte der Mensch rings um sich herum, so daß er also so unterrichtet wurde in einer gewissen Zeit der griechischen Mysterien, daß ihm gesagt wurde: Jetzt besinne dich ganz deutlich auf dich! Wenn du dich auf den göttlichen Menschen, der in dir lebt, besinnst, wenn du also nicht deinen vorübergehenden Erdenmenschen nur ins Auge faßt, sondern wenn du dich auf den göttlichen Menschen in dir besinnst, dann wird sich um dich herum ein Bauwerk aufbauen, das aus den Formen der Geometrie zusammengefügt ist; du bist mitten darinnen.

Wie die Spinne ihr Spinnennetz um sich herum spinnt, so spann ätherisch um sich herum solch ein Schüler der griechischen Mysterien; er spann sich noch das Ganze geometrisch, und in das stellte sich ihm dann das andere Menschenwissen hinein. Das brauchte er dann nur um sich herum äußerlich herzustellen: dann hatte er den griechischen Tempel. Der griechische Tempel ist nichts anderes, als die Ausfüllung mit physischer Materie desjenigen, was auf diese Weise sich in geometrischen Formen hellsichtig um den Menschen hinstellt. Der griechische Tempel gibt nur die Steine hinein in das, was sich so hinstellt. Daher hat der Grieche auch immer die Tendenz, in den Tempel eine Götterfigur hineinzustellen, wie er sich eigentlich seinen eigenen göttlichen Menschen da drinnen denken muß. So baut er in den Zeiten, in denen die Tempel wirklich gebaut werden, nicht einfach einen Tempel hin, sondern innen das Götterbild, die Pallas Athene oder irgendeinen anderen Gott, weil das zusammengehört, weil das gleichsam dasjenige ist, was um sich herum

das Bauwerk errichtet: Der Mikrokosmos mit dem zusammen, was aus dem Makrokosmos heraus sich offenbart, aber jetzt natürlich von innen heraus sich offenbaren muß aus dem angedeuteten Grunde. Also Sie sehen hier den Zusammenhang des Bauens des Tempels mit einem ursprünglichen Hellsehen.

Daher fühlten diejenigen, die in dieser Zeit bauten, in der Baukunst doch etwas Göttliches, etwas, was mit allen inneren Offenbarungen des Menschen im höchsten Maße zusammenhängt. Sie fühlten, daß man nicht so wie heute baut, wo man auf der Hochschule allerlei lernt und dann baut. Deshalb finden ja die Leute so unnatürlich, daß wir aus unserer eigenen Geisteswissenschaft heraus den Dornacher Bau bauen wollen. Sie fänden es natürlich, wenn ihn ein gewöhnlicher Baumeister baute, und von dem gewöhnlichen Baumeister würden sie nicht verlangen, daß er irgendein Sterbenswörtchen wüßte von unserer Geisteswissenschaft. Denn heute weiß man nicht, daß dasjenige, dem der Bau dient, in der ganzen Umgebung, in dem ganzen Bauwerke sich zum Ausdruck bringen muß. Aber in der Zeit, in der der Mensch den Bau empfunden hat wie die Offenbarung der Geister der Form, da war es so. Daher die eigentümliche Art, in der noch
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