Rudolf steiner gesamtausgabe




НазваниеRudolf steiner gesamtausgabe
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Дата22.10.2012
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Kaiserin Katharina, nachdem der Voltairianismus etwas von einem Schlag erfahren hatte, und unter ihrem Nachfolger in Rußland, Paul, und Späteren, der Versuch gemacht wurde, gewisse geheime Verbrüderungen vom Westen nach Rußland hinein zu verpflanzen. Dieser Versuch wurde aber in ausgiebigstem Maße gemacht. Und das, was dazumal geschehen ist unter dem Einflüsse der vom Westen nach Rußland verpflanzten okkulten Verbrüderungen, das hat einen großen Einfluß gewonnen auf die ganze geistige Entwicklung Rußlands seither, einen viel größeren Einfluß, als man irgendwie glauben kann. Selbstverständlich, solcher Einfluß gruppiert sich nach der verschiedensten Richtung hin: der Literat verarbeitet diesen Einfluß in Romanen, der politische Schriftsteller in Politik. Aber durch gewisse Kanäle, die immer vorhanden sind, wird solcher Einfluß immer bedeutsam für die nachfolgende Entwickelung. Und alles eigentlich, was bedeutend ist im geistigen Leben Rußlands bis zu Tolstoi, führt im

Grunde genommen zurück auf dasjenige, was in der Zeit, von der ich eben gesprochen habe, durch Verpflanzung von gewissen okkulten Verbrüderungen nach Rußland hinein vom Westen Europas aus geschehen ist.

Nun sagte ich Ihnen: es ist ein gewisser Unterbau vorhanden. Der Unterbau ist eben der, der die okkulten Verbrüderungen durch diese drei Grade heraufleitet. Gewiß. Dann aber gibt es Leute, die kommen zu sogenannten Hochgraden, zu höheren Graden. Nun, das ist freilich ein Gebiet, wo ungeheuer viel Eitelkeit unterläuft, denn es gibt Verbrüderungen, in denen man es bis zu neunzig oder über neunzig Graden bringen kann. Nun denken Sie sich einmal, was das heißt: man trägt einen so hohen Ordensgrad an sich! Dreiunddreißig Grade hat ja, einfach durch einen Fehler, der aus einer grotesken Unkenntnis entspringt, das sogenannte schottische Hochgradsystem, das sich aufbaut auf den drei Graden, die in solcher Weise verlaufen, wie ich es geschildert habe. Also da hat man die drei Grade, die ja, wie Sie sehen, ihre tiefe Bedeutung haben. Aber nach diesen drei Graden folgen noch dreißig andere. Nun können Sie sich denken, wenn man schon im dritten Grade die Fähigkeit erlangt, außer seinem Leibe sich zu erleben, was man für ein hohes Wesen ist, wenn man noch dreißig Grade danach durchmacht. Aber es beruht auf einem grotesken Erkenntnisfehler. Es wird nämlich in okkulten Wissenschaften anders als im Dezimalsystem gelesen: es wird so gelesen, daß man nicht nach dem Dezimalsystem, sondern nach dem betreffenden System der Zahlen rechnet, die gerade in Betracht kommen. Also wenn man schreibt: 33. Grad, so bedeutet das in Wirklichkeit nach dem System der Zahlen, die in Betracht kommen: 3 mal 3 = 9. Das hat eine große Rolle gespielt bei der Blavatsky. Sie finden in Blavatskys «Geheimlehre» eine lange Debatte über die Zahl 777. Da haben die Leute alles mögliche phantasiert, was diese Zahl 777 bedeutet. In Wirklichkeit ist es 343, nämlich 7 mal 7 mal 7. Man schreibt im Okkultismus so, daß man die Zahlen, die da stehen, miteinander multiplizieren muß. Wenn man also die wirkliche Zahl haben will, muß man 777 folgendermaßen lesen: 7 mal 7 = 49 mal 7 = 343. Dementsprechend ist 33 = 9

= 3 mal 3. Nur weil die Leute nicht lesen können, lesen sie 33 statt 9-

Nun ja, aber wir wollen von diesen Eitelkeiten absehen. Es sind ja noch immer sechs Grade, die sich auf diesen drei Graden aufbauen, als berechtigte Grade zu zählen. Und die geben dann, wenn sie durchgemacht werden, schon sehr Bedeutsames. Aber sie können im Grunde genommen in der Gegenwart gar nicht voll durchgemacht werden. Es ist rein unmöglich. Sie können gar nicht voll durchgemacht werden, weil die Menschheit im fünften nachatlantischen Zeitraum noch nicht so weit ist, daß all das wirklich durchgemacht werden kann, was da durchzumachen ist. Denn es ist noch nicht so viel von den geistigen Welten an — ich will nicht sagen Erkenntnis, aber an Betätigung der Erkenntnis — herausgekommen. Das wird erst herauskommen. Es kommt ja nach und nach erst heraus. Denken Sie, wir stehen jetzt seit dem Jahre 1413 etwa im fünften nachatlantischen Zeitraum. Der wird lang sein, ungefähr 2160 Jahre. Er ist also abgelaufen im Jahre 3573. Also wir stehen ja erst im Anfange. Im Laufe dieses fünften nachatlantischen Zeitraums wird viel, viel geschehen. Und im Sinne dessen, was da geschieht, muß das auch vor sich gehen, was durch die Entwickelung der Geisteswissenschaft geschieht. Das kann aber nur nach und nach alles sich offenbaren. Gewiß, die großen Linien können wir heute ziehen. Über viele Einzelheiten wissen wir auch zu berichten. Aber vieles, vieles wird erst kommen, wenn an dem Widerstände es sich stärken, kräftigen muß. Und dieser Widerstand wird immer größer und größer werden.

Wir leben ja heute — Sie können das aus Dingen, die ich in diesen Vorträgen erzählt habe, ersehen, und werden es aus manchen anderen Dingen noch ersehen, die ich Ihnen ja auch anführen kann -, wir leben heute noch in verhältnismäßig idealistischen, in spirituellen Zeiten gegenüber dem, was da kommen wird. Wir leben am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends. Es wird nicht lange dauern nach dem Jahre 2000, da wird die Menschheit Sonderbares zu erleben haben, Dinge, die sich heute nur langsam vorbereiten. Die Dinge gehen ja so, daß gewissermaßen die zwei Pole, die der

künftigen Entwickelung entgegeneilen, von Osten und von Westen her sich vorbereiten. Immer mehr und mehr wird sich in den mehr östlichen Gegenden ausbilden — aber aus dem Volkstume heraus, selbstverständlich nicht aus jenen Kreisen heraus, die heute das mißleitete osteuropäische Volk führen —, wovon man sagen muß: Es wird eine ganz andere Art von Denken geben über die Menschen. Man wird dazu kommen in verhältnismäßig gar nicht zu ferner Zeit. Man wird dazu kommen, den aufwachsenden Menschen ganz anders anzusehen, als man ihn heute geneigt ist anzusehen. Man wird versuchen, wenn ein Kind geboren wird, zu sagen: Was könnte in diesem Kinde zutage treten ? Man hat es mit einem verborgenen Geistwesen zu tun, das in diesem Kinde sich nach und nach entwickelt. Man wird das Kind enträtseln wollen. Man wird zunächst eine Art von Kultus verbinden mit dem Aufwachsen eines Kindes. Das bereitet sich im Osten vor. Es wird selbstverständlich übergreifen nach Europa herein. Die Folge davon wird sein, daß eine ungeheure Hochachtung sich entwickeln wird vor dem, was man Genialität nennt, ein Suchen nach der Genialität. Daß dann alle die pädagogischen Zöpfe ausgestorben sein müssen, wenn ein Zeitalter nach dieser Richtung anrückt, jene pädagogischen Zöpfe, die heute die tonangebenden sind, das ist ja selbstverständlich, nicht wahr? Dieses Zeitalter kommt von jener Seite her. Aber es wird der geringere Teil der Menschheit sein.

Der größere Teil der Menschheit wird seinen Einfluß von Amerika, von dem Westen herüber haben, und der geht einer anderen Entwickelung entgegen. Der geht jener Entwickelung entgegen, die heute sich erst in den idealistischen Spuren, gegenüber dem, was da kommt, in sympathischen Anfängen zeigt. Man kann sagen: Die Gegenwart hat es noch recht gut gegenüber dem, was da kommen wird, wenn die westliche Entwickelung immer mehr und mehr ihre Blüten treibt. Es wird gar nicht lange dauern, wenn man das Jahr 2000 geschrieben haben wird, da wird nicht ein direktes, aber eine Art von Verbot für alles Denken von Amerika ausgehen, ein Gesetz, welches den Zweck haben wird, alles individuelle Denken zu unterdrücken. Auf der einen Seite ist ein Anfang dazu gegeben in dem,

was heute die rein materialistische Medizin macht, wo ja auch nicht mehr die Seele wirken darf, wo nur auf Grundlage des äußeren Experiments der Mensch wie eine Maschine behandelt wird.

Aber, meine lieben Freunde, man darf mich ja nicht mißverstehen, denn auf diesem Gebiet wird ungeheuer viel gesündigt gerade heute noch von sogenannter spiritueller Seite her. Man kann es zum Beispiel erleben, daß Leute zu einem kommen, die sagen: Ja, ich habe nun alles mögliche durchgemacht in der Medizin, ich bin nicht geheilt worden. Da bin ich zu einem gegangen, der hat mich ganz spirituell behandelt. — Nun, was hat denn der mit Ihnen gemacht ? — Er hat mir gesagt, in meinem Leib sind böse Geister, und ich müsse diese bösen Geister zunächst herausbeten. — Ich mußte sagen, weil es ja eigentlich der Grund war, warum der Betreffende zu mir gekommen ist: Und hat Ihnen das geholfen ? — Nein, es ist viel schlechter geworden, viel, viel schlechter. — Nun, sagte ich, ich bitte Sie, nun denken Sie sich einmal, in welche Lage Sie da gebracht worden sind. Glauben Sie nicht, daß Ihnen der Mann etwas Unrichtiges gesagt hat. Es ist ganz richtig, daß in Ihnen irgend welche geistige Wesen waren, die das verursacht haben, was in Ihnen ist. Aber gerade weil Ihnen der Mann etwas Richtiges gesagt hat, etwas, was Sie gerade als etwas Richtiges anerkennen mußten, gerade deshalb mußte Ihnen der Mann so schaden. Denn denken Sie sich einmal: Ein nichtsnutziger Schusterbub richtet eine Maschine zu Grunde. Dieser Schusterbub ist die wirkliche Ursache, daß die Maschine nicht geht. Das ist die reale Ursache. Na, wie werde ich die Maschine wiederum zum Gehen bringen? Nach der Methode Ihres spirituellen Arztes müßte ich nun den Schusterbuben nehmen, ordentlich durchhauen und dann meinen, wenn der jetzt davonläuft, so wird die Sache in Ordnung sein. Selbstverständlich: denn er hat Ihnen ja gesagt, sobald die bösen Geister weg sind, ist Ihre Maschine in Ordnung. Aber gerade so wenig, wie die Maschine dadurch in Ordnung ist, daß der Bub davonläuft, sondern wie die jetzt kuriert werden muß mit ganz anderen Mitteln, die mit dem Maschinellen zusammenhängen, so ist es auch bei Ihnen. Ob Sie die Geister wegbringen oder nicht, das ist schließlich für Ihr Gesundwerden

von so geringer Bedeutung, als wenn ich nun den Schusterbuben durchhaue, so daß er nun davonläuft, oder als ob ich ihn sogar zuschauen lasse. Ich könnte ihn sogar zuschauen lassen — ich würde doch die Maschine wieder in Ordnung bringen.

Also es wird schon von der andern Seite sehr viel gesündigt, denn sehr gut denken kann man heute nicht. Man sagt immer nur aut — aut: entweder — oder, aber darum handelt es sich nicht, sondern darum, daß man die Dinge wirklich einsieht. Man muß eben wissen, daß in allem Materiellen Geistiges ist und daß durch die Erkenntnis des Geistes auch nur allein das Materielle geheilt werden kann. Aber das soll ausgeschaltet werden, das Geistige, von der ganzen Welt. Das ist einer der Anfänge.

Einer der anderen Anfänge: Wir haben ja heute schon Maschinen zum Addieren, Subtrahieren: nicht wahr, das ist sehr bequem, da braucht man nicht mehr zu rechnen. Und so wird man es auch machen mit allem. Das wird nicht lange dauern, ein paar Jahrhunderte — dann ist alles fertig; dann braucht man nicht mehr zu denken, nicht mehr zu überlegen, sondern man schiebt. Zum Beispiel da steht: «330 Ballen Baumwolle Liverpool», so überlegt man heute sich da noch etwas, nicht wahr? Aber dann schiebt man bloß, und die Geschichte ist ausgemacht. Und damit nicht gestört wird das feste Gefüge des sozialen Zusammenhangs der Zukunft, werden Gesetze erlassen werden, auf denen nicht direkt stehen wird: Das Denken ist verboten, aber die die Wirkung haben werden, daß alles individuelle Denken ausgeschaltet wird. Das ist der andere Pol, dem wir entgegen arbeiten. Dagegen ist das Leben heute immerhin nicht gar so unangenehm. Denn wenn man nicht über eine gewisse Grenze hinausgeht, so darf man ja heute noch denken, nicht wahr? Allerdings eine gewisse Grenze überschreiten darf man ja nicht, aber immerhin, innerhalb gewisser Grenzen darf man noch denken. Aber das, was ich geschildert habe, das steckt in der Entwickelung des Westens, und das wird kommen durch die Entwickelung des Westens.

Also in diese ganze Entwickelung muß sich auch die geisteswissenschaftliche Entwickelung hineinstellen. Das muß sie klar und objektiv durchschauen. Sie muß sich klar sein, daß das, was heute

wie ein Paradoxon erscheint, geschehen wird: ungefähr im Jahre 2200 und einigen Jahren wird eine Unterdrückung des Denkens in größtem Maßstabe auf der Welt losgehen, in weitestem Umfange. Und in diese Perspektive hinein muß gearbeitet werden durch Geisteswissenschaft. Es muß soviel gefunden werden — und es wird gefunden werden —, daß ein entsprechendes Gegengewicht gegen diese Tendenzen da sein kann in der Weltenentwickelung.

Also wir sind da, sagte ich, erst im Anfange, und es wird immer mehr und mehr kommen. Gewiß, bis zu einem gewissen Grade aber nur, können heute die sechs höheren Grade eben wirklich durchgearbeitet werden. Nun, statt dessen aber kann man ein ganz anderes Spiel treiben. Statt dessen kann man das Spiel treiben, daß man Leute die drei ersten Grade bloß symbolisch durchmachen läßt. Und es gibt ja heute in der Tat Bruderschaften, in denen nicht mehr gegeben wird als Symbole. Ja, die Leute sind sogar stolz darauf, daß nicht mehr gegeben wird als Symbole. Sie werden aufgenommen in den ersten Grad, befördert in den zweiten Grad, in den dritten Grad, und sie lernen eigentiich nur die Symbolik, ohne irgend etwas Geisteswissenschaftliches in sich aufzunehmen. Und oftmals, wenn man Leute fragt, ob sie denn nun wirklich so zufrieden sind damit, daß sie gewisse Zeremonien und Handgriffe lernen, Zeichen lernen, daß sie sehen, daß gewisse symbolische Handlungen um sie herum im Tempelraum vollbracht werden, dann sagen sogar viele: Ach ja, wir sind gerade damit zufrieden, dann braucht man sich nichts Besonderes bei den Sachen zu denken, dann kann jeder die Auslegung haben, welche er will. — Aber der astralische Leib, er wirkt in den Ätherleib hinein ein wirkliches Wissen, und sie erzeugen also Leute auf diese Weise, die in ihrem Ätherleib ein umfassendes Wissen haben. Und gehen Sie heute die — verzeihen Sie den Ausdruck, aber man muß ja manchmal treffende Ausdrücke gebrauchen — borniertesten Freimaureronkels durch, dann werden Sie sehen, daß diese in ihrem Ätherleib — nicht in ihrem physischen Leib, in ihrem bewußten Wissen, sondern in ihrem Ätherleib — ein ungeheures Wissen haben, besonders wenn sie es bis zum dritten Grad gebracht haben. Ein ungeheures unterbewußtes Wissen haben sie. Dieses Wissen,

das durch Symbolik eben überliefert werden kann, das kann nun verwendet werden in der angedeuteten Weise redlich und unredlich. Und sehen Sie, nun gibt es ja die verschiedensten okkulten Verbindungen, wiederum, ich möchte sagen, in zwei Polen. Der eine Pol, der trägt einen weltlich-christlichen Charakter, der andere Pol trägt einen kirchlich-christlichen Charakter. Ebenso wie man die Freimaurer zu rechnen hat zu dem weltlich-christlichen Charakter der symbolischen Verbrüderungen, hat man die Jesuiten zu rechnen zu der kirchlich-symbolischen Verbindung. Denn der Jesuit wird ebenso durch drei Grade durchgeführt, ebenso mit einer Symbolik versehen, und er lernt gerade durch diese Symbolik jenes ungeheuer Wirksame in seiner Sprache. Daher sind jesuitische Kanzelredner so ungeheuer wirksam, weil sie wissen, wie man eine Rede aufbaut, damit man wirken kann gerade auf die ungebildete Masse, wie man hintereinander gewisse Steigerungen macht. Es ist manchmal so, daß es dem gebildeten Menschen ungemein trivial vorkommt, aber es ist ungeheuer wirksam. So zum Beispiel wollte ich einmal sehen, okkult ansehen die Wirkung, die sich zuträgt bei einer wirksamen Jesuiten-Predigt. Ich hörte mir an — es ist jetzt schon viele Jahre her — den Pater Klinkowström, einen der wirksamsten Jesuiten-Prediger, der vor einer versammelten Menge — selbstverständlich lauter ungebildeten Menschen - die Notwendigkeit der österlichen Beichte darlegen wollte. Nun, sehen Sie, ungefähr in der folgenden Weise legte er die Notwendigkeit der österlichen Beichte dar. Er wollte diesen ungebildeten Menschen klar beweisen, so daß man es wußte — sie verstehen es nicht, aber sie sehen es ein als etwas Selbstverständliches —, daß nicht der Papst durch seine Willkür die österliche Beichte eingesetzt hat, sondern daß sie von höheren, göttlichen Mächten eingesetzt wurde. Und da sagte er:

Meine lieben Christen! Denkt euch einmal, ihr seht eine Kanone. An der Kanone einen Kanonier — der hält die Zündschnur — und denjenigen, der befiehlt. Also es soll geschossen werden. Denkt euch, liebe Christen, es soll geschossen werden! Was geschieht, wenn geschossen werden soll? Erwartungsvoll steht der Kanonier vor seiner Kanone. Auf was wartet er? Auf das: Feuer! Er wartet

auf das Kommando: Feuer! In seiner Seele lebt das. Er weiß ganz genau: Das muß kommen. Und dann wird es kommen: Feuer! Er schießt los. Die Kanone donnert hinaus. Stellt euch diese Dinge, liebe Christen, ganz genau vor. Denkt euch die Kanone als die Vereinigung der Gebräuche über die österliche Beichte. Einmal waren die Gesetze, die Gebote über diese österliche Beichte nicht gegeben. Aber die Kanone stand da. Sie sollten gegeben werden. Der Papst stand da als der Kanonier mit der Zündschnur. Vom Himmel aus, geliebte Christen, kommandierte man: Feuer! Der Papst hörte es — Zündschnur! Die Kanone wurde losgeschossen! Die österliche Beichte war da! - Ist nicht ein vollständiger Vergleich zu ziehen zwischen dieser Kanone und dem Geben des Gebotes über die österliche Beichte? Und da gibt es Ungläubige! Ungläubige gibt es, geliebte Christen, welche behaupten, der Papst habe die österliche Beichte erfunden! Ihr braucht euch nur zu erinnern an die Kanone. Auf das Kommando: Feuer! wird sie losgeschossen. Werdet Ihr jemals sagen, dieser Kanonier, der auf das Kommando «Feuer» die Kanone losschießt, habe das Pulver erfunden ? Ebensowenig, geliebte Christen, könnt ihr sagen, der Papst habe die österliche Beichte erfunden. Nicht der Papst hat die österliche Beichte erfunden, nicht der Kanonier hat das Pulver erfunden!

Alle waren überzeugt. Die ganze Kirche war überzeugt. Das ist ungeheuer geschickt gemacht, ungeheuer geschickt gemacht in Bildern. Diese Leute gehen auch ihre drei Grade durch in ihrer Art. Und nun gibt es auch wiederum von dieser Sorte natürlich die verschiedensten Schattierungen, so wie auf der anderen Seite nicht alle okkulten Verbrüderungen maurerische Verbrüderungen sind. Es gibt ja sogar in Deutschland hier die Iliuminaten und dergleichen.

Aber nun gehen sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite über die drei unteren Grade die drei anderen hinaus. Es sind die drei oberen. Die die höheren Grade haben, und diejenigen, die die Inhaber der besonders hohen Grade sind bei gewissen Bruderschaften — selbstverständlich nicht bei allen, nur bei gewissen Bruderschaften —, die bilden eine Art Gemeinschaft, so daß es zum Beispiel durchaus möglich ist, daß ein Oberer einer Jesuitengemeinde zu

einer solchen Gesellschaft dazugehört. Die Jesuiten bekämpfen selbstverständlich aufs wütendste die freimaurerischen Gemeinden, die freimaurerischen Gemeinden bekämpfen aufs wütendste die Jesuiten-Gemeinden; aber Obere der Freimaurer und Obere der Jesuiten-Gemeinde gehören den höheren Graden einer besonderen Bruderschaft an, bilden einen Staat im Staat, der die anderen umfaßt. Denken Sie sich, was man in der Welt wirken kann, wenn man so wirken kann, daß man auf der einen Seite zum Beispiel der Obere einer freimaurerischen Gemeinde ist, die also als Instrument dient, um zu wirken, und man sich verständigen kann mit dem Oberen einer Jesuiten-Gemeinschaft, um eine einheitliche Handlung vorzunehmen, die nur vorgenommen werden kann, wenn man einen solchen Apparat zur Verfügung hat: Auf der einen Seite läßt man los die Brüder Freimaurer, die durch alle Kanäle irgend etwas furchtbar stark vertreten. Das muß vertreten werden. Wenn man aber nur auf der einen Seite die Stiere losläßt, dann, nicht wahr, wird es nichts. Man muß auf der anderen Seite die Sache bekämpfen lassen mit demselben Feuer, mit demselben Enthusiasmus. Denken Sie, was man wirken kann, wenn man einen solchen Apparat zur Verfügung hat! In einer besonders wirksamen Weise zum Beispiel ist gewirkt worden mit einem solchen Apparat, der zu gleicher Zeit Jesuiten und Freimaurerisches in Bewegung setzte, ohne daß man auf der Jesuitenseite und ohne daß man auf der freimaurerischen Seite etwas wußte davon, in einem gewissen Lande, das ja so etwa im Nordwesten von Europa liegt, zwischen Holland und Frankreich. Da waren besonders starke Wirkungen ausgegangen — nicht in der allerletzten Zeit, aber lange Zeit hindurch —, die sich sowohl der einen wie der anderen Strömung bedienten und die gar mancherlei wirken konnten.

Die Zeit ist vorgerückt. Ich werde heute über acht Tage Sie in noch konkretere Gebiete auf diesem Feld hinunterführen, meine lieben Freunde. Ich mußte heute auch die abstrakteren Seiten der Sache ins Auge fassen. Den ganzen Aufbau mußten wir haben, weil man ja doch dann nur verstehen kann, was in der äußeren Welt auf diesem Gebiete in dieser Weise wirken kann.

FÜNFTER VORTRAG Berlin, 13. April 1916

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