Rudolf steiner gesamtausgabe




НазваниеRudolf steiner gesamtausgabe
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Дата22.10.2012
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die Sache so: Die ausgebreiteten Hände mit dem nach links und rechts gewendeten Blicke sollten ihm die Ehrfurcht vor jeder gleichgearteten Seele beibringen. Und dann kann er sich dasjenige aneignen, was Ehrfurcht vor der eigenen Seele sein kann.

Dieses unmittelbare Wissen davon, daß diese Gebärden, wenn sie richtig sind, nicht etwas Willkürliches sind, sondern daß sie zusammenhängen mit der geistigen Organisation des Menschen, ist seit

dem vierzehnten Jahrhundert den Menschen weitgehend verloren gegangen. Was folgt daraus? Daraus folgt, daß man vorher den Menschen, denen man derartige und auch kompliziertere Gebärden beibrachte, nur das beibrachte, was sie leicht zu innerem Leben erwecken konnten. Nachher, also in unserer fünften nachatlantischen Zeit, handelt es sich darum, daß man solche einfachen Gebärden, wie sie Goethe will, gerade jugendlicheren Personen sehr gut bei bringen könnte, wenn man den entsprechenden Unterricht gibt. Und das will auch Goethe.

Aber die kompliziertere Gebärdensprache in «Zeichen, Griff und Wort», wie sie verbreitet ist innerhalb der geheimen Verbrüderungen, die konnte man seit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahrhundert nicht mehr den Menschen so beibringen, daß sie noch etwas von der Realität spürten. Also es entwickeln sich fort die Verbrüderungen, wie sie in der vierten nachatlantischen Zeit bestanden haben, in denen man in drei aufeinanderfolgenden Graden unter anderen symbolischen Dingen den Leuten Zeichen, Griff und Wort beibrachte. Die setzten sich fort. Aber sie setzten sich fort unter anders gearteten Seelen in den letzten Jahrhunderten. Man brachte auch da _ bleiben wir bei diesem Elementarsten stehen — Zeichen, Griff und Wort bei. Aber die Leute konnten nichts mehr verbinden mit Zeichen, Griff und Wort, weil sie nicht mehr sich vergegenwärtigen konnten das Entsprechende im Ätherleib, das der Seele des Menschen angemessen ist. Es war etwas Äußerliches; denn in dem vierten nachatlantischen Zeitraum war im wesentlichen im Menschen entwickelt die Gemüts- oder Verstandesseele. Jetzt begann die Bewußtseinsseele den Menschen zu ergreifen, das heißt der Mensch begann, auf seinen an das physische Gehirn gebundenen Verstand angewiesen zu sein. Dasjenige, was man nennen kann: Sensitivität des Ätherleibes, trat zurück. Was aber tritt jetzt auf? Ich bitte Sie ganz genau sich anzuhören, was jetzt auftreten muß.

Denken Sie sich also: Es wird fortgesetzt die okkulte Verbrüderung in diesen fünften nachatlantischen Zeitraum herein. Man begründet weiter oder setzt fort okkulte Verbrüderungen, in die man Menschen aufnimmt, die man bekannt macht mit den entsprechenden

Symbolen. Diese Menschen lernen also gewisse Zeichen dadurch, daß sie ihren Leib in eine gewisse Stellung bringen, was ein Zeichen bedeutet. Sie lernen gewisse Griffe dadurch, daß sie die Hand des anderen in einer gewissen Weise ergreifen, die nicht die gewöhnliche ist. Sie lernen gewisse Worte aussprechen, welche eine ganz bestimmte Regsamkeit des Ätherleibes bedeuten, und anderes. Ich will nur dieses Elementare erwähnen. Also Menschen lernen Zeichen, Griff und Wort seit dem fünfzehnten, sechzehnten Jahrhundert. Sie sind jetzt so geartet, daß ihre Bewußtseinsseele wirkt. In die wirkt aber Zeichen, Griff und Wort nicht herein, für die bleibt es ein äußerliches Zeichen, etwas ganz Äußerliches. Aber glauben Sie nun nicht, daß die Dinge, die Zeichen, Griff und Wort sind, wenn sie dem Menschen überliefert werden, nicht wirken auf den Ätherleib des Menschen! Sie wirken. Der Mensch nimmt auf mit Zeichen, Griff und Wort dasjenige, was einmal mit Zeichen, Griff und Wort verbunden ist. Man unterrichtet also eine Anzahl von Menschen in Zeichen, Griff und Wort, bringt ihrem Unterbewußten dadurch etwas bei, was sie nicht im Bewußtsein haben. Das dürfte man selbstverständlich überhaupt nicht machen, was ich jetzt beschrieben habe, sondern man müßte auf dem Wege vorgehen, der geboten ist durch die Entwickelung des Menschen. Und der besteht darin, daß man durch den Verstand des Menschen geht, so daß man also dasjenige, was der Verstand begreifen kann, was der Verstand erlernen kann, zuerst an den Menschen heranbringt: und das ist der Inhalt der Geisteswissenschaft. Dieser Inhalt der Geisteswissenschaft muß zuerst begriffen werden. An den muß man zuerst sich heranmachen. Man muß also zuerst irgendwie drinnenstehen in der geisteswissenschaftlichen Bewegung, und erst nach einiger Zeit, nachdem man in der geisteswissenschaftlichen Bewegung drinnengestanden hat, kann man dazu geführt werden, Zeichen, Griff und Wort zu empfangen. Denn man ist dann vorbereitet, etwas Bekanntes darin zu sehen, was man wenigstens verstanden hat. Das wird in den okkulten Verbrüderungen in der Regel nicht gemacht. In den okkulten Verbrüderungen werden die Leute einfach, ohne vorher irgendwie Geisteswissenschaft oder Okkultismus gelernt zu haben, aufgenommen in den

ersten Grad. Es wird ihnen Zeichen, Griff und Wort und noch manches andere an Symbolen überliefert, und man wirkt, weil sie vorher nicht etwas gelernt haben von der geistigen Welt, auf ihr Unterbewußtes, auf dasjenige, was nicht mit ihrem Bewußtsein zusammenhängt.

Was ist die Folge davon? Die Folge davon ist, daß man, wenn man will, die Leute zu gefügigen Werkzeugen für allerlei Pläne machen kann, ganz selbstverständlich. Denn wenn Sie den Ätherleib bearbeiten, ohne daß der Mensch es weiß, so schalten Sie dieselben Kräfte, die er sonst in seinem Verstände hätte, aus, wenn Sie nicht dann dem Verstände etwas geben, was heute Geisteswissenschaft sein muß. Die schalten Sie aus, und Sie machen dann solche Brüderschaften zu einem Werkzeug für diejenigen, die ihre Pläne, ihre Ziele verfolgen wollen. Sie können dann solche Brüderschaften gleichzeitig irgendwie dazu verwenden, irgendwelche politischen Ziele zu verfolgen, oder Sie können das Dogma aufstellen, «Alcyone» sei der äußere physische Träger des Christus Jesus. Und diejenigen, die also präpariert sind, werden sich zu Instrumenten machen, um das in die Welt hinauszutragen. Man braucht dann nur in der entsprechenden Weise unehrlich und unrechtschaffen zu sein, dann kann man alles mögliche auf diesem Wege erreichen dadurch, daß man sich zunächst Instrumente schafft.

Und nun — nicht wahr, die Dinge folgen ja alle aus der wirklichen Erkenntnis —, wer das weiß, wie sich der fünfte nachatlantische Zeitraum vom vierten nachatlantischen Zeitraum unterscheidet — und das wird bei uns immer wieder und wiederum gesagt —, der weiß eben, warum es so sein muß, daß zuerst Bekanntschaft mit der Geisteswissenschaft vorhanden sein muß und dann erst Einführung in die Symbolik gegeben werden kann. Da, wo es wirklich ehrlich gemeint wird mit einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, wird selbstverständlich dieser Gang eingehalten. Denn derjenige, der auch nur dasjenige kennen gelernt hat, was zum Beispiel in meiner «Theosophie» oder in der «Geheimwissenschaft» steht und versucht hat, es zu begreifen, der wird niemals einen Schaden durch irgendwelche Überlieferung von Symbolen nehmen können.

Nun sehen wir aber gerade in ausgesprochenstem Maße, daß in britischen Ländern der Symbolik gar nicht ein Unterricht vorangeht, der sie in irgendeiner Weise erklären würde. Erklären heißt nicht, daß man sagt: Dieses Symbol bedeutet das, und dieses Symbol bedeutet das, denn da kann man jedem jedes Zeug vormachen, sondern der Unterricht müßte so geartet sein, daß man zunächst aus dem Gang der Erden- und Menschheitsentwickelung die Geheimnisse enthüllt und dann daraus die Symbolik entstehen läßt. So ist das dort nicht, sondern da werden die Symbole einfach geboten, ja, sie werden nicht nur einfach geboten auf diese Weise, sondern es werden sogar die Symbole noch auf andere Weise geboten, indem man in der Literatur auch nicht so vorgeht, wie unsere Geisteswissenschaft zum Beispiel vorgeht, sondern indem man in der Literatur so vorgeht, daß man eigentlich alles symbolisch gibt.

In vieler Beziehung ist schon der ungeheuerste Unfug mit dieser okkulten Literatur geschehen in Frankreich durch Eliphas hev't, dessen Bücher «Dogma und Ritual der höheren Magie», dessen «Schlüssel der höheren Magie» ja gewiß große Wahrheiten neben sehr gefährlichen Irrtümern enthalten, die aber so geartet sind, daß alles nicht mit dem Verstände so zu verfolgen ist, wie bei unserer Geisteswissenschaft, sondern in einer symbolischen Art aufgenommen werden muß. Lesen Sie Eliphas Levi! Jetzt können Sie ihn lesen ganz ohne Gefahr, selbstverständlich, weil Sie genügend vorbereitet sind. Lesen Sie von Eliphas Levi «Dogma und Ritual der höheren Magie», dann werden Sie sehen, wie dort die ganze Methode der Symbolik anders ist. Ja, meine lieben Freunde, wenn man so wie Eliphas Levi in seinem «Dogma und Ritual der höheren Magie» die Menschen unterrichtet in lauter Symbolen, dann hat man sie im Grunde genommen, wenn man das will, zu allem, wozu man sie braucht, wozu man sie brauchen will.

Noch schlimmer ist die Sache nach Eliphas Levi geworden durch den Dr. Encausse, durch Papus, der einen so verheerenden, verhängnisvollen Einfluß gewonnen hat auf den Petersburger Hof, wo er sich immer wieder und wieder aufgehalten hat, um dort seit Jahrzehnten eine sehr verhängnisvolle politische Rolle zu spielen. Da

finden Sie bei Papus — so nennt er sich — geradezu in einer verhängnisvoll gefährlichen Art gewisse okkulte Geheimnisse an die Menschheit herangebracht, so daß diejenigen, die Papus auf sich wirken lassen, mit einem eisernen Fanatismus, sobald sie einmal über die Elemente hinausgekommen sind, festhalten an dem, was ihnen Papus gibt. Es handelt sich nicht darum, Papus zu widerlegen, denn, ich möchte sagen, so paradox es klingt: das ist das Schlimmste, daß sehr viele, sehr richtige Dinge gerade in Papus stehen. Aber die Art und Weise, wie sie den Menschen gegeben werden, das ist das ungeheuer Gefährliche: schwachen Menschen einträufeln dasjenige in die Seele, was in Papus' Büchern steht, das heißt, sie dazu präparieren, ihren Verstand zu einem vollständigen Schläfer zu machen und sie zu allem zu gebrauchen, wozu man sie gebrauchen will. Solche Menschen haben aber in der Gegenwart einen gewissen Einfluß. Wer mehr herumgekommen ist und Gelegenheit hat, solche Dinge zu kennen, der weiß, daß Papus überall einen großen Einfluß hat. Ich konnte diesen Einfluß verfolgen durch Böhmen hindurch, durch Österreich hindurch. In Deutschland ist sein Einfluß ein viel geringerer, aber sein Einfluß war auch bis zu einem gewissen Zeitpunkte durchaus vorhanden. Aber insbesondere hat er einen ungeheuren Einfluß in Rußland. Es wird noch dazu dieser Einfluß von Papus erreicht durch eine gewisse Unehrlichkeit, die mit der ganzen Sache verbunden ist.

Sehen Sie, die Lehre des Jakob Böhme, von der wir ja oftmals gesprochen haben, wurde im achtzehnten Jahrhundert durch den sogenannten «Unbekannten Philosophen», durch Samt-Martin, nach Frankreich verpflanzt, und dort von Saint-Martin in einer sehr, sehr anmutenden Sprache wiedergegeben, so daß, als rückübersetzt wurden ins Deutsche die Werke von Saint-Martin, diese selbstverständlich viel lesbarer waren für die Menschen, als die Werke von Jakob Böhme, die ja bekanntlich sehr schwer lesbar sind.

Für mich knüpft sich noch eine ganz niedliche Erinnerung gerade an die Übersetzung der Werke von Saint-Martin, dem «Unbekannten Philosophen», an. Das Buch von Saint-Martin, «Des erreurs et de la verite», dieses Buch über Irrtum und Wahrheit, das ist sehr

schön ins Deutsche übersetzt von einem liebenswürdigen deutschen Dichter, der allgemein bekannt ist. Und insofern ist mir das gerade nicht uninteressant, denn es wird demnächst eine kleine Broschüre erscheinen von mir: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach», wo ich versuche, gewisse landläufige Irrtümer, die über die Geisteswissenschaft verbreitet sind, einmal kurz und populär zu widerlegen. Der Aufsatz, der in nächster Zeit erscheinen wird, ist hervorgegangen aus einem Vortrage, den ich in der Schweiz gehalten habe, weil dort, in Dornach selber, ein besonders gescheiter evangelischer Pfarrer alles mögliche vorgebracht hat. Doch wollte ich schließlich nicht einzig und allein mit einem solchen Pfarrer mich beschäftigen. Aber dieses, was er vorgebracht hat, das ist gewissermaßen typisch. Die Leute bringen alle möglichen Dinge vor, und da konnte ich, ohne daß ich auf den Pfarrer gerade hingewiesen habe, diese landläufigen Irrtümer über unsere Geisteswissenschaft widerlegen, namentlich auch über den Dornacher Bau. In einem Vortrage, den dieser Pfarrer gehalten hat, hat er auch angeführt ein Gedicht — ich habe schon einmal hier davon gesprochen — von Matthias Claudius. Dieses Gedicht führte er an, offenbar mit starkem Pathos, indem er eine Strophe daraus zitierte, um zu zeigen, wie wenig die Menschen eigentlich von so etwas sprechen sollten, wie einer geheimen Wissenschaft, denn nicht einmal den Mond könnte man begreifen. Man braucht aber in diesem selben Gedicht von Matthias Claudius nur f ortzulesen, so ist es die nächste Strophe, die beweist, daß das genaue Gegenteil von dem, was der Pfarrer da meint, von Matthias Claudius gemeint wird. Aber das Interessante ist, daß der Übersetzer von Saint-Martins Buch «Irrtum und Wahrheit» gerade der Matthias Claudius ist, daß der gerade den Saint-Martin übersetzte. Also, Sie können sich denken aus solchen Dingen, meine lieben Freunde, mit welchen Leuten man es zu tun hat, die einem heute entgegentreten angeblich mit dem, was sie «gute Gründe» nennen, und mit welchen Gründen man es da eigentlich zu tun hat. Das Kapitel, mit welchen Leuten man es zu tun hat heute, das könnte ja in sehr ausführlicher Weise dargestellt werden. Es ist eigentlich bedauerlich, wenn man Zeit verlieren muß, um

diejenigen Menschen, die in einer solchen Art der Sache entgegentreten, zu widerlegen.

Aber da erfährt man ja manchmal noch viel Kurioseres. Eines möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, das mir, seit wir uns das letzte Mal hier gesprochen haben, entgegengetreten ist, weil es doch allzu interessant ist. Sie wissen ja alle — ich habe es ja das letzte Mal auch wiederum erwähnt —, daß ich nicht mitmachen konnte und durfte, aus reinem Wahrheitssinn heraus, dasjenige, was Mrs. Besant, die Präsidentin der Theosophical Society, mit ihren Leuten machte, von denen sie sich einen großen Teil auf die Weise zubereitet hatte, wie ich es Ihnen geschildert habe. Da konnte ich nicht mitgehen. Ich mußte wirklich im Namen der Wahrheit gegen diese frivole Christus-Auffassung mit dem Alcyone-Knaben mich wenden, mußte mich um so mehr dagegen wenden, als ich sah, wie selbst gelehrte Leute überall gerade auf das Büchelchen, das von Alcyone herrühren soll — ich glaube «Zu den Füßen des Meisters» heißt es —, hereingefallen sind und das als eine der größten Erscheinungen der Gegenwart hingestellt haben. Aber es wurde ja in jenen Kreisen sogar etwas davon gefühlt, daß es sich bei mir darum handelte, etwas zu unternehmen im Dienste der Wahrheit. Es wurde gefühlt. Aber man sagte sich auf jener anderen Seite: Ja, Wahrheit, — ist denn Wahrheit wirklich so, daß man Mrs. Besant entgegentreten soll, weil sie flunkert? Und sehen Sie, da finde ich in einer Broschüre von unserem Mitglied E. von Gumppenberg, die auch in der nächsten Zeit erscheinen wird, einen Ausspruch, ein Urteil über mich angeführt. Es ist wörtlich angeführt, dieses Urteil über mich. Frau von Gumppenberg knüpft an einen anderen Ausspruch an, und sagt dann: Es erinnert dieser andere Ausspruch an ein anderes Urteil über Dr. Steiner, das einmal von einer Engländerin abgegeben wurde. Es heißt da: Der gute Dr. Steiner, er ist eben ein Philosoph. Und das mag der Grund sein, warum er es mit der Wahrheit so genau nimmt. Was macht es denn, wenn Frau Besant flunkert ? Flunkern wir denn nicht alle? Sehen Sie, das ist ja doch nicht anders möglich. Wie kämen wir durchs Leben mit strikter Wahrheit? Wir können doch nicht lauter Philosophen sein. Lassen wir also die an-

deren flunkern! Wir machen uns nur böses Blut, wenn wir uns dagegen stellen.

Meine lieben Freunde! Ich kann nicht anders, als denjenigen, der ein Straßenräuber ist, für einen anständigeren Menschen zu halten, als denjenigen, der ein solches Urteil über die Wahrheit fällt. Das ist meine ganz aufrichtige Meinung und Empfindung, wenn auch derjenige, der ein solches Urteil über die Wahrheit fällt, in noch so schönen seidenen Kleidern daherrauscht — und die wird die betreffende Dame schon angehabt haben! Aber man sieht aus solchen Dingen, wie gefährlich es heute ist, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen, insbesondere dann, wenn es sich um Dinge handelt, die der unmittelbar sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind.

Nun sagte ich: eine Heuchelei geschieht auch mit der Verbreitung der Geistesströmung, die von Encausse, von Papus, ausgeht; denn die Leute nennen sich «Martinisten». Man muß den ehrlichen «Unbekannten Philosophen» wahrhaftig in Schutz nehmen mit seinem ehrlichen Wahrheitstreben und mit demjenigen, was er versuchte, im Dienste des achtzehnten Jahrhunderts so zu tun, wie es notwendig war im Dienste des achtzehnten Jahrhunderts, gegen die Inanspruchnahme seines Namens durch die Papusianer von heute.

Nun ist es sehr wichtig, zu wissen, daß auf der Grundlage von drei Graden sich jede okkulte Verbrüderung aufbaut. Im ersten Grade kommen, wenn die Symbolik in der richtigen Weise gebraucht wird, und unter richtig verstehe ich selbstverständlich dasjenige, was ich eben angedeutet habe für unseren fünften nachatlantischen Zeitraum, die Seelen so weit, daß sie ein genaues inneres Erlebnis davon haben, daß es ein Wissen gibt in Unabhängigkeit von dem gewöhnlichen physisch-sinnlichen Wissen. Und sie müssen im ersten Grade eine gewisse Summe von solchem, vom physischen unabhängigen Wissen haben. Ungefähr dasjenige müßte jeder wissen, der im ersten Grade ist heute innerhalb des fünften nachatlantischen Zeitraumes, was ungefähr in meiner «Geheimwissenschaft» steht. Wissen müßte jeder — das heißt innerlich lebendig wissen —, der im zweiten Grade ist, dasjenige, was in dem Buche steht: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Und wer in dem

dritten Grade ist und die bedeutungsvollen Symbole: Zeichen, Griff und Wort schon des dritten Grades empfängt, der weiß, was es heißt: außerhalb seines Leibes leben. — Das wäre die Regel, das wäre dasjenige, was erreicht werden soll.

Das ist tatsächlich bis ins achte, neunte Jahrhundert in gewissen Gegenden Europas innerhalb dieser Grade erreicht worden. So zum Beispiel ist in Irland im hohen Grade bis ins achte, neunte, zehnte Jahrhundert von einzelnen Persönlichkeiten, von einer größeren Anzahl von Persönlichkeiten dies, was ich eben beschrieben habe, voll erreicht worden, aber auch in anderen Gegenden Europas, nur nicht in so großer Anzahl wie gerade bei manchen Menschen in Irland. Man hat nun gewisse Dinge vermieden, einfach aus Unvermögen, das ist: hinzuarbeiten auf eine wirkliche Geisteswissenschaft. Diese wirkliche Geisteswissenschaft tritt uns ja eigentlich aus vielen Gründen erst jetzt entgegen. Aber okkulte Verbrüderungen, wie gesagt, hat es immer gegeben, und sie arbeiten aus der bloßen Symbolik heraus. Besonders bedeutungsvoll ist das, wenn aus der bloßen Symbolik heraus gearbeitet wird in einer Volksgemeinschaft, die in der Tat noch nicht bis zu ihrer vollen Reife gediehen ist. Daher traten diese Ubelstände sogleich auf, als unter der
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