Rudolf steiner gesamtausgabe




НазваниеRudolf steiner gesamtausgabe
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Дата22.10.2012
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Sie — Sie können das ja auch zum Beispiel aus einem sehr bedeutsamen Roman von George Sand ersehen —, in Westeuropa spielen geheime Gesellschaften, von Okkultismus durchdrungene Verbrüderungen, in politischen Bewegungen eine große, wenn auch meistens äußerlich nicht wahrnehmbare und ersichtliche unterirdische Rolle. Ich habe am

Ende des öffentlichen Vortrags am Freitag solche Dinge angedeutet, die gegenwärtig wirken. Da spielen politische Konspirationen und alles mögliche eine bedeutende Rolle. Denn es ist tatsächlich so, wie ich diese Dinge am letzten Freitag im öffentlichen Vortrag erzählt habe, daß man durchaus nachweisen kann in okkulte Untergründe, in okkulte Unterströmungen hineinspielende Konspirationen, und daß mit solchen die Ermordung des Jaures und all die anderen Dinge zusammenhängen, von denen ich am Freitag noch gesprochen habe, auch die Ermordung des Franz Ferdinand und so weiter. In diesen ganzen Kranz von Verschwörungen, von denen die Außenwelt zumeist wenig weiß, der in London beginnt, sich um Westeuropa herüberspinnt, nach Südeuropa geht, in die Balkanländer hineingeht und sich in Petersburg schließt, in diesen ganzen Kranz spielen lauter solche Dinge durchaus hinein. Wie gesagt, diese Dinge müssen als nicht so historisch angesehen werden, wie sonst historische Tatsachen, sondern als Licht verbreitend, Licht auf manches werfend angesehen werden.

Vor allen Dingen ist dies festzuhalten, daß durch eine solche Seele, wie die Blavatsky-Seele ist, hindurchspielen diejenigen Kräfte, die in der geistigen Welt wirken und sich in der physischen Welt nur offenbaren, und daß bei einer solchen Seele ganz besonders zu beobachten ist, wie sie mitgenommen wird von einem, ich möchte sagen, unter dem Niveau, das den physischen Plan bedeutet, Spielenden, wie sie von einer solchen Strömung mitgerissen wird und zeigt, welche Kräfte im historischen Werden drinnen sind. Daß man nach und nach solche Dinge wird kennen lernen müssen, das geht Ihnen ja aus vielen Auseinandersetzungen, die hier gepflogen worden sind, gewiß hervor. Und ich habe heute gerade diese Auseinandersetzungen geben müssen aus dem Grunde, weil aus ihnen ersichtlich werden kann, wieviel man nicht sieht von den Ereignissen der Welt und ihren bestimmenden Ursachen, wenn man nur dasjenige sehen will, was heute gemeiniglich gesehen wird. Es gibt schon ganz andere Strömungen, die unter der Oberfläche der gewöhnlichen Tatsachen sich abspielen, und man ist gewissermaßen blind, wenn man mit seinem Blick nur an der Oberfläche der Tat-

Sachen schweift. Daher wird es immer wieder und wiederum kommen, daß man über gewisse Dinge überrascht und erstaunt sein muß, die sich in einer gewissen Zeit zutragen, und nicht erstaunt und überrascht zu sein brauchte in demselben Grade, wenn man eingehen würde auf die tieferen Strömungen, tieferen Kräfte. Aber leider liegt ja heute die Sache zumeist so, daß auf der einen Seite diejenigen Menschen stehen, die sich nur um den äußeren Verlauf der Tatsachen kümmern und nicht berücksichtigen, daß dieser äußere Verlauf der Tatsachen nicht bloß gerade fortläuft als eine Strömung, sondern immer von unten herauf durch Strudel ergriffen wird, die aus der Tiefe kommen. Und auf der anderen Seite stehen Menschen, die ja allerdings sich interessieren für allerlei Okkultes, aber nur vom sensationellen Standpunkte aus, weil das interessant ist, wenn man da oder dort irgend etwas von Okkultismus hört. Daß dasjenige, was man gerade auf okkultem Felde vernehmen kann, unendlich aufklärend wirken kann, wenn man begreifen will, was in der äußeren Welt geschieht, dafür haben heute die wenigsten Menschen noch ein Organ. Und so gibt es natürlich Leute auf der einen Seite, die das Leben der Blavatsky außerordentlich interessiert, auf der anderen Seite gibt es Leute, die dieses Leben gar nicht interessiert, sondern die sich nur für die äußeren Tatsachen interessieren, die auf dem physischen Plane geschehen. Aber wenn man sie, wie ich heute nur andeuten konnte, im Zusammenhange betrachtet, dann geht einem gewöhnlich manches auf, und das ist wichtig. Und dieser Zeit müssen wir entgegenleben, wo wirklich immer mehr und mehr Menschen da sind, die in die tieferen Strömungen des Daseins hineinblicken wollen, die den guten Willen haben, in diese tieferen Strömungen des Daseins hineinzublicken.

Und gerade innerhalb unserer Bewegung ist es so notwendig, daß diese Dinge ein wenig richtig gesehen werden, auf die ich jetzt hingedeutet habe. Denn sehen Sie, gleich nach Ausbruch des Krieges schimpfte, wie ich schon einmal erwähnt habe — verzeihen Sie den Ausdruck —, die Schülerin der Blavatsky, Mrs. Annie Besant, in ihren englischen Zeitschriften in unerhörter Weise über dasjenige, was innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung lebt. Sie

schimpfte vor allen Dingen in einer solchen Weise, daß man sah: Auf jener Seite konnte man sich gar nicht vorstellen, daß Politik nicht hineinspielt in dasjenige, was bei uns ehrlicher, rein nach Wahrheit suchender Okkultismus sein soll, in den das Politische unmittelbar nicht hineinspielen kann. Nur so weit kann das mit Politik zusammenhängen, als Wahrheit überhaupt in die Politik hineinkommen kann, aber nicht in dem Sinne, wie ich das angedeutet habe bei den westeuropäischen Verbrüderungen. Unsere Bewegung konnte ja im Grunde genommen nur die Aufgabe haben, loszureißen diejenigen, die loszureißen sind, von dem Einfluß dieser westeuropäischen Verbrüderungen. Aber man kann sich auf jener Seite nicht vorstellen, daß irgend etwas geschehen kann ohne in gewissem Sinne unlautere politische Beweggründe. So wurde die Albernheit erzählt, daß ich von 1909 ab eigentlich die Absicht gehabt hätte, Präsident der ganzen Theosophical Society zu werden, nach Indien zu gehen, um von dort aus die politischen Kreise zu beeinflussen und zu wirken. Nun, nicht wahr, auf der einen Seite die Berlin—Bagdad-Bahn, und auf der anderen Seite die Anthroposophie! Ich erzähle Ihnen kein Märchen, es wird da mit der Pose des größten Zornes auseinandergesetzt, wie alle die Beamten aus der dort sehr ausgebreiteten theosophischen Bewegung hätten gewonnen werden sollen, um die Sache allmählich ins politische Fahrwasser hinüberzutragen und für den Pangermanismus zu wirken, das heißt England von Indien aus anzugreifen. Der Satz steht sogar in den Aufsätzen von Mrs. Besant; jetzt wiederholt sie die ganze Sache in einer noch wüsteren Weise.

Diese Dinge zeigen Ihnen auf der einen Seite, wie man dort gar nicht anders denken kann, wie aber allmählich der Sinn für Wahrheit, für reines, bloß objektives, ehrliches Wahrheitsstreben abhanden kommen muß. Solche Dinge, wie Mrs. Besant jetzt sagt, man muß sie objektive Unwahrheiten nennen. Ich bin aber wirklich heute sogar schon genötigt, nicht bei dem Ausdruck «objektive Unwahrheit» zu bleiben; denn angesichts der Ihnen ja so gut bekannten unsinnigen Jesuiten-Beschuldigung braucht ja schon der Ausdruck «objektive Unwahrheit» nicht mehr gebraucht zu werden. Aber es

kommt ja heute das andere dazu: 1909 in Budapest hatte ich Mrs. Besant etwas ganz Bestimmtes zu sagen. Dazumal war es ja auch, daß man mit mir hat einen Kompromiß schließen wollen, denn es ging damals die Absicht, diesen Alcyone zum Träger des Christus zu ernennen. Man wollte mit mir einen Kompromiß schließen, man wollte mich zum wiederverkörperten Johannes ernennen, den Evangelisten, und man würde mich dann dort anerkannt haben. Das würde Dogma geworden sein dort, wenn ich auf alle diese verschiedenen Schwindeleien eingegangen wäre. Aber gegen all das, was dazumal im Werden war, bildete sich dort eine, ich möchte sagen, internationale Gesellschaft der ehrlichen Leute. Unter anderem war auch Mr. Keightley dabei, der früher immer Mrs. Besant auf die wissenschaftlichen Fehler hin ihre Bücher ausgebessert hat. Diese internationale Gesellschaft stellte mir von Indien aus den Antrag, ihr Präsident zu werden. Und ich sagte 1909 in Budapest zu Mrs. Besant: Es ist gar keine Rede davon, daß ich jemals in einer okkulten Bewegung irgend etwas anderes sein will, als im Zusammenhange mit der deutschen Kultur — nur mit der deutschen Kultur, innerhalb Mitteleuropa, — Das sagte ich Mrs. Besant 1909. Trotzdem schrieb sie nach dem Ausbruch des Krieges die Dinge, die ich Ihnen gesagt habe. Da hat man es nicht mehr mit einer objektiven Unwahrheit, sondern mit einer ganz bewußten Lüge zu tun, denn es ist ja ausdrücklich erklärt worden, um was es sich handelt. Also man hat es mit einer ganz bewußten Lüge zu tun, nicht mit einer objektiven Unwahrheit.

Das ist ungefähr der Weg, zu dem man geführt wird, wenn man gerade auf dem Gebiet der geistigen Wahrheiten sich nicht eben auf den reinen Boden der Wahrheit stellt, auf den Boden der ehrlichen unverbrüchlichen Wahrheit. Aber daß diese Dinge sich so entwickeln mußten, ja, sehen Sie, es liegt eigentlich alles schon in der Art und Weise, wie bei uns die durch die Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung in der Gegenwart gegebenen okkultistischen Strömungen hereintreten mußten in die Welt. In dieser Notwendigkeit, in der Erkenntnis dieser Notwendigkeit, liegt eigentlich schon alles. Als Mrs. Besant zuerst in Deutschland er-

schien, um in Hamburg einen Vortrag zu halten, da sprach sie auch in einem kleineren Kreise. Es war der Anfang desjenigen, was von jener Seite hat geschehen sollen. Ich stellte dazumal an Mrs. Besant — und daß ich solche Dinge wohl im Gedächtnisse behalte, das wird vielleicht zuweilen Leuten recht unangenehm sein — die Frage: Wie ist es denn nun mit jenem mächtigen deutschen Okkultismus, der sich besonders um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts so intensiv mit der deutschen Kultur verbindet? — Da antwortete mir Mrs. Besant — wie gesagt, es war bei ihrem allerersten Besuch, an dem ersten Orte in Deutschland —: Ach, was da in Deutschland hervorgetreten ist, das ist ein mißlungener Versuch im Okkultismus, das ist in anderen Formen hervorgetreten. Und weil das mißlungen ist, mußte das in England in die Hand genommen werden, und von England aus nun Europa der Okkultismus gebracht werden. — Sie sehen, wie so in diese Dinge auf Schleichwegen Politik doch wohl hineinspielt, und wie man solche Dinge doch berücksichtigen muß.

Das, was ich Ihnen heute gesagt habe, soll eine Art von Einleitung sein zu Auseinandersetzungen, die allerdings nicht ganz auf demselben Boden stehen sollen, die uns in Wichtiges hineinführen sollen, das geschichtlich ebenso wichtig ist, wie die okkultistische Erkenntnis des einzelnen Menschen, und wovon wir dann das nächste Mal weiter hören werden.

VIERTER VORTRAG

Berlin, 4. April 1916

Zeichen, Griff und Wort

Ich möchte heute etwas mehr auf die okkulten Seiten derjenigen Betrachtungen übergehen, die wir heute vor acht Tagen hier gepflogen haben. Wir haben ja zunächst gesehen, daß doch immerhin bedeutsam für das menschliche Leben angesehen werden können gewisse okkulte Strömungen, die sich in okkulten Verbrüderungen zum Ausdruck bringen. Und Sie werden aus den mehr äußerlich gehaltenen Auseinandersetzungen der letzten Stunde ersehen haben, daß in einer ganz bestimmten Färbung im Westen Europas, namentlich in britischen Ländern, solche okkulten Brüderschaften gebraucht werden, um gewisse äußere Ziele zu erreichen. Es ist nun schon einmal notwendig, daß derjenige, der gewissermaßen nicht blind sich hineinstellt in eine geisteswissenschaftliche Bewegung der Gegenwart, solche Dinge mit einer gewissen Objektivität und mit einem gewissen Überblick über die Sachlage zu beurteilen vermag. Daher möchte ich heute davon sprechen, wie zunächst das Wirken solcher okkulten Brüderschaften überhaupt zu denken ist, damit wir daraus sehen können, in welcher Weise sie für gewisse andere Zwecke und Ziele ein Instrument werden können.

Es ist im Grunde genommen dasjenige, was da als okkulte Brüderschaften gemeint ist, eine recht komplizierte Sache. Aber diese komplizierte Sache baut sich überall auf einem Unterbau auf, der Menschen heranzieht in einer gewissen Richtung dadurch, daß er sie in einer Art von Kultus vereinigt, daß er ihnen gewisse Symbole überliefert, daß er sie gewissermaßen in einem Dienst vereinigt, der in gewissen Symbolen zum Ausdruck kommt. Es gibt heute sehr viele Menschen, welche von vornherein aus einem leichtgeschürzten, man könnte sogar sagen vermeintlichen Wissen und aus einer vermeintlichen höheren Weltanschauung heraus über alle solche Verbrüderungen lachen und höhnen, die auf einer gewissen Symbolik sich

aufbauen. Die Kurzsichtigkeit in allen Dingen dieser Art ist ja in unserer Gegenwart eine außerordentlich große, und man könnte denjenigen, die leichtherzig absprechen über die Bedeutung von gewissen Zeremonien und symbolischen Dingen, die mit gewissen okkulten Brüderschaften verbunden sind, einfach erwidern, daß Leute, die ja schließlich vielleicht auch nicht gerade unbedeutender waren, als sie selbst es sind, diese Monisten und sonstigen sehr aufgeklärten Lacher und Kritiker, Leute wie zum Beispiel Goethe sehr viel gegeben haben auf ein gewisses Darinnengelebthaben in solchen zeremoniellen symbolischen Zusammenhängen. Goethe hat wohl gewußt und es immer wieder und wiederum auf die eine oder andere Art zum Ausdrucke gebracht, was ihm geworden ist dadurch, daß er im Laufe seines Lebens nicht eine Schulerziehung, sondern eine spätere Erziehung hat durchmachen können, welche verbunden war mit gewissen Ordenszusammenhängen, zunächst mit den Ordenszusammenhängen einer Freimaurerei, in der ja Goethe war, die vielleicht weniger bedeutenden Leuten als Goethe auch weniger gegeben hat, die aber Goethe außerordentlich viel hat geben können. Also solche Sachen könnte man immerhin denjenigen einwenden, die aus einem leichtgeschürzten sogenannten monistischen Welterkennen heraus lachen und höhnen über derlei Dinge. Aber man muß, will man das Wesen von diesen Dingen einsehen, tiefer in sie hineinblicken können.

Wir wissen ja, daß wir heute im fünften nachatlantischen Zeitraum leben. Seit dem Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts leben wir im fünften nachatlantischen Zeitraum. Ihm ging der vierte nachatlantische Zeitraum voran, der etwa um das Jahr 747 vor Christi Geburt beginnt, und der im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts eigentlich erst endet. Die Menschen, die heute ganz klug, ganz gescheit sind — und das sind ja, nicht wahr, fast alle! — die denken sich: Nun ja, das wird ja nicht so sehr verschieden sein, was man in der Menschenseele erleben kann seit dem fünfzehnten Jahrhundert, von dem, was die Menschenseele erlebt hat in den vorhergehenden zwei Jahrtausenden bis zurück zum Jahr 747 vor Christi Geburt. Aber an ganz äußeren Dingen kann man schon, wenn man will, zeigen, wie grundverschieden die Entwicklung der Menschenseele in

dem vierten nachatlantischen Zeitraum, also jenem dem unsrigen vorangegangenen nachatlantischen Zeitraum, war. In diesem Zeitraum — natürlich nach und nach recht stark abnehmend gegen das fünfzehnte nachchristliche Jahrhundert zu —, vom achten vorchristlichen Jahrhundert also bis zum vierzehnten nachchristlichen Jahrhundert, da waren die Menschen so geartet, daß ihr Ätherleib viel, viel empfänglicher war, als in der Zeit seit dem vierzehnten Jahrhundert. Er konnte viel mehr das wahrnehmen, was um ihn herum ist. Und wenn der Ätherleib wahrnimmt, dann nimmt er die elementarische Welt wahr, dann nimmt er nicht nur so wahr, wie der physische Leib Mineralien, Pflanzen, Tiere, Wasser, Luft und so weiter wahrnimmt, sondern dann nimmt er wirklich dasjenige wahr, was als elementarisches Wesen in Pflanzen, Tieren, in Mineralien lebt. Wenn die Leute in diesen Jahrhunderten noch sprachen von Kobolden oder gnomenhaften Wesen, die sie in Gebirgen wahrnahmen, die ihnen aus den Klüften der Bergwerke entgegenkamen, so sagt der heutige Mensch: Nun ja, das sind dichterische Darstellungen. — Für die Leute in den angedeuteten Jahrhunderten waren das nicht dichterische Darstellungen. Diese Leute hatten richtig noch etwas gewußt von dem Vorhandensein einer elementarischen Welt hinter der physischen Welt.

Ich möchte, weil das vielleicht nicht alle, die hier sitzen, gehört haben, doch noch einmal aufmerksam darauf machen, daß man heute sogar durch äußerliche Dokumente beweisen kann, daß die Leute bis vor verhältnismäßig recht kurzer Zeit von der elementarischen Welt etwas gewußt haben. Das kann man durch äußerliche Dokumente beweisen, und ich will dieses eine Dokument — ich glaube, ich habe es auch hier schon erwähnt, aber ich will es noch einmal kurz erwähnen — noch einmal vorbringen, das Sie im Hamburger Museum finden können, ein Bild im Hamburger Museum. Das Bild stellt dar den Sündenfall, also jenes Ereignis, von dem wir im Beginne des Alten Testaments lesen. Wenn heute ein Maler den Sündenfall darstellt, nun, nicht wahr, er stellt ihn so dar, daß er den Baum des Paradieses aufgerichtet zeigt, links und rechts Adam und Eva, mehr oder weniger schön, oder meistens ja scheußlich, nicht

wahr, und in der Mitte die Schlange, eine richtige Schlange. Aber ist das in Wirklichkeit realistisch, meine lieben Freunde? Kann man das realistisch nennen? Nicht wahr, wenn auch selbstverständlich Eva noch nicht so gescheit und so klug war, wie die heutigen Frauen es sind, so kann man aber selbst der Eva nicht etwa zumuten, daß sie sich von einer richtigen Schlange, die am Boden kriecht, hat verführen lassen zu dem Ungeheuren, zu dem sie sich hat verführen lassen. Also realistisch kann das nicht gerade sein.

Aber nun wissen wir ja, daß der Verführer Luzifer war. Luzifer ist kein Wesen, das man mit heutigen physischen Augen sehen kann, sondern Luzifer muß man sehen mit dem erweckten ätherischen Leibe, mit dem erweckten Hellsehen. Da stellt er sich dann dar als dasjenige Wesen, das während der Mondenentwickeiung zurückgeblieben ist. Von der Mondenentwickeiung haben wir empfangen im wesentlichen schon unseren physischen Leib, so wie wir ihn heute haben, nur war er dazumal noch nicht physisch sichtbar, sondern ätherisch. Der heutige Mensch ist in bezug auf den Kopf ein Abdruck dessen, was auf dem Monde auch schon als Kopf vorhanden war. Aber der übrige Leib des Menschen, der daran hängt, war noch nicht in der heutigen Gestalt, sondern nur in schlangen förmiger Fortsetzung vorhanden: in dem, was wir heute als Rückenmark haben. So daß, wenn man Luzifer darstellen würde, wie er von der Mondenentwickeiung zurückgeblieben ist, man ihn darstellen müßte mit einem menschlichen Kopf und mit daran hängendem Rückenmark, also in Schlangenform.

Genau so hat der Maler, der Meister Bertram, aus dem dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert, auf dem Bilde in Hamburg den Luzifer dargestellt; nicht so, wie es der heutige Maler macht, sondern so, wie es sein muß im richtigen Sinne der Geisteswissenschaft. Sie können es im Hamburger Museum im Bilde sehen und können sich überzeugen, daß im dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert ein Maler noch so gemalt hat, wie die Dinge wirklich sind. Nur sind die Leute heute zu gescheit dazu, um das Sprechende dieser Dokumente wirklich einsehen zu können. Aber dies ist ein Dokument, welches uns zeigt, daß die Menschen wirklich das Elementarische noch ge-

kannt haben bis in die Zeit herein, von der wir immer sprechen und die sich da erweist als diejenige, in der die Menschen noch in die elementarische Welt haben hineinsehen können.

In dieser Zeit, in dem vierten nachatlantischen Zeitraum, sind nun jene Symbole entstanden, welche die Grundlagen bilden für die betreffenden okkulten Brüderschaften. Die Grundlage bilden gewisse Symbole deshalb, weil sie etwas waren für den vierten nachatlantischen Zeitraum, das man lebendig empfunden hat, das man lebendig an sich selber hat wissen können. Ich will Ihnen in der Goethe-schen Übertragung den Gedanken der Symbolik etwas klarer machen. Goethe versuchte in seiner Art, die Symbolik für das äußere Leben fruchtbar zu machen, indem er sich sagte: Man kann dadurch, daß man in die Symbolik sich einlebt, viel haben, man kann wirklich dadurch seinen inneren Menschen weiterbringen. — Daher will er — Sie können das in seinem «Wilhelm Meister» nachlesen —, daß die Erziehung so geleitet werde, daß der Mensch in einer gewissen Symbolik aufwachse. Goethe will, daß der Mensch etwas lerne, was eigentlich alle Menschen lernen sollten statt manchen Firlefanzes, den sie in den heutigen Gymnasien lernen, er will, daß die Menschen in einer gewissen Symbolik aufwachsen. Er will, daß sie da vor allen Dingen in den Symbolen das lernen, was er nennt die «vier Ehrfurchten» des Menschen: die Ehrfurcht vor der geistigen Welt; die Ehrfurcht vor der physischen Welt; die Ehrfurcht vor jeglicher Seele; und die Ehrfurcht, die dann erst sich aufbauen kann auf diesen drei Ehrfurchten: vor sich selber. Die letztere würden ja die meisten heutigen aufgeklärten Menschen zur Not gleich von Anfang an verstehen, nicht wahr; aber nach Goethes Anschauung soll diese Ehrfurcht, welche diejenige ist, die, ich möchte sagen, mit den größten Gefahren verknüpft ist, erst auf Grundlage der drei anderen Ehrfurchten sich aufbauen.

Wie will Goethe, daß zunächst die Ehrfurcht vor dem Geistigen, das oben ist, in den Menschen sich einwächst ? Er will, daß die Menschen eine gewisse Gebärde lernen: gekreuzte Arme über der Brust, den Blick nach oben gewendet. Und in dieser Stellung sollen sie sich aneignen Ehrfurcht vor dem, was als Geistiges auf den Menschen

Einfluß haben könne. In einem gewissen noch sehr jugendlichen Lebensalter soll man, so meint Goethe, diese Gebärde verbinden mit dem Aneignen des Gefühles, der Ehrfurcht vor dem, was oben ist. Warum hat das eine gewisse Bedeutung ? Das hat eine gewisse Bedeutung, weil, wenn der Mensch wirklich Ehrfurcht vor dem Geistigen empfindet, er gar nicht anders kann, als dieses Gefühl der Ehrfurcht vor dem Geistigen bekunden. Und wenn er selbst seine Hände hinten auf dem Rücken zusammenlegte als physische Hände, es würden die Ätherhände sich vorne kreuzen, und sein Blick, wenn er ihn auch noch so sehr nach abwärts wendete als physischen Bl ick, sein Blick würde sich mit den Ätheraugen nach oben wenden. Dies ist die natürliche Gebärde für Ätheraugen: nach oben gewendet, und für Ätherhände: nach vorne sich kreuzend, die der Ätherleib wirklich ausführt, wenn diese Ehrfurcht vor dem Geistigen vorhanden ist; es geht gar nicht anders, das ist eine Selbstverständlichkeit, daß der Ätherleib diese Gebärde annimmt. Im vierten nachatlantischen Zeitraum wußten dies die Leute, weil sie die Bewegungen des Ätherleibes an sich verspürten, und wenn man ihnen sagte, sie sollten das machen, dann sagte man ihnen nichts anderes, als: sie sollen rege machen in sich ein wenig die physische Gebärde, damit sie fühlen, wahrnehmen können die Äthergebärde.

So wollte Goethe ein Hineinwachsen in das geistige Leben. Er wußte, daß das eine Bedeutung hat: Diejenigen Gebärden, die mit den unmittelbaren Äußerungen der Seele verbunden sind, wirklich durchzuleben. Ebenso wollte er, daß der Mensch, wenn er die Ehrfurcht vor dem Leiblichen, vor allem Irdischen sich aneignet, die Hände hinten am Rücken kreuzt und den Blick nach unten wendet. Das sollte er sich an zweiter Stelle aneignen. Zum dritten verhält sich
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