Rudolf steiner gesamtausgabe




НазваниеRudolf steiner gesamtausgabe
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Дата22.10.2012
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sie Königs-Dramen sind, insbesondere die Rosen-Kriege behandeln — in den Shakespeare-Dramen lebt ja der ganze Kampf der Roten und Weißen Rose —, daß Ende des sechzehnten und im Beginne des siebzehnten Jahrhunderts eine Seele in einem physischen Leib sich im britischen Reich inkarnierte, die äußerlich nicht sehr Bedeutsames wirkte, die aber weithin ungeheuer anregend wirkte. Besonders anregend konnte diese Seele wirken, die sich in einem britischen Leibe inkarnierte, in dem im Grunde genommen wenig britisches Blut war, sondern mehr französisches und schottisches Blut durcheinanderwirkte. Und von dieser Seele ging eigentlich dasjenige aus, was den Anstoß gegeben hat sowohl zu dem äußeren britischen Geistesleben, wie auch zu dem okkulten britischen Geistesleben. Und so bildete

sich, natürlich mit verschiedenen Zwischenvorgängen, die zu schildern jetzt zu weit führen würde, dieses okkulte britische Geistesleben aus. Nun sagte ich Ihnen, dieses Geistesleben setzte fort die okkulten Strömungen des vierten nachatlantischen Zeitraums. Man wußte da ungeheuer viel, weil hier gerade der Boden dafür war, daß die Körper am meisten Bedeutung hatten, daß der Ätherleib am wenigsten tätig war und daß der physische Leib als ein Instrument angesehen wurde für alles geistige Leben. Gerade dadurch gab es da keine Möglichkeit, in diesen okkulten Schulen selber irgendwie viel zu erfahren aus der geistigen Welt. Aber man bewahrte in den okkulten Schulen die alten Traditionen, man bewahrte dasjenige, was überliefert war durch die alten hellseherischen Beobachter und suchte es mit den Begriffen zu durchdringen. Und so entstand da eine okkulte Wissenschaft, welche eigentlich nur arbeitete mit den Erfahrungen der im vierten und sogar noch im dritten nachatlantischen Zeitraum vorhandenen Hellseher, aber dieses, was da durch Hellseher zustande gekommen war, durcharbeitete mit rein physischen Begriffen, mit dem Begriffsmaterial, das man hat, wenn man eben nur durch den physischen Leib denkt. So entstand eine eigentümliche okkulte Wissenschaft, die aber wirklich sich über alle Gebiete des Lebens erstreckt.

Es ist nun interessant, vor allen Dingen gewisse Kapitel dieser okkulten Wissenschaft — wie gesagt, ich erzähle Ihnen lauter Tatsachen — ein wenig näher sich anzusehen. Und das ist dasjenige, was gelehrt wurde über das Schicksal der europäischen Völker. Das bildete sogar ein wesentliches Kapitel in diesen okkulten Schulen. Ich will Ihnen versuchen zu charakterisieren, was da gelehrt wurde über das Schicksal der europäischen Völker. Da wurde gesagt: Es war ein vierter nachatlantischer Zeitraum da — das hatte man aus der Tradition, aus der Überlieferung —, dieser vierte nachatlantische Zeitraum strotzte von geistigem Leben, er hatte hervorgebracht die Begriffswelt für die Menschen, die Anschauungen über soziale Einrichtungen, alles mögliche hatte er hervorgebracht, er strotzte von geistigem Leben. Er hatte sich ausgebildet im Süden Europas auf der griechischen Halbinsel, auf der italischen Halbinsel, strahlte

von da aus. Die Völker Mitteleuropas, Westeuropas, die waren in der Zeit, als die Blüte des vierten nachatlantischen Zeitraumes schon da war, noch in ihrer Kindheit, Säuglinge gewissermaßen der Menschheit in geistiger Beziehung. — Ich erzähle nur, was da gelehrt wird. - Also die mittel- und westeuropäischen Völker waren Säuglinge in bezug auf das geistige Leben, Säuglinge gegenüber dem, was ausstrahlen konnte von den Kulturergebnissen des vierten nachatlantischen Zeitraums. Und nach und nach haben sich diese mittel-und westeuropäischen Völker aus dem Säuglingstum herausgearbeitet, sind gewissermaßen bis in die Zeit der Renaissance und der Reformation herein reifer und reifer geworden; womit nicht eigentlich die deutsche Reformation gemeint war, sondern namentlich die englische Reformation unter Jakob I. und so weiter. Sie haben sich also losgemacht, diese mittel- und westeuropäischen Völker. Und nun entstand ein ganz bestimmtes Dogma, ein Dogma innerhalb dieser okkulten Schulen, an dem mit eiserner Gläubigkeit festgehalten wird. Das ist das Dogma, daß abzulösen hat im fünften nachatlantischen Zeitraum die angelsächsische Kultur die griechischlateinische Kultur. Also das wurde immer wieder und wiederum eingeschärft: Es gibt einen vierten nachatlantischen Zeitraum und einen fünften nachatlantischen Zeitraum. Tonangebend für den vierten nachatlantischen Zeitraum ist das griechisch-lateinische Wesen; tonangebend für den fünften nachatlantischen Zeitraum muß dasjenige sein, was aus der Natur des Angelsachsenrums fließt. Das Angelsachsentum muß geistig regieren den fünften nachatlantischen Zeitraum. Und alles, was gedacht wird in bezug auf Menschheitsentwickelung, müsse so gedacht werden, daß dieses Dogma sich verwirklichen könne. Im Osten Europas ~~ so wird in diesen Schulen gelehrt — leben die Menschen heute in denselben Zuständen, in denen die mittel- und westeuropäischen Völker, die dann gipfeln im Angelsachsentum, lebten, als sie das griechisch-lateinische Wesen von den Römern überliefert erhielten. Im Osten von Europa leben die slawischen Völker heute im Säuglingsalter, und jeder, der zu diesen Schulen gehört, sieht dieses osteuropäische Wesen und Volkstum an als im Säuglingsalter lebend und betrachtet nun dasjenige,

was künftig geschehen muß, so, daß nunmehr diese osteuropäischen Völker sich in einer ähnlichen Weise aus dem Säuglingsalter herausarbeiten müssen zu einem späteren Lebensalter wie früher die mittel-und westeuropäischen. Aber — und das sind sogar die Worte, die man in jenen Schulen sagt, die ich Ihnen jetzt erzählen darf — gerade so, wie die Römer die Amme waren in geistiger Beziehung von West- und Mitteleuropa, so muß das Angelsachsentum die Amme sein für das osteuropäische Wesen, muß dieses osteuropäische Wesen aus dem Säuglingstum in das spätere geistige Lebensalter hinüberführen. Man schildert dann im einzelnen, wie sich, ähnlich wie sich differenziert haben die germanischen Völker in gotische und so weiter, die slawischen Völker sich differenzieren. Man schildert, indem man nun aus dem Vorhandensein der inneren Kräfte auf gewisse Zukunftsgestaltungen hinweist, wie in Rußland selber es ganz besonders bezeugt würde, daß da das Volk im Säuglingsalter lebt, weil eine Anzahl eigentlich sich nur örtlich fühlender Gemeinden, genau wie es einmal in Mittel- und Westeuropa war, da seien, die nur künstlich zusammengehalten werden durch ein Staatsband; wie anderseits ein Volk, das nur durch seine Religion zusammengehalten wird, die Polen, dazu berufen wäre — wie gesagt, ich erzähle nur Tatsachen, wie es wirklich gelehrt wird in diesen Schulen —, zuletzt doch wieder, trotz ihrer Bestrebungen, in das russische Wesen eingefügt zu werden. Man schwört in diesen Schulen geradezu darauf, daß das ganze Polentum wiederum in das russische Wesen eingeschoben werden muß. Man sagt zum Beispiel — wiederum geradezu wörtlich —: Da bildeten sich im Anschluß an das untere Donautal einzelne slawische Völkerschaften in abgeschlossenen Reichen. Über dieses Entstehen von slawischen Völkerschaften in abgeschlossenen Reichen wurde immer wieder, wie es eben beim Lehren geschieht, in diesen Schulen gesagt: Es bildeten sich solche unabhängige slawische Volksstaaten, die werden aber nur dauern bis zum nächsten großen europäischen Kriege, der da kommen wird. — Das heißt, man lehrte überall den großen europäischen Krieg, der alles durcheinander bringen wird. Nur so lange würde die Unabhängigkeit dieser slawischen Staaten dauern. Und man

stellt dann die Sache so dar, als ob sich finden werde ein in der Gegenwart noch nicht Vorhandenes — Sie müssen bedenken, daß ich von Lehren rede, die durch die Jahrhunderte schon gegeben wurden, also von einer vergangenen Gegenwart aus rede ich für die Zukunft, die aber heute die Leute zum Teil eingetreten finden —, und daß in der Zukunft sich finden müsse nach und nach eine ganz andere Art des Zusammenhaltens dieser aus dem Säuglings- in das Jugendalter tretenden osteuropäischen Völker.

Das waren also Lehren, die immer gegeben worden sind, die immer da waren, und Lehren, die nun wirklich nicht bloß als Theorie genommen wurden, sondern so eingebläut wurden denjenigen, die zu den betreffenden Schulen gehört haben, daß zahlreiche Menschen sich fanden, die das äußere Leben so zu gestalten versuchten, so zu beeinflussen versuchten, daß verschiedentlich im Sinne dieser Lehren sich auch wirklich die Tatsachen gestalten. Und da wäre es nun interessant, historische Tatsachen anzuführen, die zeigen würden, wie die Tatsachen im Zusammenhange geschaffen werden. Da haben die Menschen in der Regel überhaupt keinen Begriff davon, daß Dinge, die nebeneinander auftreten, eigentlich zusammen gedacht sind und gewissermaßen zusammen veranstaltet sind. In solchen weitumfassenden und in tonangebende Kreise hinaufreichenden okkulten Verbrüderungen wie diejenigen im Britischen Reiche, von denen ich spreche, und die gewissermaßen ihre Anhängsel haben in ganz Westeuropa und auch in Italien, weiß man, was der eine zu tun hat, was der andere zu tun hat, und wie man wirkt im Leben. Da weiß man ganz gut, was es bedeutet — ich will Ihnen einen konkreten Fall erwähnen —, wenn man auf der einen Seite versucht, daß Staatsmänner Englands nach und nach befreundet werden mit gewissen Staatsmännern eines kleineren Donaustaates, der ein Teil Österreichs ist. Man weiß ganz gut, was das bedeutet, wenn man die Sache so arrangiert, daß da gewissermaßen ein freundschaftliches Verhältnis sich herausbildet und ein gewisser Glaube an die Sicherheit gewisser Einrichtungen im Britischen Reich gerade in einem Donaustaat sich bildet und daß sich so sehr die Ansicht festsetzt, daß das gute Einrichtungen sind. Aber das macht man nicht bloß

für sich; sondern daneben macht man das andere, daß man zum Beispiel ein wirksames Buch erscheinen läßt, in dem man ganz besonders schimpft über das Volk, das in diesem Staate lebt, so daß man das, was man auf der einen Seite hinstellt, auf der anderen Seite aus den Angeln hebt. So etwas hat eine Bedeutung, wenn es methodisch gemacht wird, daß man auf der einen Seite Freundschaft züchtet, die eine gewisse volkstümliche Bedeutung gewinnen kann, auf der anderen Seite die Schattenseiten des betreffenden Volkes besonders hervorhebt. Es ist das, Sie können sagen, ein teuflisches Beginnen; aber ahrimanische Kräfte walten ja in diesem ganzen Vorgehen. So wird es eben gemacht, mit allen diesen Dingen, die scheinbar nebeneinander einhergehen. Ein Mitglied einer solchen Verbrüderung schreibt ein Buch, das wirksam ist, das eine fürchterliche Bewegung hervorruft, und ein anderer bemüht sich, einen Kreis zu gewinnen, in dem er Freundschaft züchtet. So wird zwischen den Zeilen des Lebens gewirkt. Man weiß dann gar nicht, wenn man so ahnungslos das äußere Leben betrachtet, wie die Menschen wirken, die im Zusammenhange mit gerade so gearteten Verbrüderungen sind, die darauf ausgehen, ein gewisses Volkstum, wie in diesem Fall das Britentum, zum herrschenden, zum tonangebenden zu machen.

Nun denken Sie sich einmal hineingestellt in diese okkulte Verbrüderungswirtschaft eine Persönlichkeit wie die Blavatsky. Diejenigen, die solchen okkulten Verbrüderungen angehören und das ganze Wesen des Okkultismus kannten aus den Überlieferungen, wenn auch nicht aus irgend einer fruchtbaren Intuition heraus, erfahren von dem Dasein einer solchen Persönlichkeit. Den ganz gescheiten Leuten, die nichts wissen vom Okkultismus, denen ist natürlich die Blavatsky eine Persönlichkeit, die ein wenig barock, ein wenig abnorm ist. Aber das ist sie nicht für die Okkultisten, wenn es auch Okkultisten der ahrimanischen Linie sind, wie diejenigen, von denen ich gesprochen habe. Das ist sie für solche Leute nicht. Die wissen: Wenn in einer Zeit, die so geartet ist, eine solche Wesenheit auftritt, so tritt sie heraus aus allen Entwickelungskräf-ten des Menschentums; da bedeutet das etwas, daß hineingesetzt

wird in die Zeit eine Persönlichkeit, bei der der Ätherleib in der geschilderten Weise tätig sein kann. Nun ist es aber eine ganz eigentümliche Zeit, in der das alles geschieht und sich abspielt. Sehen Sie, es ist doch eine Zeit, in der man mit dem denkbar größten Mißtrauen denjenigen entgegenkommt, die da über die geistige Welt so einfach sprechen. Leuten, die sich, wie es bei uns aus den oft geschilderten Gründen geschehen soll, einfach hinstellen und über die geistige Welt sprechen, mit Gründen sprechen über die geistige Welt, wird man in unserer Zeit, selbstverständlich wiederum aus vielen angeführten Gründen, nicht so ohne weiteres glauben. Aber so ganz im Sinne des bloßen, ehrlichen Wahrheitsstrebens zu wirken, das lag ja nicht im Interesse der britischen, vom Britentum sich ausbreitenden okkulten Verbrüderungen. In ihrem Sinne lag es vor allen Dingen, daß der Welt mitgeteilt werden sollten geistige Wahrheiten, also Wahrheiten, die aus der geistigen Welt heraus kamen, aber in einer viel handgreiflicheren Weise. Diese Wahrheiten sollten aber günstig sein den Theorien, die dort wie ein Dogma vom herrschenden Angelsachsentum der fünften nachatlantischen Zeit gelehrt wurden.

Und so entstand in den sechziger und Anfang der siebziger Jahre die Tendenz bei diesen okkulten Verbrüderungen des Westens, die Blavatsky dazu zu benützen, vor die Welt geistige Wahrheiten hinzustellen, aber solche geistigen Wahrheiten, von denen man sagen konnte: Seht ihr, die kommen nicht aus einem ganz gewöhnlichen menschlichen Gehirn heraus, sondern die kommen heraus aus einem Ätherleib, und noch dazu als reines Zukunftselement aus einem Ätherleib, der innerhalb derjenigen Volksmasse sich gebildet hat, die ja die Grundlage enthält für die sechste nachatlantische Zeit. Aber weil dieses Zukunftselement eben in der fünften nachatlantischen Zeit sich noch nicht vollständig selber in der Hand hat, so dachte man, kann man nun die ganze Sache so einrichten, daß man die Blavatsky, die ja nicht ein gewöhnliches Medium, sondern das ist, was ich geschildert habe, die aber dennoch durch die gewöhnlichen medialen Kräfte zu beeinflussen ist, so beeinflusse, daß aus ihr nicht dasjenige herauskam, was heraus kam, wenn sie sich ganz

selbst überlassen war, sondern dasjenige, wovon die britischen Verbrüderungen wollen, daß es herauskommen soll. Dann treten nicht sie, diese britischen Verbrüderungen, vor die Welt und kündigen einfach an, das Britentum soll herrschen, sondern dann zeigen sie: Seht ihr, da hat sich eine Persönlichkeit in die Welt hereingestellt, wir tun nichts dazu, aus ihrem eigenen Ätherleibe heraus bringt sie als Imagination eine neue Wissenschaft, ganz neue Begriffe. — Aber diese neuen Begriffe sollten durch den Einfluß, den diese okkulten Verbrüderungen hatten, genau so formuliert werden, so gestaltet werden, daß sie dazu führten, im Angelsachsentum das maßgebende Element der fünften nachatlantischen Zeit zu zeigen. Das entstand nun als Ziel. Und man glaubte nach seinem Dogma, daß man da ganz richtig verfährt; denn man nahm ja eine Russin, eine russische Seele, behandelte sie wie einen Säugling und benahm sich gegen sie wie eine Amme mit dem westeuropäischen Okkultismus. Es lag also der ganze Vorgang ganz im Dogma drinnen. Die Absicht war also, vor die Welt hinzustellen eine neue okkulte Wissenschaft, die aber den westlichen Brüderschaften geeignet erschien für dasjenige, was sie als ihre Spezialzwecke wollten.

Die ganze Sache wäre gut gegangen, wenn die Blavatsky eine bloße Russin gewesen wäre und daher alles mit ihr hätte gemacht werden können, was eventuell mit einer bloßen Russin hätte gemacht werden können. Aber ich sagte, es war ein gewisser Stich von mitteleuropäischem Wesen in ihr. Sie war doch eine viel zu selbständige Natur. Und so kam es denn — ich kann jetzt nicht im einzelnen die verschiedenen Winkelzüge aufzeigen, die man machte, um das zu erreichen, was ich schildere, das würde viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen —, daß sie diese verschiedenen Winkelzüge immer und immer durchkreuzte. Darauf wäre sie nicht eingegangen, denn natürlich kamen ihr alle die Dinge zum Bewußtsein, die in ihrem Ätherleibe lebten, es wäre ihr nicht eingefallen, etwa nach London zu gehen in irgendeine okkulte Brüderschaft und sich da als ein höheres Medium ausbilden zu lassen. Dann wäre ja alles gut gegangen, selbstverständlich im Sinne der okkulten Brüderschaften; aber darauf würde sie nie eingegangen sein.

Nachdem sie nun zunächst eine ganz ordentliche, schöne Leitung gehabt hat und vieles in ihr sich entwickelt hat, was auf sehr gutem Wege war, wurde die ganze Sache so gelenkt, daß sie eintrat in einen Hochgrad-Orden in Paris, der aber abhängig war von britischokkultistischen Strömungen. Da sollte sie präpariert werden, so daß aus ihrer Seele dasjenige herauskam, was man wallte. Aber es war eben der Stich in ihr, von dem ich gesprochen habe. Und dadurch durchkreuzte sie jetzt, nachdem sie schon früher einiges durchkreuzt hatte, die Absichten, die man mit ihr gehabt hat. Sie stellte Bedingungen in diesem Orden, die ganz und gar nicht erfüllt werden können, die unmöglich zu erfüllen sind in einem Orden, der nicht ungeheuren Sturm hervorrufen will. Und die Folge davon war, daß, als kaum die Prozedur begonnen hatte, sie wieder ausgeschlossen worden ist. Aber sie hat immerhin — denn sie hatte doch ihren eigenen Kopf bis zu einem gewissen Grade — einiges Bedeutsame aufgenommen gerade von den mancherlei Geheimnissen, die auf die geschilderte Weise in solchen okkulten Orden eben vorhanden sind.

Dann war in ihr das entstanden, was ich nennen möchte: sie hat Geschmack bekommen an der ganzen Rolle. Sie bekam doch in gewissem Sinne Geschmack daran, nun eine ganz allererste okkulte Rolle zu spielen. Aber sie wollte nicht bloß ein höheres Medium sein, sie wollte die ganze Sache selber dirigieren. Und da kam es dann dazu, daß sie in einen amerikanischen Orden eintrat. Man kann wirklich gar nicht einmal erzählen, was sie alles anstellen wollte und zum Teil schon inauguriert hatte in diesem amerikanischen okkulten Orden. Nun war sie da drinnen, hat unzählige Geheimnisse erfahren, von denen man bis dahin niemand anderem als dem, der hochgraduiert war, Mitteilungen gemacht hat. Man hatte ja eine bestimmte Absicht, und unter dieser Absicht arbeitete man noch immer. Das alles führte dazu, daß sie nun aber auch in ihr Bewußtsein herein eine Unsumme von Wissen bekommen hatte. Denken Sie, jetzt hatte man eine ganz neue Situation geschaffen! Jetzt gab es eine Persönlichkeit, die unendlich viel von dem wußte, was man als das okkulte Wissen geheimer Orden bis dahin ganz gut verwahrt hatte. Das war eine ganz neue Situation. Solch eine Situation war im

Grunde genommen noch nicht da! Nun machte sie aber in Amerika etwas, was unmöglich machte, daß sie in dem Orden drinnen geblieben wäre oder weiter gewirkt hätte, denn sie zeigte sogleich, daß sie dieses okkulte Wissen, das sie erlangt hatte, in einer Weise anwenden wollte, womit sich die Orden nicht einverstanden erklären konnten. Es war ganz unmöglich, sich damit einverstanden zu erklären, es wäre eine heillose Verwirrung herausgekommen, wenn man sie nun hätte weiter machen lassen, wie man im Deutschen sagt.

Da griff man zu einem Mittel, welches wirklich sehr, sehr selten angewendet wird, und das ein sehr bedenkliches Mittel ist. Man griff zu dem Mittel, die gute, arme Blavatsky — die also, wie Sie sehen, ein Spielball der verschiedensten Mächte war, die auf sie einwirkten —, wie man sagt, in okkulte Gefangenschaft zu setzen. Diese okkulte Gefangenschaft besteht darinnen — man erreicht das durch gewisse Mittel zeremonieller Magie —, daß man bewirkt, daß alles dasjenige, was die betreffende Seele entwickelt, nur bis zu einer gewissen Sphäre geht und dann zurückgeworfen wird. So daß der Betreffende alles dasjenige, was er in sich entwickelt, nur selber sieht, daß er es nicht irgendwie der Außenwelt mitzuteilen vermag, daß er es ganz nur in sich selber verarbeiten kann. Es ist das eine sehr eigentümliche Sache, aber es wurde beschlossen, das über Blavatsky zu verhängen, um sie unschädlich zu machen, so daß sie nicht der Welt alle möglichen Dinge mitteile, sondern es sollte ihr ganzes Streben zurückgeworfen werden. Rückwerfen des Strebens oder okkulte Gefangenschaft nennt man das. 1879, auf einer von Okkultisten der verschiedensten Länder besuchten okkultistischen Versammlung wurde dies beschlossen und über die Blavatsky verhängt. Und so lebte jetzt eine größere Anzahl von Jahren Blavatsky wirklich in okkulter Gefangenschaft. Wie die äußeren Lebensverhältnisse in der Zeit liefen, die da nebenher gingen, das ist nicht notwendig zu erzählen, denn derjenige, der die Sache äußerlich betrachtet, braucht ja von alledem, was ich jetzt erzähle, überhaupt gar nichts zu sehen.

Nun handelte es sich für gewisse, jetzt indische Okkultisten, darum, sie aus dieser okkulten Gefangenschaft zu befreien. Und jetzt

beginnt eigentlich die Zeit, wo Blavatsky erst ins indische Fahrwasser gekommen ist. Alles das, was ich Ihnen bisher erzählt habe, ist eigentlich Vorgeschichte der Blavatsky. Die Entwickelung davon, von den Zeiten an, von denen die Leute wissen, die beginnt eigentlich erst jetzt. Und alles, was die Blavatsky schwer Begreifliches an sich hat, hängt mit dem, was ich geschildert habe, zusammen. Gewisse indische Okkultisten, die nun wiederum ihrerseits das Bestreben hatten, sie vor dem britischen Wesen zu retten, wendeten nun ihrerseits gewisse Mittel an, um die okkulte Gefangenschaft aufzulösen. Das wurde sogar durchaus im Einklänge mit denjenigen gemacht, die früher die okkulte Gefangenschaft über die Blavatsky verhängt hatten. Und für die Blavatsky war die Folge davon, daß gewissermaßen in ihre Seele jetzt alles hereinströmte, was nur mit indischem Okkultismus zusammenhing. Ich muß immer wieder betonen: Man hat es wirklich mit sich offenbarenden Geheimnissen der geistigen Welt zu tun, die nur, ich möchte sagen, in allerlei verzerrten Bildern und Karikaturen zum Vorschein kommen, die man aber nicht so ansprechen darf, als ob nicht große okkulte Geheimnisse durch sie zutage treten. Selbstverständlich kamen jetzt mit den ungeheuren Kräften, die in der Blavatsky walteten schon durch ihre Anlagen und dann durch alles das, was sie noch durchgemacht hatte, die indischen okkulten Wahrheiten in einem ganz besonderen Maße durch sie zum Vorschein.

So haben wir in der Blavatsky den konkreten Fall, daß, als eine solche Seele erscheint, wie die Blavatsky es ist, britisches, das Angel-sachsentum zum herrschenden Element machen wollendes Wesen, britischer Okkultismus sich bemüht, mit dem, was er heute noch als einen Säugling ansieht, weiter zu kommen. Alles das geht darauf aus, Mitteleuropa vollständig zu übersehen, Mitteleuropa gar nicht zu beachten, über Mitteleuropa hinwegzugehen. Man redet wirklich so, wie ich es Ihnen erzählt habe, und betrachtet diese Strömung, die ich so oft als die mitteleuropäische Strömung geschildert habe, als etwas, was gewissermaßen bei der ganzen Prozedur überrannt werden muß. So kam ein selbstverständlich in vieler Beziehung anfechtbares okkultes Wissen, das, ich möchte sagen, kaleidoskopartig

in allen möglichen Farben schillerte, durch die Blavatsky zum Vorschein. Und immer wirkten in diesen Okkultismen — wie Sie ja meiner ganzen Schilderung entnehmen können — politische Intentionen, politische Absichten herein. Denn sowohl die Bedingung, die von Blavatsky in Paris gestellt worden war, war in einer politischen Absicht gestellt, wie namentlich auch dasjenige, was sie in Amerika anzetteln wollte, durchaus in politischer Absicht war. Soll ich die beiden Absichten, die Blavatsky in Paris und in Amerika gehabt hat, ein wenig charakterisieren, so muß ich sagen: Es war die innere Opposition ihres Russentums gegen ein Abhängigmachen des Rus-sentums von dem westeuropäischen und amerikanischen Wesen. Daher stellte sie auch in Paris eine Bedingung, die nicht erfüllt werden kann und eine politische Umwälzung oder Umgestaltung in Frankreich bedingt hätte. In Amerika stellte sie die Bedingung nicht selber, sondern da ließ sie sich ein mit jemandem, der gewissermaßen in Politik groß geworden war, mit Oleott, um allerlei politische Machinationen zu bewirken, aber mit Hilfe des überall vorgeschobenen Okkultismus. Alle diese Dinge gingen dahin, das auszuführen, was unter der Leitung des maskierten, ursprünglichen Leiters der Blavatsky — über diese Leiter ist ja überhaupt sehr schwer zu sprechen — anders angestrebt wurde. Der ursprüngliche Leiter wollte durchaus Blavatsky in ein richtiges Fahrwasser bringen; dann aber wurde er abgelöst durch einen Leiter, der alles eher war als dasjenige, was die Blavatsky einen Mahatma nannte, alles andere eher.

Und so entstand durch die verschiedensten Kräfte, die da zusammenwirkten, ein verworrenes, aber unzählige große, gewaltige Wahrheiten enthaltendes Schriftmaterial durch die Blavatsky in ihrer «Secret Doctrine». Es war dieses Schriftenmaterial auch geeignet, in Mitteleuropa sehr viel zu wirken. Nun sehen
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