Frohsinn der rechten Denkungsart oder Die gute Laune ist ein Kriegsartikel, versichert der Minister 43




НазваниеFrohsinn der rechten Denkungsart oder Die gute Laune ist ein Kriegsartikel, versichert der Minister 43
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Дата07.10.2012
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ТипДокументы
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Autor:Hörburger, Christian.

Titel:Nihilisten - Pazifisten - Nestbeschmutzer. Gesichtete Zeit im Spiegel des Kabaretts.

Quelle:Christian Hörburger: Nihilisten - Pazifisten - Nestbeschmutzer. Gesichtete Zeit im Spiegel des Kabaretts. Tübingen 1993. S. 9-299.

Verlag:Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V..

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Christian Hörburger

Nihilisten - Pazifisten - Nestbeschmutzer

Gesichtete Zeit im Spiegel des Kabaretts

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Wir mahlen Pfeffer in die Bonbonnière 3

Auftakt 5

Probleme, Fragen, Widersprüche 5

Das Kabarett - Ein deutscher Totentanz 7

Französische Uraufführung 10

Von Kriegern und Lumpen 13

Unter Diktatur und Hakenkreuz 16

Die Nazis kommen - Kassandra und Spötter auf der Flucht 16

Gepfeffertes aus München und Zürich 24

Witz als Widerstand - Werner Finck provoziert die Nazis in der Katakombe 31

Frohsinn der rechten Denkungsart oder Die gute Laune ist ein Kriegsartikel, versichert der Minister 43

Zum Totlachen oder Theresienstadt, Theresienstadt ist das modernste Ghetto, das die Welt heut hat 59

Trauerarbeit und Restauration 89

Erich Kästner gibt Nachhilfe 89

Demokratisch - aber wie! Spötter wider die Reaktion 97

Das Kabarett, das aus der Kälte kam - Die Insulaner im Kampfanzug 111

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland und die Republik läßt wieder rüsten 122

Der Ball ist rund und die Republik läßt es sich gutgehen 138

Vermauertes und Vernageltes. Die sechziger Jahre zwischen Aufbruch und Protest 147

Eiszeit in den Köpfen 147

Der beredte Außenseiter - Wolfgang Neuss 158

Mit strahlendem Gesicht 164

Unziviles - Agitation und APO-Kabartett 168

Verzweiflung, Wut und Schrecken 187

Der überwachte Staat 187

Nachgerüstet - Wettlauf zwischen Schwertern und Pflugscharen 197

Von Wende zu Wende 207

Neues aus Skandalusien 207

Über die Fremde - Dialektales und Dialektisches 212

Eine Zensur findet statt 222

Ausgelacht - Das Kabarett unter Hammer und Sichel 235

Deutscher Epilog 248

Spreng-Sätze 248

Das Kabarett in der Bildungsarbeit 252

1. Interpretation und Neuformulierung 253

2. Was darf die Satire? 255

3. Schlagzeilen 258

Glossar zum Kabarett 263



Vorwort: Wir mahlen Pfeffer in die Bonbonnière

Jetzt wollen wir was Hübsches singen“ - mit diesem Vers begann in München am 1. Januar 1933 das erste Programm der Pfeffermühle. Erika und Klaus Mann haben zusammen mit Walter Mehring die Texte geschrieben und selber neben Therese Giehse, Magnus Henning oder Sybille Schloß auf den Bretteln gestanden - in der etwas heruntergekommenen Bonbonniere gleich hinter dem Hofbräuhaus. Ich erzähle diese Einzelheiten aber nicht, um mit dem so unglaublich materialreichen Fundus dieses Buches zu wetteifern, sondern weil sie in ihrer beinah niederen, jedenfalls beiläufigen Weise die Quintessenz der so merkwürdigen wie immer noch populären Gattung zum Ausdruck bringen, der sich Christian Hörburger nicht nur auf dem Papier verschrieben hat.

Denn natürlich sind die derart angekündigten Lieder alles andere als hübsch im landläufigen Sinne des Worts, zumindest kommen sie vielen garstig vor, und auch diejenigen, die sich darüber amüsieren, werden sie eher witzig, satirisch, komisch oder karikaturistisch finden. Der Kabarettist, das kleine Wort lehrt es bereits, ist ein Meister der zweideutigen Rede, er meint es selten genau so, wie er es sagt, Scherz, Ironie, Satire sind seine wichtigsten Ausdrucksformen - nicht allein, weil er oftmals Verbot, Verfolgung, Zensur befürchten mußte, sondern auch weil alles Komische aus einer Spannung lebt und Anspielung, Verrätselung, Andeutung zu seinen wichtigsten Merkmalen zählen.

Pfeffermühle, wie bei den meisten Kabaretts, bedeutet ein Programm, der Name spricht und macht die Absicht kenntlich. Der Anekdote nach - und auch sie ist aussageträchtig, über den Einzelfall hinaus - hat Thomas Mann diesen Einfall gehabt. Die Familie saß beim Essen, Erika und Klaus waren voller Ideen für das gemeinsame Projekt, allein, das Kind war noch namenlos, und keine der in Erwägung gezogenen Bezeichnungen hielt stand. Da griff Thomas Mann nach der hölzernen Pfeffermühle und hielt sie den beiden mit den Worten hin: „Wie wär's denn damit?“ -Die Geburt eines Kabaretts am bürgerlichen Mittagstisch, das wirkt wie ein Gleichnis für die Entstehung dieses Zwitterwesens aus Theater und Künstlerkneipe, Satire und Gassenhauer, Unterhaltung und Belehrung: das Kabarett ist eine bürgerliche Erfindung, und die Pariser Boheme, aus deren Schoß es Ende des 19. Jahrhunderts wuchs, rekrutierte sich aus den Kindern und Enkeln des Standes, der das Hauptziel aller satirischen Angriffe und Sottisen, Witze und Spottlieder der Kleinkunst-Bühnen war und bis heute ist. Auch daß sich Die Pfeffermühle gleichsam im Rücken des Hofbräuhauses etablierte, hat in diesem Zusammenhang signifikante Bedeutung, die noch stärker auffällt, wenn man bedenkt, daß es sich nicht nur als Kneiport bierseliger Spießer, sondern vor allem als Versammlungsstätte nationalsozialistischer Parteigänger seinen Namen gemacht hat. Im Hinterhof, am Rande und ganz unspektakulär sammelte sich der Widerstand und sandte Pfeil für Pfeil in die andere, die Gegenrichtung. Denn wenn es einen gemeinsamen Nenner aller Kabaretts gibt, so ist es die Opposition, womit man aber nicht eine politische Partei verbinden darf. Der Kabarettist ist kein Politiker, und wenn er auch der politischen Opposition naturgemäß zuneigt, wird man ihn nicht als Parteigänger nehmen dürfen. Ein Kabarett ohne Distanz auch zur eigenen Wunschfraktion wird zum politischen Propaganda-Apparat und verliert seine wichtigste Funktion: wachsam nach allen Seiten zu sein, Unmoral überall anzuprangern und seinen Witz an Verirrungen aller Art und Richtung zu schärfen. Wir haben es auch hier mit einer moralischen Anstalt zu tun, die selbst dort, wo sie politisch wird, unterwegs niemals die Moral verliert. Ja, das Kabarett ist ein später Abkömmling der Aufklärung, und wenn es die Fehler der anderen Seite aufdeckt, heißt das nicht, daß es eben diejenigen der eigenen verschweigt. Insofern ist es auch eine höchst streitbare, ja kämpferische Kunst, (man denke nur noch einmal an Die Pfeffermühle), die zwar den Frieden will, aber Kirchhofsfrieden haßt.

So kommt es auch, daß Kabarett und Kabarettisten von Parteigängern, die nichts anderes sind, immer mit Mißtrauen betrachtet werden, ob sie links oder rechts stehen. Überdies gibt es noch einen weiteren Stein des Anstoßes: wenn der Kabarettist verkündet, er wolle etwas Hübsches singen, ist das ja nicht bloß ironisch gemeint. Unterhaltung gehört schon zum Kabarett dazu, Caféhaus- und Kneipenatmosphäre sind nicht nur sein äußerlicher Rahmen, sondern werden durch das Ideal geselliger Gemeinsamkeit verbunden. Didaktisches Theater, Lehrstücke im kleinen, darf man von den Sketchen und Szenen hier glücklicherweise nicht erwarten, es wird gelacht, der Humor bricht immer wieder die Speerspitzen der Feindseligkeit, und die komische Aufklärung soll das Publikum vergnügen - welch ein Greuel für Funktionärsschädel jeglicher Couleur. Ein Greuel - oder zumindest ein verdächtiger Fremdkörper ist das Kabarett wohl auch aus diesem Grunde für die Wissenschaft geblieben. Sich ernst über den Humor zu äußern, birgt immer die Gefahr, selber komisch zu wirken, und das fürchten die Gelehrten aller Zeiten und Länder seit jeher. Außerdem ist das Kabarett eine Mixtur aus allen möglichen kleinen Formen der literarischen und theatralischen Künste, dem Jahrmarkt verdächtig nahe, begrifflich schwer zu fassen, noch dazu der Tagesaktualität verpflichtet und daher offenbar von zweifelhaftem Kunstanspruch. Christian Hörburger hat in diesem Buche eine Methode bemüht, die seinem Gegenstand selber nicht fremd ist: eine Art „Nummernprogramm“, in dem das Beispiel und die Analyse, Text und Beschreibung einander abwechseln und sich gegenseitig erhellen. Der Zeitraum: die neuere deutsche Geschichte von 1933 bis zur Gegenwart, ist weit gespannt und ausladend genug, um alle Formen und Mittel des Kabaretts zur Darstellung zu bringen, uns aber auch nicht fern, so daß umständliche historische Exkurse, die detaillierte Einbettung ins Zeitgeschehen - Feinde jeder kabarettistischen Wirkung - meist entfallen können. Zum dritten Male also: „Jetzt wollen wir was Hübsches singen“ - diesmal als „Vorhang auf“ fürs Buch, seinen Autor und alle seine Proben aufs Exempel.

Gert Ueding


Auftakt

Probleme, Fragen, Widersprüche

Die Anregungen zu diesem Buch verdankt der Autor vor allem der Tätigkeit in der Erwachsenenbildung an der Universität und im Bereich von Zivildienstschulen. Hier konnte das Medium Kabarett in seinen vielfältigen Erscheinungsformen in Seminaren und Unterrichtseinheiten erprobt und didaktisch umgesetzt werden. Es zeigte sich sehr rasch, daß der Facettenreichtum der Gattung in hervorragender Weise geeignet ist, um die verschiedenen Nahtstellen zwischen Literatur und Politik, Kultur, Subkultur und satirisch gespiegelter Zeitgeschichte exemplarisch herauszuarbeiten. Anders als das Geschichtsbuch, das dem „objektiven Rückblick“ verpflichtet ist, setzt das Kabarett in Lied, Wort und Ton auf die subjektive Ablichtung von Ereignissen. Es geht nicht um den allgemeingültigen Standpunkt, sondern um die Bewertung der Geschichte durch das artistische Individuum, das seine Zeit schrankenlos „persönlich“ betrachtet und beurteilt.

Es ist ein Anliegen dieses Überblicks, der Verbindung von Kabarett und Zeitgeschichte in Deutschland besonders nachzuspüren. Die Auseinandersetzung der Künstler mit dem Staatsapparat in Diktatur und Demokratie, der Kampf um eine befriedete und ihrem Wesen nach antimilitaristische Republik soll hier an einzelnen ausgewählten Beispielen herausgearbeitet werden. Der grenzüberschreitende Blick über die engere Gattung hinaus auf Schlager, Protestlied oder auch Untergrundlyrik kann von Fall zu Fall den Blick für kulturelle Verschränkungen vertiefen. Auch im Schlager manifestiert sich unter Umständen der populäre Geist der Zeit. Abstecher in dieses abseits liegende Terrain scheinen ebenso lohnend wie kleine Seitenblicke auf das Filmgeschehen.

Die Literatur über das europäische Kabarett ist umfangreich, wenngleich im Einzelfall nur noch schwer zugänglich. Kleine Auflagen, gelegentlich von exotischen Kleinverlagen publiziert, erschweren die Beschäftigung mit der Geschichte des Kabaretts. Das beigefügte Literaturverzeichnis ermöglicht hier einen ersten fundierten Einstieg in das Thema. Viele Publikationen leiden darunter, daß entweder nur auf die Überlieferung der Texte geachtet wurde -Anthologien -, oder daß sie andererseits nur die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge des Kabaretts - mit ganz wenigen Textbeispielen - berücksichtigen. Beide Vorgehensweisen sind legitim, haben aber auch erhebliche Schwächen.

Die vorliegende Beschreibung bemüht sich um einen Kompromiß, wobei dem originalen Text neben seiner Einordnung das Augenmerk gilt. Nach Möglichkeit sind die Texte zum Kabarett durch historische Archivaufnahmen aus Funk, Schallplattenindustrie und Fernsehen abgesichert. Dabei sind den Möglichkeiten eines freien Autors - das bleibt eingeräumt - freilich Grenzen gesetzt. Die Entwicklung des deutschsprachigen Kabaretts bis 1933 wird in diesem Buch nur gestreift. Auf diesen Aspekt mußte hier verzichtet werden, die einschlägige Literatur ist gleichwohl ausgewiesen. Das Wechselspiel zwischen der Zeitgeschichte und dem Kabarett der Zeit wird besonders hervorgehoben. Das Buch wertet die Texte durchaus persönlich und nicht immer akademisch. Das hat den Vorteil der methodischen Transparenz. Das leidenschaftliche Wort der Kabarettisten für gewaltfreies Handeln und einen deutschen Friedensbeitrag in der Welt - ohne Waffen -, das hat das Arrangement der Thesen, Dokumente und Zitate aus dem Kabarett und über dieses vielfach bestimmt. Ausflüge in gegenteilige Weltbeschreibungen, zumal unter den Bedingungen des Faschismus und des Kalten Krieges, sind notwendig, um das kämpferisch-demokratische Kabarett in seiner Funktion präziser ausleuchten zu können.

Hinweise für Pädagogen am Schluß des Buches zur Arbeit mit dem Kabarett verstehen sich als Anregungen, die weiter zu ergänzen sind.


Das Kabarett - Ein deutscher Totentanz

Das Kabarett ist eine theatralische Kunst, die je nach politischer Gesinnung und Couleur, auf geziemende Provokation angelegt ist. Auf den Zuschauer wirkt es abstoßend oder anziehend, womöglich unterhaltlich. Es kommt jeweils auf die aktuelle Gemütslage des Betrachters an. Ob dieser sich auf das Bühnengeschehen einläßt oder sich ihm verschließt, das hat oft, beileibe nicht immer, mit dem Partei- oder dem Gesangbuch zu tun.

Das Kabarett verfolgt als Gattung keine Doktrin. Es ist gemütvoll, eifernd, ätzend, auch langweilig, wenn die Sprache versagt. Es gibt sich oft parteilich und mit Bedacht weltverbessernd. Dort, wo bestallte oder unbestallte Zensoren mit der Schere Hand anlegen, lohnt es sich allemal zuzuhören. Der Griff nach dem freien Wort, unter den Bedingungen der Diktatur üblich, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk keineswegs abgeschafft und durch den Begriff „Ausgewogenheit“ entschuldigt, hat unter allen Regierungsformen Tradition. Das obrigkeitsstaatliche Verbot der spöttelnden oder kritischen Nachricht, der Eingriff in den literarischen und künstlerischen Prozeß, in letzter Konsequenz Berufsverbot oder gar Inhaftierung in Gefängnis oder Konzentrationslager, gehören zum extremsten Risiko für die Künstler. Die Nationalsozialisten haben die Kritiker der braunen Herrschaft und die Herolde der Freiheit unversöhnlich verfolgt, geschunden und eingepfercht. Dort, im Angesicht der Todesfabriken, hatten die inhaftierten Kabarettisten, Komiker, Coupletsänger und Varietékünstler ihre Peiniger und Schlächter zu unterhalten. Die Gedemütigten haben es getan, weil der makabre Totentanz zumindest für die Dauer des Vortrags vor den Nachstellungen der Wachmannschaften schützte. Überlebende Kabarettisten aus Theresienstadt oder Auschwitz berichten übereinstimmend von dieser allerletzten Möglichkeit, sich der Identität und eigenen Menschenwürde durch das Spiel auf der Lagerbühne zu versichern. Das Kabarett in Ketten zeigt in einem verheerenden Umkehrschluß den Zusammenstoß von blutgewordener Politik und entlarvender Menschlichkeit. Die Henker besahen sich genüßlich den Spiegel, den die Sänger im grausigen End-Spiel ihnen vorhielten.

Die Wirkung gefesselter Diseusen, Kabarettisten und satirischer Gedanken ist im 20. Jahrhundert niemals fataler unter Beweis gestellt worden. Der Zug der Komödianten hat unter den Bedingungen des Schafotts die brutalste Verschränkung von Gewaltpolitik und Literatur durchlitten. Das aufklärende, liberale und freie Wort, das unterhaltliche Lied, das Maskenspiel des Clowns, sie kulminieren hier in einem deutschen Extrem. Jede Auseinandersetzung mit dem Genre hat daran zu erinnern. Die Abrechnung heutiger Kabarettisten mit Mißständen in Politik und Gesellschaft verkümmerte ohne diesen notwendigen Reflex zur folgenlosen Unterhaltungskunst saturierter Spaßvögel im Windschatten des Fernsehens. Die Verschränkung von Krieg und Humanitas, Gewalt und oppositioneller Arbeit für Frieden und Menschenwürde ist in der kurzen Geschichte des Kabarettes sinnenfällig. Stellvertretend für unbekannt gebliebene Literaten, Alleinunterhalter, Komiker, Zauberkünstler und Kabarettisten, die über Stationen wie Theresienstadt oder Westerbork in die Gaskammern kamen, hier die Namen einiger Opfer:

Kurt Gerron (1897-1944). Im Künstler-Kaffee 1919, dem Küka in Berlin, für das Kabarett entdeckt. 1928 spielt er bei der Uraufführung der „Dreigroschenoper“ Tiger Brown, 1930 im Film „Der blaue Engel“ den Direktor der Variégruppe. 1933 Emigration nach den Niederlanden. Inhaftierung und Deportation in die Lager Westerbork und Theresienstadt. Hier gründet er das Lagerkabarett Das Karussell und trägt hinter Stacheldraht und Wachtürmen Songs von Brecht und Weill vor. Im September 1944 muß er die Regie in dem Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ übernehmen. Unmittelbar nach Abschluß der Dreharbeiten wird Gerron nach Auschwitz verschleppt und im selben Jahr ermordet.

PaulMorgan (1886-1938). Schauspieler, Komiker, Kabarettist und Buchautor. 1886 in Wien geboren. Tritt 1914 im Wiener Simplicissimus auf. Er gründet 1924 mit Kurt Robitschek und Max Hansen das Berliner Kabarett der Komiker. Im März 1938 verhaften ihn die Nazis in Österreich: KZ Dachau, KZ Buchenwald. Im Dezember stirbt Morgan an Entkräftung im Lager.

Egon Friedell (1878-1938). Schriftsteller, Kabarettist und Theaterkritiker. Seit 1924 spielt er abwechselnd in Berlin und Wien auf den Reinhardt-Bühnen. Leitet das Cabaret Fledermaus in Wien und schreibt seine „Kulturgeschichte der Neuzeit“. Beim Eintreffen der Gestapo springt er in Wien aus dem Fenster.

Erich Mühsam (1878-1934). Schriftsteller, Politiker, Kabarettautor. Die Chansons „Der Revoluzzer“, „Lumpenlied“, „Kriegslied“ und „Die drei Gesellen“ stammen aus seiner Feder. 1919 ist er Mitglied des Zentralrats der Bayerischen Räterepublik. Anschließend sechs Jahre in Haft. Nach dem Reichstagsbrand erneute Inhaftierung. Er stirbt im Konzentrationslager Oranienburg nach Folter. Die Nazis verbreiten die Falschmeldung, Erich Mühsam habe sich erhängt.

Manfred Greiffenhagen (1896-1945). Schriftsteller und Kabarettautor. In Theresienstadt schreibt er für das Lager-Kabarett. Er wird 1944 nach Auschwitz deportiert und stirbt im Konzentrationslager Dachau.

Dora Gerson (1899-1943). Die Schauspielerin tritt in Werner Fincks Berliner Katakombe auf. Sie emigriert nach Holland und wird bei einem Fluchtversuch in die Schweiz festgenommen. Sie stirbt in Auschwitz.

Willy Rosen (1894-1944). Texter, Kabarettist und Schlagersänger. In den Niederlanden gründet er das Emigranten-Kabarett Theater der Prominenten. 1942 werden die meisten Mitglieder des Ensembles verhaftet und in das „zentrale Flüchtlingslager“ Westerbork eingepfercht. In der alten Garnisonsanlage kommt es zur Gründung der Bühne Lager Westerbork, das Gesangsduo Johnny & Jones singt Lieder, der Lagerkommandant Konrad Gemmeker will sich am Abend amüsieren. Zusammen mit Max Ehrlich leitet Rosen das Kabarett. Beide werden 1944 in Auschwitz ermordet.

Jura Soyfer (1912-1939). Dramatiker und Kabarettist. Er gehört zu den originellsten und zugleich bedeutensten Autoren des deutschsprachigen Kabaretts. Er schließt sich 1933 der illegalen kommunistischen Partei Österreichs an. Horst Jarka, der Herausgeber des Gesamtwerkes, kommentiert: „In Soyfers Stücken, ihrem Wesen nach >Hetz und Witz mit tieferer Bedeutung<, wird Brecht - Brecht der dreißiger Jahre - von Raimund und Nestroy überspielt. Andererseits beweisen gerade Soyfers Stücke, in denen sich Anklänge an Nestroy und Raimund neben solchen an Brecht finden, die Verwandtschaft von Alt-Wiener Volkstheater und Brechts Dramatik.“1 Nach dem Einmarsch der Deutschen wird er auf der Flucht verhaftet und ins KZ Dachau eingesperrt. Von ihm stammt das berühmte „Dachau-Lied“. Im Alter von 26 Jahren stirbt Jura Soyfer in Buchenwald an Typhus.

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