Jahrestage – von der Varusschlacht bis zur Agenda 2010




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НазваниеJahrestage – von der Varusschlacht bis zur Agenda 2010
Дата07.10.2012
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Goethe-Vorlesungen (Wintersemester 2009/2010)

Jahrestage – von der Varusschlacht bis zur Agenda 2010

Dehnt sich dank einer „Memoria-Kultur“ die Gegenwart auf Kosten der Zukunft aus? Oder kann ein Jahrestag als wiederholbares Datum zur kritischen Revision einer vergessenen Vergangenheit betrachtet werden? Die identitätsstiftende Kraft von Gedenktagen, die immer auch mit Gründungsmythen, mit Momenten kultureller Selbstvergewisserung und mit der versuchten Wiederbelebung einer ursprünglichen Erfahrung verbunden sind, ist nicht zu leugnen – egal, ob es nun um die Varusschlacht oder die Agenda 2010 geht. In der Inszenierung periodischer Wiederkehr sind erinnerte Vergangenheit und aktuelle politisch-sozial formierte Erinnerungsinteressen, geschichtliches Ereignis und Mythenbildung unauflösbar miteinander verschränkt.

Die Vorlesungsreihe widmet sich einigen markanten Jahrestagen in den Jubiläenjahren 2009 und 2010 aus der Doppelperspektive der Kultur- und Literaturwissenschaften. Die konkreten Ereignisse der ausgewählten Jahrestage werden noch einmal in Erinnerung gerufen – verbunden mit der Frage, weshalb und unter welchen Bedingungen man dieser gedenkt. Was bedeuten uns Jahrestage angesichts einer immer krisenhafter erscheinenden Zukunft, die uns statt Fortschrittsutopien eher Vorsorgekonzepte und Bestandsaufnahmen des Bewahrenswerten abzufordern scheint? Für die Reihe, die an die überaus erfolgreichen Goethe-Vorlesungen des Wintersemesters 2009/09 anknüpft, konnten die beiden Literaturwissenschaftler, Prof. Susanne Komfort-Hein und Prof. Heinz Drügh, namhafte KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen gewinnen, die gemeinsam mit den Frankfurter BürgerInnen und einem akademischen Auditorium über diese Fragen nachdenken werden.


22. Oktober 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Dr. Ulrike Landfester (St. Gallen)

Bettine von Arnim – 150. Todestag

Zum 28sten August wird nichts fertig – Bettine von Arnims Projekt Goethe


Zum 28. August 1849, dem 100.Geburtstag Goethes, plante Bettine von Arnim die Veröffentlichung eines Buchs, das eine Folgepublikation zu ihrem 1835 erschienenen Erfolgserstling Goethe´s Briefwechsel mit einem Kinde werden und ihre lebenslange Auseinandersetzung mit Goethe in einen dem Anlass angemessen rauschenden Schlussakkord überführen sollte. Seit sie als junges Mädchen auf dem Dachboden des Frankfurter Elternhauses die Liebesbriefe Goethes an ihre Mutter Maximiliane gefunden und abgeschrieben hatte, behielt Goethe in ihrer Vorstellungskraft einen festen Platz. Nach der Lektüre von Wilhelm Meisters Lehrjahre war die Figur der Mignon für sie zum Medium identifikatorischer Rollenspiele geworden. Ihre erste Begegnung mit Goethe 1808 begründete einen Briefwechsel, in dem sie jahrzehntelang um die Anerkennung des alternden Olympiers rang, unter anderem durch den Entwurf eines Goethe-Denkmals, dessen Ausführung mit der Publikation von 1849 hätte finanziert werden sollen.


Ulrike Landfester, Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Hochschule St. Gallen, erhielt 2002 den Forschungspreis der Internationalen Bettina-von-Arnim-Gesellschaft (Berlin).


29. Oktober 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Günter Oesterle (Gießen)

Friedrich Schiller – 250. Geburtstag

Apotheose oder Polemik. Der umstrittene Schiller


Die Schiller-Rezeption ist schon im 19. Jahrhundert geprägt von einem eigentümlichen Gegeneinander von Verehrung und Verfemung, Zuspruch und Absage. Ambivalent sind auch noch die Reaktionen Hugo von Hofmannsthals, Rudolf Borchardts oder Thomas Manns, wenn die Rede auf Schiller kommt. Mit einem genaueren Blick auf Schillers unvollendet gebliebene Werke lässt sich die eigenwillig anmutende Kombination von einerseits positiver und negativer Bewertung in neuem Licht reflektieren. In Schillers Werken ist mit dieser Perspektive ein Potenzial freizulegen, das die bislang erfolgte Rezeption zu guten Teilen in Frage zu stellen vermag – ganz im Sinne von Friedrich Schlegels Bestimmung eines Klassikers als eines Autors, der es – zumal in seinem Jubiläumsjahr – verdient, dass man „immer von neuem“ zu ihm zurückkehrt, nicht um die Zeit zu töten, „[...] sondern um sich den Eindruck durch diese Wiederholung schärfer zu bestimmen“.


Günter Oesterle, Professor (em.) für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Gießen, ist einer der international renommiertesten Kenner der deutschsprachigen Literatur und Kultur um 1800.


5. November 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Aleida Assmann (Konstanz)

Das Phänomen der Jahrestage aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Wiedervorlage. Vom Sinn und Unsinn der Gedenktage


Erinnerung beruht auf Zurückholung (retrieval) und Wiederholung (repetition). Durch diese Anforderungen des Gedächtnisses wird der lineare Verlauf der Geschichte umgebogen und periodisch zyklisiert. Dabei entsteht nicht die ewige Wiederkehr des Gleichen, wohl aber die ewige Wiederkehr des immer wieder Anderen. Durch Jahrestage und Jahresjahre wird die Vergangenheit in jeweils anderen Ausschnitten recycelt und wieder in die Gegenwart eingefädelt, wobei die herbeizitierte Vergangenheit als Wiederverkörperung, als Wiederbelebung, als gemeinsamer Aufmerksamkeitsfokus, als Gegenimpuls oder als leere Routine erfolgen kann. Es lohnt daher, aus der Perspektive der Dynamik des kulturellen Gedächtnisses genauer über die Geschichte, Bedeutung und Funktion solcher Rückgriffe und Wiederholungen nachzudenken und dabei auch auf die Frage nach Sinn oder Unsinn gegenwärtiger Gedenkpraxis einzugehen.


Aleida Assmann, Professorin für Anglistik an der Universität Konstanz, ist Expertin für Fragen des kulturellen Gedächtnisses, des kollektiven wie individuellen Erinnerns und Vergessens und ihrer Medien.


12. November 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Jörg Döring (Siegen)

60 Jahre Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Mit Günter Eich im „Viehwagen“.

Die Träume der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft


Die erste Episode von Günter Eichs Hörspiel Träume von 1951 gilt nicht nur als eine der ersten literarischen Darstellungen der Shoah in der Nachkriegszeit; sie richtet sich zudem via Massenmedium Hörfunk an ein breites Publikum. Darüber hinaus ist Traum 1 als ein für die Geschichte der jungen Bundesrepublik bedeutendes Dokument dafür zu verstehen, wie ein nicht-jüdischer Autor sich mit der Shoah auseinandersetzt. Diese Ausgangskonstellation hat die Rezeption der Träume bis 1989 stets in zeitspezifischer Weise beeinflusst. Die wechselhafte Lesart von Traum 1 steht somit symptomatisch für bestimmte Konjunkturen in der Erinnerungskultur der alten Bundesrepublik. In jeder Phase seiner Rezeption wird Eichs Traum von der Großfamilie im Eisenbahnwaggon einer kreativen Fehllektüre unterzogen.


Jörg Döring, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Mediengeschichte an der Universität Siegen, beschäftigt sich insbesondere mit der Literatur- und Mediengeschichte des Dritten Reichs sowie der jungen Bundesrepublik.


19. November 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Dr. Jörg Metelmann / Antje Dombrowsky (St. Gallen / Berlin)

20 Jahre Fall der Berliner Mauer

Kapitan Andreevo. Geschichte einer Flucht – ein Dokumentarfilm


„Lasst Euch nicht zu Lumpen machen!“ Willy Brandts Appell an die DDR-Grenzer am 13. August 1961 ist ungehört verhallt. Fünf Jahre nach der Teilung Deutschlands kennen Heidemarie und Jürgen die Bedrohungen an der Mauer im eigenen Land. Sie wollen heiraten. Den Weg zueinander, von Leipzig nach Hamburg, planen sie via Bulgarien und Türkei. Sie ahnen nichts von den Prämien, die das DDR-Grenzregime den bulgarischen Genossen zahlt, wenn diese von Gewehrsalven durchsiebte Körper auf ihre Jeeps werfen. Nur zwei Prozent aller Fluchtversuche an dieser Grenze glücken. Kapitan Andreevo, die Kontrollstelle zwischen Ost und West, steht in diesem Film von Antje Dombrowsky und Jörg Metelmann für ein europäisches Kapitel, das von Fluchten und Grenzüberschreitungen handelt. Auf verschlungenen Pfaden fügt sich aus Interviews, aktuellem und historischem Filmmaterial, Tagebucheintragungen, Bildern und Musik die spannende Geschichte einer Flucht. Nah folgt die Handkamera den Gesichtern und erzählt über die Inkongruenz von Erlebtem, Erinnertem und Erzähltem, über die katalytische Wirkung vergangener Zeit. Nach der Vorführung stellen sich die Filmemacher den Fragen des Publikums.


Jörg Metelmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Leadership and Values in Society am Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen; die Filmemacherin Antje Dombrovsky studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg.


26. November 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Ethel Matala de Mazza (Konstanz)

200 Jahre Goethes Wahlverwandtschaften

Dämonische Allianzen. Wahlverwandtschaft mit Napoleon


Ein doppelter Ehebruch in der Phantasie und eine unglückliche Scheidungsgeschichte – das sind in Kürze die wenig weltbewegenden Geschehnisse, um die sich Goethes Wahlverwandtschaften zentrieren. Seltsam abwesend erscheinen die vielfachen Bedrängnisse, in die Preußen durch Napoleon und dessen rasanten Expansionismus geraten war. Mit Wahl und Verwandtschaft verknüpfen sich in Goethes Roman weder Bürgerrechte noch Solidaritäten unter Brüdern, sondern fatale Attraktionen, die erotische Bindungen ebenso unausweichlich machen wie chemische Reaktionen zwischen Kalkstein und Schwefelsäure. Das „Dämonische“ dieser Anziehungskräfte vollzieht der Roman auch ästhetisch nach, indem er ein feines Netz von Vieldeutigkeiten aufspannt, in dem sich schließlich diejenigen verfangen, die von den Attitüden alter Feudalherren nicht lassen wollen. Vom Ancien Régime wird am Ende so wenig übrig sein wie im Preußen des Jahres 1809, das angesichts des „Dämons“ Napoleon gar nicht anders kann, als sich zu reformieren.


Ethel Matala de Mazza, Professorin für Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Methoden an der Universität Konstanz, ist Expertin für die Verschränkung von Literaturästhetik und Kulturpolitik insbesondere der Zeit um 1800.


3. Dezember 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Peter Sprengel (Berlin)

Wilhelm II. – 150. Geburtstag

Mehr als eine Karikatur. Der letzte deutsche Kaiser im Spiegel der modernen Literatur


Als Wilhelm II. 1888 im Alter von 29 Jahren den Thron bestieg, galt er manchem Vertreter der Moderne als Hoffnungsträger. Bald jedoch entpuppte sich seine Kunstauffassung als extrem rückwärtsgewandt; Wilhelm II. erhob die Bekämpfung der „Rinnsteinkunst“ zur Chefsache. Darauf setzte eine Welle literarischer Auseinandersetzungen mit dem Kaiser ein – bis hin zu Thomas Manns Königlicher Hoheit und Heinrich Manns Der Untertan. Eine neue Dimension erreichte die Kritik am letzten deutschen Kaiser mit dem Ende des Ersten Weltkriegs. In Karl Kraus’ Letzten Tagen der Menschheit erscheint Wilhelm II. als Maske des Unmenschen, bei Hermann Broch als Vertreter einer lebensfremden „Romantik“. Neben solchen Abgesängen auf den abgedankten Kaiser, an denen sich auch die Satiriker Kurt Tucholsky und Walter Mehring beteiligten, gab es aber auch Stimmen, die dem einsamen Schlossherrn von Doorn und seinen kulturgeschichtlichen Studien Respekt bezeugten. Neben dem Legitimisten Rudolf Borchardt gilt dies überraschenderweise auch für den einst vom Kaiser demonstrativ zurückgesetzten Dramatiker Gerhart Hauptmann.


Peter Sprengel, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin, ist unter anderem Verfasser zweier voluminöser Geschichten der deutschsprachigen Literatur von 1870 bis 1900 und 1900 bis 1918.


10. Dezember 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Sigrid Weigel (Berlin)

50 Jahre Frankfurter Stiftungsgastdozentur Poetik

Die Rückseite der Vorlesung. Ingeborg Bachmanns Frankfurter Poetik-Vorlesung


Im Wintersemester 1959/60 war Ingeborg Bachmann mit ihrer Vortragsreihe „Fragen zeitgenössischer Dichtung“ die erste Dozentin der Stiftungsgastdozentur Poetik an der Goethe-Universität. Fragwürdig ist für Bachmann mit dem Glauben an eine vermeintliche „Stunde Null“ 1945 auch die Hoffnung auf einen literarischen Neuanfang. „Fragen zeitgenössischer Dichtung“ betreffen zuallererst die mühevolle Arbeit an der Sprache, die Täter und Opfer des Nationalsozialismus zu teilen hatten. Bachmanns Vorlesungen formulieren nicht nur programmatische Überlegungen zum Schreiben jenseits der „Scheinfragen“ des zeitgenössischen Literaturbetriebs: Sie sind auch im Blick auf ihre literaturpolitischen Kontexte sehr aufschlussreich und bedeuten Gratwanderungen im zeitgenössischen Literaturstreit, der im Feuilleton, in Briefen und Bachmanns engsten Freundschafts- und Liebesbeziehungen stattfand. Die sogenannte Goll-Affäre, hinter der sich der Paul Celan geltende Plagiatsvorwurf der Witwe Yvan Golls verbirgt und die auch Max Frisch herausforderte, mit dem übrigens Bachmann in jenen Jahren zusammenlebte, bildet den prekären Hintergrund der Rhetorik von Bachmanns Vorlesungen.


Sigrid Weigel, Professorin für Literatur und Kulturwissenschaften an der TU Berlin und Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (Berlin), hat unter anderem die vielbeachteten Biografie Ingeborg Bachmann – Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses geschrieben.


17. Dezember 2009, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Prof. Martina Wagner-Egelhaaf (Münster)

2000 Jahre Varusschlacht

[...] daß man nach Pfiffi- mich,/Statt Iphikon geführt. Zum Mythos Varusschlacht


Wie begeht man einen 2000. Jahrestag? Zumal wenn dieser Jahrestag auf ein Ereignis verweist, das in der Geschichte Deutschlands wiederholt im nationalistischen Sinne vereinnahmt wurde, indem die Deutschen spätestens im 17. Jahrhundert aus dem germanischen Cheruskerfürsten mit dem römischen Namen Arminius ihren Nationalhelden Hermann schufen? Und wenn man noch nicht einmal genau weiß, wo dieses Ereignis, das einst „Schlacht am Teutoburger Wald“ hieß, stattgefunden hat? Man erarbeitet eine große Ausstellung, die unter dem Titel „Imperium Konflikt Mythos“ gleichzeitig an drei Orten – in Haltern am See, Kalkriese und Detmold – gezeigt wird, um verschiedenen Schauplätzen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin schreibt dem Ausstellungsprojekt eine offensichtlich nationale Bedeutung zu, was auch für den Mythos der Varusschlacht selbst gilt. Wie wurden diese Schlacht des Jahres 9 nach Christus und ihre Akteure in der Literatur- und Kunstgeschichte rezipiert? Warum scheint es so wichtig zu sein, das Ereignis zu verorten? (Das Zitat im Titel der Vorlesung stammt übrigens aus Heinrich von Kleists Drama Hermannsschlacht.)


Martina Wagner-Egelhaaf, Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Münster, ist Expertin für die Autobiografie als literarische Erinnerungsarbeit.


14. Januar 2010, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal 6

Dietmar Dath (Freiburg)

Zehn Jahre Agenda 2010

Wir sind nichts


„Wie kriegt man Leute dazu, sich selbst zu verprügeln und dabei auch noch Schadenfreude zu empfinden“, fragt der Schriftsteller und Journalist Dietmar Dath und fügt an: „Margaret Thatcher war die erste in großem Maßstab erfolgreiche Politikerin einer westlichen repräsentativen Demokratie nach dem zweiten Weltkrieg, die sich offen zu der Ansicht bekannte, dass Menschen auch ohne jede Form der konkreten produktiven Vergesellschaftung in großen Gruppen zusammenleben können. Gerhard Schröder hat diesen Ansatz auf die Höhe eines mit steuerungstechnischer Präzision auszuarbeitenden Programms zur selbstregulierenden wechselseitigen Demütigung großer Bevölkerungssegmente gehoben. Das Referat soll diese Leistung würdigen und die Vorfreude auf eine Welt schüren, in der Menschen endlich charakterloser als fieberkanke Ratten sein werden.“


Dietmar Dath, freier Schriftsteller, zuvor Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat jüngst unter anderem die Romane Waffenwetter (2007) und Die Abschaffung der Arten (2008) verfasst.


21. Januar 2010, 18.30 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Hörsaal

Prof. Winfried Menninghaus (Berlin)

Charles Darwin – 200. Geburtstag

Biologie nach der Mode. Darwins Ornament-Ästhetik


Die Disziplin der Ästhetik als Frage nach dem Schönen ist im 18. Jahrhundert als Teilbereich der Anthropologie entstanden, und zwar zunächst als Frage nach der Leistungsfähigkeit sinnlicher Wahrnehmung. Im 19. Jahrhundert spaltet sich die Anthropologie in unterschiedlichste Disziplinen wie Psychoanalyse, Ethnologie, Verhaltensforschung auf, die vorwiegend dem Bereich der Naturwissenschaften zugehören. Es gilt indes, gegen alle Vorliebe der Geisteswissenschaften für autonome Kunstwerke, die ästhetischen Potenziale, die in den sogenannt harten Wissensbereichen fortbestehen, wahrzunehmen. Es gilt, Darwin als einen Autor neu zu lesen, der nicht nur eine Theorie der „natürlichen“, sondern auch eine der „sexuellen Selektion“ entwickelt hat, in der Schönheit als eine Art der Verschwendung gedacht wird. Das Phänomen physischer Attraktivität, wie es Darwins in seinem Buch The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex entwickelt, wird zur Frage nach dem Schönen. Für seine Theorie sexueller „Ornamente“ hat er leitende Begriffe der überlieferten Ästhetik neu akzentuiert: „Geschmack“, „Übertreibung“, „Capricen“ und „modische Launen“, die auch vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Diskussion über Mode zu lesen sind.


Winfried Menninghaus, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, leitet das Peter Szondi Institut an der FU Berlin, er hat die grundlegende Studie Das Versprechen der Schönheit über das Verhältnis des Darwinismus zur Ästhetik verfasst.


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