Enthaltend: Die Geschichte des ewigen Juden, die Abenteuer der sieben Schwaben, nebst vielen andern erbaulichen und ergötzlichen Historien




НазваниеEnthaltend: Die Geschichte des ewigen Juden, die Abenteuer der sieben Schwaben, nebst vielen andern erbaulichen und ergötzlichen Historien
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32. Ein braver Hausknecht.

 

Ein Christenmensch darf wol auch von seinem sauern Wochenlohn an Sonn- und Feiertagen oder sonstigen Festen sich eine ehrliche Lustbarkeit verschaffen, das wissen wir alle. Aber wenn er Gelegenheit hat, damit einem Elenden seine Noth zu erleichtern, so soll er sich lieber die Lustbarkeit versagen, und Gutes thun; das wissen wir auch alle, thun's aber nicht alle. Ein Hausknecht aber hat's gethan. Der war so eben drum und dran, auf eine Hochzeit zu gehen; und er hatte sein schönstes Kleid angelegt, und wie er sich so in seinem Schmuck vom Kopf bis zu den Füßen besehen, hat er bei sich gedacht: Ein schöner Kerl bist du, das ist wahr, und dein Mädel muß ihre Freud' an dir haben, wenn sie dich so geputzt sieht, wie ich an meinem Mädel desgleichen. – Und er drehte seinen Hut auf dem Kopf herum, und wollte schier in seines Herzens Freude einen Juchezer thun zum Voraus: Da trat ein fremder Mann in die Stube, der bat um einen christlich barmherzigen Beitrag für Abgebrannte. Das war nun so einer von den Augenblicken, wo es die Probe gilt, ob's mit der Frömmigkeit und der Nächstenliebe beim Menschen so oder so stehe. Bei unserm Hausknecht ist's gut gestanden. Er besann sich nicht lange, sondern dachte blos: Ei was! geh' ich zur Hochzeit, so sind erstlich drei Gulden zum Henker; zweitens bring' ich einen matten und müden Leichnam nach Haus, und drittens – mein Mädel denkt christlich, und wenn ich ihr's sage, so krieg ich ein schiefes Aug' von ihr. Und kurz, ich lasse Hochzeit Hochzeit sein, und gebe das Geld den Unglücklichen! Und das that er denn auch. Und wie er auf seine Kammer ging, und die Kleidungsstücke wieder ablegte, wollte ihm freilich die Hochzeit nicht recht aus dem Kopf und daß er ein schöner Kerl sei. Aber noch stärker und süßer war der Gedanke: Du hast als ein braver Kerl gehandelt, und Gott wird dir's vergelten im Himmel droben. – Das ist geschehen in Tyrol, im Jahre 1824. Der Name des braven Hausknechts ist in den Zeitungen nicht gestanden, aber in dem Buche des Vaters der Armen ist er aufgezeichnet.

 33. Sagen aus Südbaiern.

 

1. Die verwüstete Alpe.

An der Grenze des bairischen Oberlandes, unfern des Wendelsteins, ragen die Kaiserer empor, sehr hohe und schroffe Felsenwände, die einen großen Theil des Jahres mit Schnee bedeckt sind. In alten Zeiten sollen am nördlichen Abhang dieses Gebirges fruchtbare Alpen gewesen sein, und zahlreiche Heerden auf den fetten Matten geweidet haben, so daß die Menschen Ueberfluß hatten an Milch und Butter und Käs, und an allen zeitlichen Gütern.

Aber wie das Sprüchwort sagt: Reichthum gebiert Uebermuth, und Uebermuth gebiert Armuth, also geschah es auch hier. In Hülle und Fülle, wie diese Leute lebten, arteten sie immer mehr aus, und trieben es zuletzt so arg, daß sie Gottes Gabe, statt dafür zu danken, zu eitlem, freventlichem Spiele mißbrauchten. Sie erbauten sich eine Kegelstätte von lauter Käslaiben; dazu formten sie Kegel aus Butter, und schossen darauf mit Kugeln aus Brod, und hatten ihren Jubel dabei, – das ruchlose Geschlecht! Da endlich ergrimmte der Himmel über sie, und es ereilte sie plötzlich Gottes schwere Rache. Denn in einer Nacht brach ein furchtbares Gewitter aus; Regenströme schwemmten von den Alpen alles fruchtbare Erdreich hinweg; die Felsen erbeten und stürzten über ihren Häuptern und Hütten zusammen. Und so ist es denn geschehen, daß von der Zeit an da, wo ehedem grüne Matten von Fett troffen, nur kahle, gähstotzige Felsenwände emporstarren, an denen kein Gras wächst, kein Gesträuch wuchert, kein Leben gedeiht, – eine große, menschenleere Wüste!

 2. Der König Watzmann.

 

Vor langen Zeiten lebte ein König Watzmann; der hatte ein Weib und sieben Kinder. Er selbst aber war ein gewaltiger Jäger, dabei stolz und grausam; und seine größte Lust war es, begleitet von Weib und Kindern, und im Gefolge von Hunden und Knechten, auf den Gebirgen umher zu schweifen, die Gemsen und Hirsche zu hetzen, und an ihrem Blut sich zu weiden und an dem Aechzen und Stöhnen der Creatur. Eines Tages geschah es, daß König Watzmann, der wilde Jäger, vor die Hütte einer armen Hirtin kam; diese saß vor der Thür, ihr kleines Kindlein wiegend in ihrem Armen, und neben ihr lag ihr getreuer Hund, der ihre Heerde und Hütte beschützte. Flugs stürzen die wilden Rüden des Königs auf den Schäferhund los, einer von ihnen zerfleischt das Kind, der andere streckt die erschrockene Mutter nieder. Der König aber steht dabei, und sieht mit Lust das furchtbare Schauspiel an. Auf der Mutter Geschrei kommt der Vater aus der Hütte, mit dem Bogen in der Hand; und wie er das Entsetzliche gewahrt, da streckt er eine der wüthenden Rüden mit dem Pfeile nieder. Nun aber ergrimmt in Zorn der grausame König ob dem Fall seiner Rüde, und er hetzt Knechte und Hunde auf den Hirten und die Hirtin, die nun, von den Wüthenden zerfleischt, auf den Leichnam ihres Kindes niedersinken. König Watzmann aber, und sein Weib und seine Kinder schauen mit Hohnlachen und Frohlocken auf die unschuldigen Opfer der Wuth. Da erhebt sich aus der Erde Schooß ein Brausen, der Sturmwind bricht los; eine Feuersäule steigt empor, sie umwirbelt den Wütherich und seine Brut und verwandelt ihre Riesenleiber in Stein. – Und noch stehen sie da, der Watzmann und sein Weib nebst ihren sieben Kindern, als ungeheure Felsenberge, zum Andenken und warnenden Beispiel, daß Gottes Rache alle diejenigen ereilet, welche den Schwachen zertreten und den Unschuldigen morden.

 34. König Bauer.

 

Ein König, der keine Leibeserben hatte, verordnete in seinem Testamente, daß derjenige sein Nachfolger im Reiche sein sollte, welcher nach seinem erfolgten Hinscheiden am ersten zum Thore herein käme. Der Zufall traf, daß dies ein schlichter Landmann war, der seines Gewerbes wegen die Stadt besuchte. Alsogleich umringte und ergriff ihn das Volk, und führte ihn im Jubel zum Palast. Und der Mann wußte nicht, wie ihm geschah. Dort angekommen, wurde er in ein Prunkzimmer geführt und mit kostbaren Kleidern angethan, und mit dem Schwert umgürtet, und mit Scepter und Krone geschmückt. Das war ihm recht. Darauf geleitete man ihn, unter Trompeten- und Paukenschall, in einen reich verzierten großen Saal, und man setzte ihn auf den Thron, und alle die, welche ihn umstanden, huldigten ihm in Ehrfurcht als ihrem König und Herrn. Das war ihm noch lieber. Endlich brachte man ihn in den Speisesaal, wo die Tafel mit dem Kostbarsten gedeckt war, was man nur finden konnte, an schmackhaften Speisen und Getränken aller Art. Das war ihm am allerliebsten. Und so hielt er denn Hof wie ein König, und aß und trank wie ein König, und schlief zuletzt in einem schönen großen Gemache wie ein König. – Des andern Tages aber bekam die Sache eine andere Gestalt; er sollte nun auch amtiren wie ein König. Und es standen auch schon früh Morgens, ehe er noch aufgewacht, des Reiches Beamten im Vorzimmer, und ließen sich melden: es möge Seine Majestät geruhen, ihre An- und Vorträge allergnädigst zu vernehmen. Da deckte denn der Eine viele Mängel in der Verwaltung des Staates auf, und legte weitläuftige Pläne vor zur Verbesserung derselben in den verschiedenen Zweigen; der Andere schilderte den schlechten Zustand der Finanzen, und zeigte die Nothwendigkeit, die Staatseinnahmen zu vermehren, ohne den Unterthanen neue Lasten aufzulegen; der Dritte brachte Beschwerden und Bitten und Klagen und nichts als Klagen vor von Unterthanen, die sich durch Lasten bedrückt, in ihren Rechten gekränkt, in ihrem Fortkommen gehindert hielten. Und so kam Einer nach dem Andern, mit dem und jenem, und jeder wollte von Seiner Majestät Entscheidung und Unterschrift haben. König Bauer that sein Möglichstes, wie er denn von gutem Verstande und noch besserem Willen war; aber was er da alles hören und thun mußte, war ihm einmal zu viel, und er wünschte sich in sein enges Stüblein zurück, wo ihm niemand zur Last gefallen. Mittags schmeckte ihm das Essen nicht mehr recht, trotz allem Gesottenen und Gebratenen, zumal auch, da er vor und nach Tisch die Aufwartung vornehmer Herren und anderer Höflinge annehmen mußte, deren Gesellschaft ihm zwar sehr glänzend däuchte, aber auch sehr langweilig. Und er sehnte sich abermals zurück an seinen ärmlichen Tisch, zum schwarzen Brode, das er mindestens in Ruhe und Frieden zu verzehren gewohnt war. Nachmittags sollte große Heerschau sein, derer, die sogleich in den Krieg ziehen mußten gegen einen trotzigen und mächtigen Nachbar; und König Bauer, indem er die Reihen der Krieger durchritt, bedachte bei sich den Tod und Verlust so vieler junger, kräftiger Männer, und das Elend, das über Tausende hereinzubrechen drohte, und daß er, der König, die Verantwortlichkeit auf sich lade für das Blut, das vergossen, und für all den Jammer, der verbreitet werden sollte. Und Abends legte er sich mit kummervollem Herzen nieder, und wälzte sich in peinlicher Unruhe auf dem Lager umher, und er konnte nicht schlafen. O, wie wünschte er sich da zurück in sein stilles Kämmerlein, wo es ihm vergönnt war, obgleich auf hartem Lager, in erquicklicher Ruhe die Nächte zu verschlummern! – Da war sein Entschluß gefaßt. Des andern Morgens in aller Frühe ließ er sich seine Bauernkleidung vor sein Bett bringen, die er sogleich anzog; und als die Beamten sich melden ließen, trat er unter sie, und sprach: Sei König, wer da will; ich einmal will es nicht sein. Als Landmann habe ich blos meine Lasten zu tragen; als König sollte ich des ganzen Volkes Lasten tragen. Drum sei König, wer da will! Mit diesen Worten verließ er den Palast, und ließ sich seit der Zeit nicht mehr in der Stadt sehen. – – Das ist in fernen Landen und vor undenklichen Zeiten geschehen. In unsern Landen aber und zu unserer Zeit ist es freilich anders; da will fast jeder regieren und keiner gehorchen.

 35. Von der Ungleichheit der Stände.

 

Unter der Dorflinde, nach dem Gottesdienst, wurde den Bauern ein herrschaftliches Mandat verlesen, des Inhalts, daß sie zahlen sollten. Das war den Bauern nicht lieb; doch einige, die gescheidtern und bravern, fügten sich, und dachten, es sei einmal Recht und Herkommen, und steuern und sterben müsse man überall; andere aber murmelten und murrten durch einander, und sprachen von gemeiner Leute Lasten, und von vornehmer Herren Wohlleben, und vom Unterschied der Stände, und von der Gleichheit aller Menschen; und der Kesselflicker, der am wenigsten zu bezahlen hatte, that das Maul am weitesten auf. Indem kam der Pfarrer aus der Kirche und die Linde vorbei, und der Kesselflicker, der ärgste und der keckeste, ging ihn an, und sprach: Herr Pfarrer, seid so gut, und erklärt uns das Sprüchwort: Da Adam reutete und Eva spann, wo war da wol der Edelmann? und sagt uns, wie es zuletzt gekommen, daß die Menschen so gar ungleich geworden sind nach Ansehen, Vermögen, Rechten und Pflichten. Der Pfarrer, der seinen Mann kannte und seine Absicht verstand, sprach: Das will ich euch sagen. Und die Bauern traten näher herbei. Da Adam reutete und Eva spann – fing der Pfarrer an – da gewann Eva viele Kinder. Auf eine Zeit wollte unser Herr Gott zu Eva gehen und besehen, wie sie Haus hielt. Nun hatte sie eben alle ihre Kinder auf ein Mal bei einander, und wusch sie und schmückte sie. Da aber Eva unsern Herr Gott sah kommen zu ihr, versteckte sie etliche ins Stroh, etliche ins Heu, etliche ins Ofenloch, die allerhübschesten aber behielt sie bei sich. Unser Herr Gott sah die geputzten Kinderle an, und sprach zu einem also: du sollst ein König sein; zum andern: du sollst ein Fürst sein; zum dritten sprach er: du sollst ein Edelmann sein; zum vierten: du sollst ein Burgermeister sein; zum fünften: du sollst Schultheiß, Vogt oder Amtmann sein. Da nun Eva siehet, daß ihre Kinder, die so hervor waren, so reichlich begabt waren, sprach sie: Herr! Ich hab noch mehr Kinder; ich will sie auch herbringen. Da sie nun kamen, waren sie ungeputzet, schwarz und ungestalt; die Haare hingen ihnen voller Stroh und Heu. Da sah sie unser Herr Gott an, und sprach zu ihnen: ihr sollt Bauern bleiben, Küh und Säuhirten, Ackerleute; etliche von euch sollen in Städten Handwerk treiben, bräuen, backen und den ersten Herren dienen. Zuletzt kam noch einer hervor, der hinter dem Ofen geflackt, der allerwüsteste; zu dem sprach unser Herr Gott: du sollst ein Kesselflicker werden. Die Rede des Pfarrer ergötzte die Bauern, und sie lachten den Kesselflicker aus. Dann wandte sich der Pfarrer an einen alten, ehrlichen Mann und sagte: Das ist ein Mährlein, was ich euch erzählt habe, und steht nicht in der Bibel; aber wol steht in der Bibel, daß alle Stande von Gott seien, und daß man sie in Ehren halten soll; wie geschrieben steht: Gebet Jedermann, was ihr schuldig seid; Steuer, dem Steuer gebühret; Zoll, dem Zoll gebühret; Ehrfurcht, dem Ehrfurcht gebühret; Ehre, dem Ehre gebühret (Röm. 13, 7.).

 36. Von dem Handel zwischen den Edelleuten und den Bauern.

 

In einem alten Buch lieset man einen guten Schwank von dem Handel zwischen den Edelleuten und den Bauern. Die Edelleute, ihres Standes und ihrer Ehren eingedenk, wollten zu mehr Einkommen gelangen; und sie beschlossen daher, sich deshalb an den rechten Mann zu wenden, an St. Peter, dem, wie sie wußten, die Schlüssel zu allen Herrlichkeiten des Himmels und der Erde vom Herrn gegeben waren. Der Himmels-Fürst nahm sie auch auf in allen Ehren, als solche, die von Gott selbst schon der Geburt nach ausgezeichnet sind vor den übrigen Menschen; und er bewilligte ihnen alles, was sie verlangten: Auf- und Abfahrtsgeld, Besthaupt, Frohnen, Gilten, Heimfall, Küchendienst, Laudemien, Leibreicht, Scharwerk, Stift, Vogteihaber, Todtheil, Zehenten, Groß- und Kleinzehenten, Blut- und Naturalzehenten, und noch viele andere Steuern und Abgaben, wie sie des Namens heißen mögen. So nahmen sie denn mit Dank Abschied, und kamen, mit ihren Rechten und Gewalten zufrieden, in ihre Heimat zurück. Alsbald empfanden auch die Bauern die Noth, und sie erseufzten schwer und erlagen schier unter den Lasten, die ihnen von den Edelleuten auferlegt wurden. Und wenn sie sich nun bei ihren Herren beklagten, so bekamen sie im gelindesten Falle die Weisung, daß es also im Himmel beschlossen sie, den Handel zwischen Edelleuten und Bauern betreffend. Da geriethen endlich die geplagten Bauern auf den Einfall, daß sie ebenfalls gen Himmel, zu St. Peter, zögen, und von ihm Wohlthaten ausbitten möchten; und sie setzten sogleich den Entschluß ins Werk. St. Peter nahm sie auch in Gnaden auf, und hörte ihr Gesuch in Geduld an; und nach angehörter Bitte übergab er ihnen einen langen Zettel, worauf alles verzeichnet war, was er zu verschenken und zu vergeben in der Macht hatte. Die Bauern durchsahen das Register fleißig und genau, von vorn und von hinten, aber sie fanden alles durchgestrichen von dem, was die Menschen sich wünschen mögen für dieses Erdenleben. Nur der Himmel war übrig und stand noch offen. Also baten sich die betrübten Bauern von St. Peter mindestens den Himmel aus, als absonderliche Wohlthat und Bauern-Privilegium; wogegen den Edelleuten, den Bauernschindern, die Hölle zum Erbtheil werden solle. Das ward ihnen denn auch bewilliget, und sie gingen fröhlich zurück in ihre Heimat. Als nun die Edelleute vernommen, daß die Bauern also lustig heimgekehrt seien, so fragten sie nach der Ursache solcher Freude, und was ihnen denn Gutes zugefallen sein möge, da doch St. Peter nichts mehr zu vergeben gehabt hätte. Diesen antworteten die Bauern: Sollen wir denn nicht fröhlich sein, da wir von St. Peter den Himmel erhalten haben? Da sagten die Edelleute: Hol uns der Teufel! Wir haben nicht an den Himmel gedacht. – Merk: Dies ist ein Schwank, und nichts weiter; aber die Bauern können daraus etwas lernen, und die Edelleute auch.

 37. Vom Rathgeben.

 

Gib Acht, daß es dir nicht gehe, wie dem Spatzen, der andern Vögeln Rath gab, aber sich selbst nicht zu rathen wußte und vor Gefahr zu hüten. Es hat sich nämlich begeben, daß die Holztauben ein Nest mit Jungen auf einem hohen Baum gehabt haben; da ist der Fuchs gekommen, und hat gedrohet, er wolle hinauf steigen und die Jungen mit dem Neste nehmen, wenn sie ihm nicht ein Junges herabwerfen. Da sind die Tauben erschrocken und haben sich heftig gefürchtet. Zuletzt haben sie ihm ein Junges herabgeworfen; das hat der Fuchs genommen, und ist mit davon gezogen. Als er aber hinweg gewesen, hat der Spatz die Holztauben unterwiesen und gelehret: wenn er schon wieder käme, sollten sie ihm nichts geben, sondern sprechen, sie wären in ihrem Nest; wenn er kühn wäre, sollte er heraufsteigen. Da nun der Fuchs wieder gekommen, haben sie ihm nichts mehr geben wollen. Alsbald hat der Fuchs gemerkt, daß sie der Spatz gewarnt habe, der so eben auf einer nahen Dornhecke saß. Der Fuchs kehrte sich zu ihm, und schaute, wie er ihn möchte mit List hintergehen. Er sprach: Es ist doch ein freies Ding um einen Vogel, er kann hinfliegen, wo er will, und ist überall sicher vor dem Jäger. Allein das ist bös, daß ihr euch im Winter vor Kälte und Wind nicht könnt beschirmen. Darauf sprach der Spatz mit großem Rühmen: O es schadet uns der Wind nicht, denn wenn er auf der rechten Seite herwehet, so stecken wir den Kopf unter den linken Flügel; wehet er aber von der linken Seite her, so stecken wir den Kopf unter den rechten Flügel; und so können wir uns also vor allem Wind und Frost erretten. Da er nun ein langes und ein breites Geschwätz machet, spricht der Fuchs: Du sitzest zu hoch oben; ich kann dich nicht verstehen, denn ich höre sonst nicht recht wohl; und beredete also den Spatzen, daß er weiter herab saß. Da fragte ihn der Fuchs: Wie er denn thäte, wenn der Wind von vornen herwehete? Da stieß der Spatz den Kopf zwischen die Beine in die Federn und wollt' es ihm zeigen. Der Fuchs aber, nicht unbehend, erwischte den Spatzen und fraß ihn. Also kam der Spatz um, der andern gerathen hat, sich selber aber wußte er nicht zu rathen.

 
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