„…Anna Sergejewna setzte sich in denselben Sessel wie tags zuvor, und Basarow nahm auch den gleichen Platz wieder ein: ´Wie nannten Sie das Buch?´- sagte sie




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„…Anna Sergejewna setzte sich in denselben Sessel wie tags zuvor, und Basarow nahm auch den gleichen Platz wieder ein: ´Wie nannten Sie das Buch?´- sagte sie nach einem Augenblick Schweigen. ´Pelouze et Frémy Notions Générales´, antwortetet Basarow. ´Übrigens kann ich auch noch Ganots Traité élémentaire empfehlen.´“

Iwan Turgenjew „Väter und Söhne“


Eine Bibliothek als beredte Zeugin eines umfassenden

Wandels des wissenschaftlichen Weltbilds


Teil I: Die Autoren der Werke der Bibliothek des Robert Wilhelm Bunsen in Kurzbiografien


Rudolf Werner Soukup und Andreas Schober, TU Wien


f. R. S.


Bunsen – mit diesem Namen assoziieren die meisten unserer Zeitgenossen nur eines: den Bunsenbrenner1. Dass Bunsen die berühmtesten Laboratorien seiner Zeit geleitet hat und Hunderte von Schülern zu ihm pilgerten, ist schon weniger bekannt. Dass die von ihm und seinem Kollegen Kirchhoff entwickelte Methode der Spektroskopie der Schlüssel war, um sowohl auf Erden wie im Himmel in neue Welten vorzustoßen, ist bereits Insiderwissen. Unterschätzt wird der Impetus für die Physiologie, der von Bunsens Forschungsstätten ausgegangen ist.


Das mag damit zusammenhängen, dass es bislang keine wirklich umfassende Biografie Robert Wilhelm Bunsens gibt. Mit ein Grund mag auch sein, dass Bunsens riesige Bibliothek für gut ein Jahrhundert lang gut versteckt auf dem (brandgefährlichen) Dachboden eines Laboratoriums auf einem Fabriksgelände in Kärnten lagerte und für niemanden zugänglich war.


So wie die Bibliothek des Robert Wilhelm Bunsen nach seinem Tod im August 1899 in 75 Transportkisten verpackt auf die Reise von Heidelberg zunächst nach Leipzig und dann über Wien-Atzgersdorf nach Treibach geschickt worden war, lagen die Bücher, Sonderdrucke, Manuskripte, Zeichnungen und Karten weitgehend unberührt fast auf den Tag genau 100 Jahre auf dem Dachboden des Forschungsinstituts der FirmaTreibacher Chemische Werke in Kisten.


Wie kam die Bibliothek des Robert W. Bunsen nach Kärnten?


Carl Auer Freiherr von Welsbach hatte Dank seines Vermögens die Bibliothek seines Lehrers im Jahre 1900 durch Ankauf über die Leipziger Buchhandlung Gustav Fock erworben. Er verfügte offensichtlich nicht über Zeit und Muße die wissenschaftlichen Werke aus den Kisten herauszunehmen, auf Regale zu stellen oder womöglich zu lesen.


All dies erfolgte erst lange nach der Eröffnung des Auer von Welsbach-Museums in Althofen. Was bei Öffnen der Kisten glech zu Beginn auffiel, war der große Anteil von zumeist ungebundenen Sonderdrucken in dieser Bibliothek. Es handelt sich hier ganz augen­scheinlich nicht um die Bibliothek eines bibliophilen Büchersammlers, sondern um die Hand­bibliothek eines Wissen­schaftlers, eines Forschers und akademischen Lehrers.


Mittlerweile wurde dem Auer von Welsbach Museum der ursprüngliche handgeschriebene „Katalog des Professor sic Dr. Rob. Wilh. Bunsen zu Heidelberg“ von Dipl. Ing. Erich Auer-Welsbach zur Herstellung einer Kopie zur Verfügung gestellt. Der 1899 noch in Heidelberg erstellte 115 Quartseiten umfassende Katalog (K1) enthält folgende Unterteilungen:


Bücher (darunter auch einzelne Broschüren und Dissertationen)“ Seite 1 – 31; Hier gibt es Angaben über den ehemaligen Standort der Bücher z.B.: „IV. 4. r.“

Bunsens eigene Schriften“. Seite 32 – 34.

Gemischte Schriften von Bunsen mit Anderen“. Seite 35 – 36

Heidelberger Schriften“. Seite 36 – 39. Standortbezeichnung: II 7

Münchener Festreden = Schriften“. Seite 39 – 4. verschiedene Standorte

Periodische Schriften und Akademie-Schriften“. Seite 42 – 54. verschiedene Standorte

Separat-Abdrucke“. Seite 55 – 68: keine Standortbezeichnungen

Kleinere Abhandlungen und Broschüren“. Seite 69 – 86.

Broschüren, naturwissensch. u. medizinische.“ Seite 87 – 101.

Broschüren verschiedenen sonstigen Inhalts:“ Seite 101 – 103.

Dissertationen“

a, Naturwissenschaftliche und medizinische.“ Seite 104 – 112.

b. Sonstige Dissertationen. Seite 112 – 115.


Dem Schriftbild nach zu schließen wurde der Katalog von drei Personen erstellt. Gelegentlich findet am linken Rand der Seite Hinweise von anderer Hand, in welche Kisten die Werke gepackt wurden. Die einzelnen Positionen wurden außerdem mittels eines Häkchens - offensichtlich bei einer späteren Kontrolle – entweder abgezeichnet oder nicht. Stichprobenartige Überprüfungen ergaben, dass ein nicht vorhandenes Häkchen nicht unbedingt bedeutet, dass das Werk (oder der Separatdruck) nicht mehr vorhanden ist.

Es gibt noch drei weitere handgeschriebene Kataloge der Bunsen-Bibliothek, die etwas später angefertigt worden sind. Der erste davon ist betitelt mit „Bücher (darunter auch einzelne Broschüren u, Dissertationen)“: K2. Er hat einen Umfang von 31 Seiten und hätte offensichtlich den neuen Standort der Bücher angeben sollen - aber die Spalte mit der Überschrift "Standort" blieb leer. Der zweite wesentlich ausführlichere (K3) ist nur bis zum Buchstaben H vorhanden, enthält allerdings viele Angaben über Separatdrucke sowie Hinweise auf Widmungen. Sein Umfang beträgt 34 Seiten. (Dem Inhalt eines Briefes im Archiv der Bunsen-Bibliothek nach zu schließen, dürfte es sich bei dem zuletzt genannten Katalog um jenen handelt, der zwischen 1901 und 1905 in der Atzgersdorfer Fabrik des Carl Auer von Welsbach begonnen wurde.) Im Anschluss an den zuletzt erwähnten Katalog wurden noch vom gleichen Schreiber drei Seiten mit Angaben zu „Bunsenarbeiten, die in mehreren Exemplaren vorhanden sind und von denen Duplikate hievon nach Schloss Welsbach an Hochwg. Herrn Baron gesandt wurden am 17. II. 1905“ angefügt: K4.


Beim Vergleich der Angaben der Kataloge mit den in den Kisten aufbewahrten Büchern und Separatdrucken fällt bereits bei oberflächlicher Durchmusterung auf, dass die Sonderdrucke weitestgehend vollständig vorhanden sind. Verluste werden jedoch offenkundig bei den gebundenen Werken, insbesondere bei den Raritäten.


Als besonders schmerzlich muss der Verlust der achtbändigen Prachtausgabe der 1877 erschienenen Gesamtausgabe der Werke des Bunsen-Schülers Edward Frankland „Experimental Researches in Pure, Applied and Physical Chemistry“ angesehen werden,2 weil diese besondere Ausgabe eine bewegende Dedikation enthielt, schrieb doch Frankland:


Ich widme diese Blätter meinem Freunde und Lehrer Robert Wilhelm Bunsen, dessen Untersuchungen über das Kakodyl, über die Gase des Hochofens und über die vulkanischen Erscheinungen Islands ich immer als die Muster wissenschaftlicher Arbeiten in der reinen, angewandten und physikalischen Chemie angesehen habe, als ein Zeichen sowohl meiner Hochachtung wie auch meiner Dankbarkeit für seinen Unterricht, der mir die Notwendigkeit der Vollständigkeit und Genauigkeit bei allen wissenschaftlichen Arbeiten einpflanzte. Ich wünsche nur, dass sie ihres hohen Beispiels würdiger wären.3


Nicht mehr gefunden werden konnten bis jetzt außerdem:


F. Arago; Sämmtliche Werke in 16 Bänden, W. G. Hankel (Hg.), Leipzig 1854-60;4

Sv. Arrhenius, Rech. sur la conductibilité galvanique des électrolytes, Diss., Stockholm 1884;

J. J. Berzelius, Lehrbuch der Chemie“ aus (der schwedischen) „Handschrift (des Verfassers) übersetzt von Wöhler“ Band I – IX, 3. Original-Auflage 1832 – 1840.

Ch. Darwin, The expression of the emotions in man and animals, London 1872;

J. W. Döb(e)reiner5, Neue Beiträge zur chemischen Dynamik des Platins, 1845;

Guldberg und Waage, Ètudes sur les affinités chimique, Christiania 1867;

Ch. Huygens: Vollständiges Werk 1638 – 1684“, 8 Bände, Den Haag 1888/99: (3 vorhanden)

A. de Lavoisier; Œuvres de Lavoisier, 3 Bände (von insgesamt 6), Paris 1862-65;

J. Loschmidt, Chemische Studien I, Wien 1861;

W. Ramsay, The gases of the atmosphere, London 1896;

W. H. Watts, Index of spectra, London, 1872;

F. Wöhler, Grundriss der organischen Chemie 2. Aufl., II. Theil, Berlin 1841;

F. Wöhler, Grundriss der unorganischen Chemie, 13. Aufl., Berlin 1863;

A. Wuertz, La theorie atomique, Paris 1879;

Cl. Winkler, Anleitung zur chemischen Untersuchung der Industriegase I. Abt., Freiberg 1876;

II. Abt., Freiberg 1879.


Hingegen wurden in den Kisten auch einige Bände mit einem Erscheinungsdatum nach 1900 festgestellt.6 Dr. Gerfried Klinger hat auch diese Druckwerke in seine Liste aufgenommen. In der vorliegenden Arbeit werden diese Bücher jedoch nicht berücksichtigt.


Im Archiv des Bunsen-Museums konnte zwar keine Rechnung vom Ankauf der Bibliothek durch Auer von Welsbach gefunden werden. Hingegen hat Roland Adunka vor kurzem ein Rundschreiben der Buchhandlung Gustav Fock in Leipzig vom Juli 1900 entdeckt, in welchem mitgeteilt wird, dass die Antiquariats-Buchhandlung Fock soeben die Bibliothek des berühmten Chemikers Bunsen erworben hat und sie um den Preis von 12.500,-- Mark zum Kauf anbietet.7


Gleich eingangs werden nicht weniger als 77 Namen der bedeutendsten Chemiker, Physiker und Biologen des 19. Jahr­hunderts aufgezählt, von denen Aufsätze oder gebundene Druckwerke in die Bibliothek gelangt sind. Hier nur ein paar Beispiele: Becquerel, Beilstein, Berthelot, Biot, Dalton, Dumas, Fittig, Frankland, Gerhardt, Gmelin, Haeckel, van´t Hoff, Helmholtz, Kekulé, Kirchhoff, Kolbe, Ladenburg, Landolt, Lavoisier, Liebig, Meyer, Schorlemmer, Stas, Strecker, Tschermak, Tyndall, Wöhler, Wurtz, Zöllner…


Besonders hingewiesen wird in diesem Schreiben auf die große Zahl „bedeutender Werke namhafter Autoren aller Länder“. Angegeben sind die wichtigsten in dieser Bibliothek vorhandenen gesammelten Jahrgänge folgender Periodica: Liebigs Annalen der Chemie 1840–99, Archives néederlandaises des sciences exactes 1866-99, Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 1849-98, Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1868-99, Deutsche Zeitschrift für Ethnologie 1870-97, La Lumière éléctrique 1879-1894, Berzelius Jahresberichte 1840-47, Journal für praktische Chemie 1870-89, Journal of the chemical Society of London 1862-99, Zeitschrift für Elektrochemie 1894- 99, Zeitschrift für analytische Chemie 1862- 99. Des weiteren werden die Schriften der gelehrten Gesellschaften aufgezählt, wie z.B. die Monatsberichte der Königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin 1866-99, die Berichte der Dänischen wissenschaftlichen Gesellschaft in Kopenhagen, die Proceedings of the Royal Society of London 1858-99, die Sitzungsberichte der Wiener Akademie der Wissenschaften 1845-98, Comptes rendues de l'Académie des Sciences. Kleinere Schriftreihen der Akademien (oder wissenschaft­lichen Gesellschaften) von Bologna, Boston, Bukarest, California, Dublin, Edinburgh, Frankfurt/Main, Göttingen, Lund, Mailand, Manchester, Neapel, Paris, Pest, St.Petersburg, Rom etc. ermöglichen tiefe Einblicke in das wissenschaftliche Leben um 1870. Besonders hervorzuheben ist die Reichhaltigkeit der Bibliothek an kleineren Abhandlungen, Broschüren und Separatabdrucken sowie die Existenz eines „autographierten Katalogs“.


Zu ergänzen wären hier die Jahresberichte der verschiedensten wissenschaftlichen Vereine. Wir finden die Zeitschriften des Braunschweiger Naturwissenschaftlichen Vereines, der Brünner Naturforschervereinigung, der Breslauer Gesellschaft für naturkundliche Studie, der Dresdner Vereinigung für Natur- und Heilkunde, die Helffenberger Annalen, die Hefte der Erlanger Physikalischen und Medizinischen Gesellschaft, die Berichte der naturwissenschaftlichen Gesellschaften von Halle, Hamburg, Heidelberg, Marburg, Leipzig, Wetterau, Wiesbaden. Nicht zu vergessen sind auch schweizer, polnische, dänische und norwegische Journale, diverse Gedenkschriften und -reden, Jubiläumsbände etc.


Ganz offensichtlich hat Carl Auer von Welsbach nicht lange gezögert, das Angebot der Buchhandlung Fock anzunehmen. Er hat wohl noch im Verlauf des Jahres 1900 die Bibliothek erworben, wobei seine durchwegs positiven Reminiszenzen an Heidelberg eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben dürften.


Das akademische Leben an der Universitäten Marburg, Breslau und Heidelberg dokumentiert durch eine Bibliothek


Heidelberg war um 1870 das Mekka für viele junge wissbegierigen Chemiker, Physiker, Astronomen und Physiologen. Bunsen wirkte wie ein Magnet. Die Zahl seiner Schüler ist Legion. Das hatte sich übrigens sogar im Kreis der Literaten herumgesprochen. Man braucht nur in Turgenjews „Väter und Söhne“ den Dialog zwischen der russischen Aristokratin Jewdoxija Kukschinka und dem jungen Arzt Basarow lesen: Madame Kukschinka: „´Ich möchte reisen; voriges Jahr war ich auch schon im Begriff, mich auf den Weg zu machen.´ ´Nach Paris, ohne Zweifel?´ fragte Basarow. ´Nach Paris und nach Heidelberg.´ ´Heidelberg, wozu?´´Wie! Weil Bunsen dort wohnt.´“


Bunsen war allerdings schon vor seiner Ankunft in Heidelberg berühmt. Christoph Meinel hat die Marburger Zeit Bunsens beschrieben.8 Christine Stock ist eine kritische Edition der Korrespondenz Bunsens vor dem Antritt seiner Heidelberger Professur (1852) zu verdanken.9 Dank der Edition der an Bunsen gerichteten und von Bunsen geschriebenen Briefe vor 1852 ist es möglich persönlichen Beziehungen zu etlichen Autoren von Büchern und Sonderdrucken aus der Göttinger, Marburger und Breslauer Zeit Bunsens anzugeben.


Wer den wissenschaftlichen Betrieb in einem Universitätsinstitut noch vor der Benutzung des Internets kennen gelernt hat, weiß dass seit jeher dem Versenden von Sonderdrucken eine große Bedeutung zukam, ja dass das Versenden von Preprints und Separatdrucken wesentlicher Teil der wissenschaftlichen Kommunikationskultur war. Sei es nach postalischer Aufforderung, sei es als Geste der Verbundenheit, wurden nach der Drucklegung eines Aufsatzes in einem wissen­schaftlichen Journal eine beträchtliche Zahl von ungebundenen Separata in alle Welt versandt. Es gehörte zum guten Ton dabei, ein kurzes Begleitschreiben oder eine Visitenkarte mitzuschicken bzw. einen Gruß, eine Widmung oder wenigsten eine Unterschrift auf der Titelseite der Broschüre anzubringen. Und wirklich enthalten gut 35% aller in der Bunsen-Bibliothek enthaltenen Separatdrucke derartige Widmungen. Wie z.B. „Meinem hochverehrten Lehrer – vom Verfasser“.


Da wir feststellen konnten, dass unter den Autoren der Separata bevorzugt Schüler und Kollegen des Robert W. Bunsen zu finden sind, wurde bald klar, hier die einmalige Chance vorzufinden, einen Einblick in das wissenschaftliche Netzwerk zu erhalten, das sich von Heidelberg aus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert so gut wie über ganz Europa und sogar bis nach Amerika, Indien oder gar Japan spannte. Dort wo es keinen unmittelbaren persönlichen Bezug zu Bunsen gibt, sind es wenigstens die Themen der Abhandlungen, die mit den Forschungsprogrammen der Heidelberger Institute in einer Beziehung stehen. Auf diese Weise gehören demnach auch letztere Arbeiten zur wissenschaftlichen Welt des Robert W. Bunsen. Erkennbar sind vier große Themenbereiche: anorganische Chemie, Spektroskopie/Astrophysik, physiologische Chemie/ organische Chemie, Geologie-Mineralogie. Bunsen selber hat auf mehreren Gebieten der Chemie selber außergewöhnliche Leistungen vollbracht und erstaunlich viele seiner Schüler zu Höchstleistungen angespornt. Die starke Präsenz der Physiologie und der Astronomie in der Bibliothek ist ohne Zweifel dem beispielgebendem Zusammenwirken Bunsens mit dem Physiologen Helmholtz10 und dem Physiker Kirchhoff11 zu verdanken.


In eigentlich unglaublicher Weise hat die in Heidelberg entwickelte Spektroskopie das Weltbild revolutioniert. Es ist nicht nur so, dass diese Methode das entscheidende Werkzeug war, die damals noch fehlenden Elemente zu entdecken. Wie sich aus etlichen Aufsätzen der Bunsen-Bibliothek erkennen lässt, wurde schon bald nach der Entwicklung leistungsfähiger Spektroskope diese Apparaturen von jungen Astronomen dazu benutzt, das Licht fernster Gestirne zu analysieren. Dabei wurde erkannt, dass die leuchtende Materie der Sonne und der Sterne nicht gänzlich andere Informationen (sprich Linien) liefert als das Licht heißer Flammgase. Bis heute gehen wir davon aus, dass die leuchtende Materie im gesamten Universum einen einheitlichen Aufbau hat.


Weniger spektakulär und dennoch bahnbrechend waren die anfänglich von Ärzten, später von Physiologen und analytisch arbeitenden Chemikern durchgeführten Versuche, die im Körper von gesunden wie kranken Lebewesen ablaufenden chemischen Reaktionen zu studieren. Auch in dieser Hinsicht sind von Marburg, Breslau und Heidelberg wichtige Impulse zu Etablierung der Fächer Toxikologie, physiologische und klinische Chemie ausgegangen. Bunsen sammelte jedenfalls eifrig medizinische Dissertationen und war am Fortkommen der bei ihm in die Lehre gegangenen Pathologen und Physiologen interessiert.


Ein eigenes Thema ergibt sich aus der Tatsache, dass einige von Bunsens österreichischen, norwegischen, russischen und amerikanischen Studenten nach der Rückkehr in ihre Heimatländer eigene Schulen gründeten. Mit diesem Faktum wird sich unter anderm der 2. Teil dieses Beitrages befassen.


Noch zu diskutieren wird auch sein, wie die vielen juristischen, philologischen und theologischen Dissertationen und Habilitationsschriften in Bunsens Besitz kamen. Interessierte sich Bunsen für all diese Themen? Oder war es zu seiner Zeit im Professorenkollegium üblich, wissenschaftliche Arbeiten in großer Zahl über die Grenzen der Fakultäten hinweg auszutauschen?


Wenn wir auf zahlreiche italienische, irische, spanische, holländische, dänische, schwedische und norwegische Arbeiten in der Bibliothek stoßen, so müssen wir uns auch daran erinnern, dass Robert Bunsen nicht nur in jungen Jahren eine bemerkenswerte geologische Island-Expedition unternommen hat, sondern dass er Zeit seines ganzen Lebens - auch noch als Ordinarius in Heidelberg - die vorlesungsfreie Zeit für ausgedehnte Reisen nutzte, auf denen er Forscher in großer Zahl kennen lernte. Er unternahm elf Italienreisen, wobei er sogar Sizilien besuchte, vier Reisen nach Schottland und England, mehrere in die Schweiz, zwei nach Mallorca, eine nach Schweden mit Rückreise über Dänemark und das Baltikum. Er kannte Wien, Paris, Berlin, Stockholm, Göteborg, Kopenhagen, London, Glasgow,… Er war Mitglied des Alpenvereins,12 unternahm selber Bergbesteigungen. Beispielsweise bestieg er den Vesuv. Der wissenschaftliche Ertrag seiner Reisen war Bunsen wichtig.13 In seiner Bibliothek zeugen die vielen Reiseberichte von seinen Reisevorbereitungen.


Unter den wenigen anonymen Schriften der Bibliothek sind vier Nekrologe erwähnenswert: auf Rudolf Emanuel Clausius (erschienen o.O.), auf Dr. Pagenstecher (Heidelberg 1875), auf Dr. Carl Schmidt (Dorpat 1895) und auf den bedeutendsten Mitarbeiter Bunsens Edmund Roscoe (Oxford 1885).

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